Champions League: Bayern vor Real: Die Marschroute für den Königsklassenkampf

Der FC Bayern München steht im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid nach dem 1:2 im Hinspiel unter Druck. Im vierten Jahr in Folge droht das Aus gegen eine spanische Mannschaft. Vor dem Auftritt im Santiago Bernabeu stehen viele Fragezeichen hinter der personellen Besetzung des Teams. Nichtsdestotrotz geben sich Trainer, Spieler und Verantwortliche kämpferisch und optimistisch. Das Mia san Mia soll großgeschrieben werden.

Der FC Bayern München steht im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid nach dem 1:2 im Hinspiel unter Druck. Im vierten Jahr in Folge droht das Aus gegen eine spanische Mannschaft. Vor dem Auftritt im Santiago Bernabeu stehen viele Fragezeichen hinter der personellen Besetzung des Teams. Nichtsdestotrotz geben sich Trainer, Spieler und Verantwortliche kämpferisch und optimistisch. Das Mia san Mia soll großgeschrieben werden.

"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren." Ein bekannter Sinnspruch von Bertolt Brecht. Meist eher in der linken Szene verwendet. Häufig als Leitspruch auf Bildern oder Plakaten, in Zusammenhang mit roten Sternen. Als Parole für den Klassenkampf.

In diesem Fall gesprochen aus dem Mund von Karl-Heinz Rummenigge. Am Flughafen Franz-Josef-Strauß am Montagmorgen im verregneten München. Als Marschroute für den Königsklassenkampf.

Reise mit schwerem Gepäck

Bayern München trat die Reise in die spanische Hauptstadt Madrid mit reichlich schwerem Gepäck an.

Mit Fragezeichen über den Einsätzen von Jerome Boateng und Mats Hummels. Mit der Befürchtung, im vierten Jahr in Folge an einer spanischen Mannschaft zu scheitern und gar erstmals seit acht Jahren im Viertelfinale. Damals unter Jürgen Klinsmann war für die Roten der FC Barcelona Endstation. Ebenfalls ein spanisches Team.

Freilich hinkt der Vergleich, war der FC Bayern seinerzeit alles andere als Titelfavorit und vom Gedanken einer Finalteilnahme weit entfernt.

Ein Viertelfinalaus im Jahr 2017 hätte schon eine andere Wirkung. Und nach dem Hinspiel gegen Titelverteidiger Real Madrid mussten sich die Münchner zumindest mit diesem ungeliebten Szenario befassen.

Erste CL-Heimniederlage nach 16 Siegen

Das 1:2 in der heimischen Allianz Arena war die erste Heimniederlage in der Champions League nach 16 (!) Siegen in Serie. Zuletzt waren es in der Saison 2013/2014 ebenfalls die Königlichen gewesen, die in der bayrischen Landeshauptstadt siegten.

Die Ausgangsposition für den Einzug in die Runde der letzten Vier war beim Abflug am Montagmorgen also alles andere als optimal. Und doch appellierte Karl-Heinz Rummenigge an die große Aura der Bestia Negra, das Mia-san-Mia-Gefühl: "Der FC Bayern ist berühmt und berüchtigt für einen außergewöhnlichen Willen in solchen Spielen."

Bereits nach dem Hinspiel hatte Thomas Müller - halb unter dem Eindruck der Enttäuschung, halb mit kämpferischem Blick nach vorne - betont: "Wir brauchen kein Fußballwunder, aber natürlich eine überragende Leistung."

Dass die Bayern zu einer solchen in der Lage sind, zeigten sie in dieser Saison bereits in Topspielen wie gegen Arsenal, Leipzig, Dortmund und phasenweise auch in der ersten Halbzeit gegen Real: "Die erste Hälfte der Partie in München war komplett unsere. Wenn wir mit 2:0 in die Pause gehen, wäre die Geschichte eine andere", sagte der ehemalige Real-Profi Xabi Alonso zu El Pais.

Bayern muss zwei Tore schießen

Doch die Geschichte ist eben keine andere. Wenn am Dienstagabend um 20.45 Uhr im Estadio Santiago Bernabeu die Pfeife schrillt, ist die Ausgangsposition klar: Bayern muss auf jeden Fall zwei Tore schießen, um mindestens die Verlängerung zu erreichen oder sogar nach 90 Minuten weiterzukommen.

Ob die bisherigen Gradmesser a la Arsenal, Dortmund und Leipzig mit einem Auswärtsspiel im Bernabeu zu vergleichen sind? Schwierig. Am Montagabend wirkte das legendäre Stadion in der Madrider Abendsonne erhaben, ruhig, beinahe besonnen. Am Dienstag wird es sich in einen maximal schwierig einzunehmenden Fußballtempel verwandeln: "Ich kenne die Stimmung im Bernabeu in solchen Nächten. Das ist ein besonderes Ambiente", betonte Alonso.

Für den Basken ist die Rückkehr emotional, das bestätigte er auch auf der PK: "Ich liebe diesen Klub und dieses Stadion. Morgen", fügte er hinzu, "geht es aber darum, für Bayern das Beste zu geben. Wir wissen, wie wir Real stoppen können und wollen das umsetzen."

Zuletzt hatten die Münchner auf spanischem Boden nicht allzu viel Land gesehen. 0:1-Niederlage in der Gruppenphase dieser Saison bei Atletico. 0:1-Niederlage im Halbfinale der vergangenen Saison. 0:3-Niederlage in Barcelona in 2014/2015. Davor ein 0:1 bei Real Madrid. Ergebnisse, die nicht unbedingt davon zeugen, dass Spanien ein gutes Pflaster für den FCB darstellt.

Fragliche Besetzung der Innenverteidigung

Zu allem Überfluss drückt vor dem mit Abstand wichtigsten Spiel des bisherigen Saisonverlaufs der Schuh in der Defensive. Javi Martinez ist nach seiner Gelb-Roten Karte im Hinspiel gesperrt, über den Einsätzen der angeschlagenen Jerome Boateng und Mats Hummels stehen dicke Fragezeichen.

Wenngleich Carlo Ancelotti am Montagabend auf der Pressekonferenz im Bauch des Santiago Bernabeu Hoffnungen schürte: "Für Jerome und Mats ist die Zeit wichtig. Sie haben individuell trainiert. Sie müssen morgen früh noch mal trainieren, dann schauen wir. Beide haben noch die Chance, zu spielen."

Es ist jedoch wahrscheinlich, dass mindestens David Alaba als nicht gelernter Innenverteidiger in der Zentrale auflaufen wird. Und als nicht ausgewiesener Kopfballspezialist. Gegen Kaliber wie Sergio Ramos, Cristiano Ronaldo oder Karim Benzema. Bereits beim verlorenen Kopfballduell gegen letzteren in der ersten Hälfte des Hinspiels, als Neuer mit einer Glanztat rettete, deutete sich an, dass er bei Standards und Flanken eine Achillesferse darstellen könnte.

Trotz aller Widrigkeiten und (vermeintlich) schlechter Vorzeichen glauben die Münchner an ihre Möglichkeit. Und hoffen auf einen günstigen Spielverlauf: "Die erste Chance", mahnte Arjen Robben deswegen an, "muss ein Tor sein. Das ist wichtig."

Lewandowski: Der personifizierte Hoffnungsträger

Ein Name macht Mut, dass dies klappen könnte: Robert Lewandowski. Der Pole, zuletzt in bestechender Form, hatte das Hinspiel nur von einem Platz auf der Tribüne verfolgt und auch am Wochenende in Leverkusen nur zugesehen.

Gegen Real wird er wieder mit von der Partie sein. Thomas Müller, der sich im Hinspiel und gegen Leverkusen auf der Mittelstürmerposition sichtlich nicht wohlfühlte, wird dann wohl wieder auf der Bank Platz nehmen müssen.

Lewandowskis technische Stärke, auch mit dem Rücken zum Tor, sein Abschluss und seine Aura können das Offensivspiel der Bayern im Vergleich zum Hinspiel auf ein anderes, ein extraordinäres Level heben. Zumal seine Fähigkeiten im Kopfballspiel gegen ein Team wie Real besonders gefragt sein werden.

Zwar betonte Kapitän Philipp Lahm auf der Pressekonferenz noch einmal, dass es nicht um einzelne Spieler gehe: "Egal, welche Mannschaft morgen auf dem Platz steht: Sie wird in der Lage sein, Real Madrid zu schlagen." Daraus dass alle froh sind, Lewandowski wieder auf der Neun zu wissen, machte jedoch niemand einen Hehl.

Neben der Rückkehr des Topstürmers zieht der Deutsche Meister die Hoffnung aus den Real-Resultaten in den vergangenen Champions-League-Jahren, als es nicht selten nach deutlichen Hinspielergebnissen noch einmal eng wurde.

Schalkes 4:3 im Bernabeu macht Hoffnung

So etwa vor zwei Jahren gegen Schalke, als die Königlichen bei den Königsblauen 2:0 siegten, zu Hause dann jedoch 3:4 verloren und noch bis zum Schluss zitterten - ein Ergebnis, das den Münchnern zum Weiterkommen reichen würde.

Als der Bayern-Tross am Montagnachmittag in Madrid landete, war vom trüben Regenwetter in München nichts mehr zu sehen. Stattdessen war es frühsommerlich, 27 Grad, Sonnenschein, strahlend blauer Himmel. Ein kitschiges Bild, aber es wirkte, als hätten die Bayern symbolisch die trüben Erinnerungen an die Vorwoche zurückgelassen, um jetzt noch einmal alles reinzuhauen und doch noch ins Halbfinale einzuziehen. Wie immer in den vergangenen fünf Jahren.

Und zwar nicht mit einem Fußballwunder, wie Müller betonte. Nein, durch eine starke, kämpferische Leistung. Angestachtelt zum Königsklassenkampf wurden sie ja bereits am Montagmorgen. Von höchster Stelle.

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