Champions League: Buffon: König vor der Krönung

Gianluigi Buffon hat beim 2:0 von Juventus im Halbfinale gegen die AS Monaco in seinem 100. Champions-League-Spiel einmal mehr überzeugt. Der Kapitän ist mit 39 Jahren noch immer einer der Besten, geht mit Fairness und Leistung voran - und hält seinen Kasten in Europa seit Ewigkeiten sauber. Jetzt will der Weltmeister und vierfache Welttorhüter seine großartige Karriere mit dem Triple krönen.

Gianluigi Buffon hat beim 2:0 von Juventus im Halbfinale gegen die AS Monaco in seinem 100. Champions-League-Spiel einmal mehr überzeugt. Der Kapitän ist mit 39 Jahren noch immer einer der Besten, geht mit Fairness und Leistung voran - und hält seinen Kasten in Europa seit Ewigkeiten sauber. Jetzt will der Weltmeister und vierfache Welttorhüter seine großartige Karriere mit dem Triple krönen.

Eine Szene, die eigentlich schon alles sagt, was man über dieses Halbfinale wissen muss. Über dieses Duell der Generationen. Zwischen den jungen, wilden Monegassen und den erfahrenen, abgezockten Turinern.

Gigi Buffon, 39 Jahre, streichelt Kylian Mbappe, 18 Jahre, aufmunternd über den kurz geschorenen Kopf. Der Youngster zuckt kurz verschreckt, dann lächelt er. Soeben hat der Altmeister eines der vielen Privatduelle für sich entschieden. Mit aller Ruhe, mit aller Souveränität eines erfahrenen Haudegens.

Die Szene wirkt nicht despektierlich, nicht aufgesetzt. Sie zeigt stattdessen, was für ein großer Sportsmann der Kapitän von Juventus Turin ist. Eine Eigenschaft, die Buffon verkörpert wie kaum ein Zweiter im Weltfußball. Nicht zuletzt die Szenen nach dem verlorenen EM-Viertelfinale gegen Deutschland, als der italienische Nationaltorhüter sich als fairer Verlierer präsentierte, sind Fußballfans hierzulande aus der jüngeren Vergangenheit vor Augen.

100. Champions-League-Spiel

Beim 2:0-Hinspielsieg der Alten Dame gegen die AS Monaco zeigte Buffon am Mittwochabend im Stade Louis II allerdings auch, dass er nicht nur wegen seiner Ausstrahlung und seiner Fairness ein ganz großes Vorbild ist. Nein, er bewies in seinem 100. Champions-League-Spiel für Juve, dass er nach wie vor zu den besten Torhütern im Weltfußball zählt.

"Buffon hat eine großartige Parade gezeigt, als es noch 0:0 stand. Das war enorm wichtig für uns", analysierte sein Trainer Massimiliano Allegri nach dem Spiel. Tatsächlich hatte die Nummer 1 in der 16. Minute gegen Mbappe mit einem starken Reflex die Null gehalten, als er dessen Direktabnahme vom rechten Fünfereck entschärfte.

Sowieso war der Keeper immer zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Auch noch in der 90. Minute, als Germain nach einer Freistoßflanke aus dem rechten Halbfeld einen Kopfball zentral aufs Tor wuchtete. Buffon, zuvor seit dem Treffer zum 2:0 überhaupt nicht mehr gefordert, reagierte schnell und lenkte das Leder über die Latte.

Allegri: "Immer noch der Beste der Welt"

Buffon war gegen die gehypete Offensive der Monegassen seltener gefordert als vermutet (fünf Schüsse aufs Tor). Doch wenn er gefordert wurde, lieferte er. Wie es von den Besten der Besten verlangt wird.

Zu diesen zählt er laut seinem Trainer immer noch: "In wichtigen Spielen wie in diesem", lobte Allegri, "ist er immer noch der Beste der Welt."

Auch der Trainer des Gegners, Leonardo Jardim, musste eingestehen: "Buffon hat zwei, drei unfassbare Paraden gezeigt."

Seit 621 Minuten ohne Gegentor

Mit seinen 39 Jahren ist der Juve-Capitano in absoluter Top-Form. Buffon hielt in neun der elf Champions-League-Spielen der Alten Dame in dieser Saison seinen Kasten sauber, ließ insgesamt erst zwei Gegentore zu. Letztmals musste er Ende November im Gruppenspiel gegen Sevilla hinter sich greifen, seit mittlerweile 621 Minuten steht die Null.

Und das wohlgemerkt nach einer Partie gegen die AS Monaco, die in den vier K.o.-Spielen zuvor gegen Manchester City und Borussia Dortmund immer drei Tore erzielt hatte, und zwei Spielen gegen den FC Barcelona mit seiner starbesetzten Offensive. Die Wunderparade gegen Andres Iniesta aus dem Hinspiel war einer von zahlreichen Belegen, dass er sich mit seinen Reflexen nicht vor den jüngeren Torhütern im Weltfußball verstecken muss.

"Ich will in jedem Spiel zeigen, dass ich es trotz meines Alters verdiene, auf diesem Niveau zu spielen", gab sich Buffon dennoch gewohnt bescheiden, um hinzuzufügen: "Wenn ich irgendwann aufhöre, sollen die Leute traurig darüber sein."

Beinahe hätten die Leute eben jenen Grund gehabt. Vor dem Viertelfinale gegen den FC Barcelona hatte Buffon im Spaß angekündigt, seine Karriere zu beenden, sollte er in beiden Spielen ohne Gegentor bleiben. Als dies gelungen war, zog er die voreilige Ankündigung zurück.

Anführer, Vorbild, Leistungsträger

Zum Glück für die Alte Dame, denn Buffon ist ihr Anführer, Vorbild und Leistungsträger. Er ist der König ohne Alter. Sein gewonnenes Privatduell gegen Kylian Mbappe stand stellvertretend für den taktisch reifen Auftritt der Turiner gegen Monegassen, die für das Endspiel doch noch etwas zu grün hinter den Ohren zu sein scheinen.

Juventus dagegen hätte sich dieses durch die souveränen Auftritte in der gesamten Saison verdient. Nach dem 2:0 steht der Finaleinzug unmittelbar bevor. In allen 37 Fällen ist Juve nach einem Auswärtssieg im Hinspiel eines europäischen K.o.-Spiels auch weitergekommen.

Buffons Vita liest sich beeindruckend. Vierfacher Welttorhüter ist er bereits. Weltmeister auch. In Italien hat er ohnehin reihenweise Titel abgeräumt. Auch in diesem Jahr steht Juve kurz vor der Meisterschaft, im Pokalfinale geht es dazu gegen Lazio.

Am 3. Juni in Cardiff will einer der ganz Großen seiner Zeit im dritten Anlauf nun endlich auch die Champions League gewinnen - und als sechster Triple-Kapitän seit Gründung der Königsklasse in die Geschichte eingehen. Es wäre die Krönung des Königs.

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