Champions League: Das macht Juventus so stark

Juventus Turin trifft im Halbfinale der Champions League auf den AS Monaco (20.45 Uhr im LIVETICKER ). Das Team von Max Allegri schaltete unter anderem den FC Barcelona aus. Doch was macht die Italiener in dieser Saison so stark?

Juventus Turin trifft im Halbfinale der Champions League auf den AS Monaco (20.45 Uhr im LIVETICKER). Das Team von Max Allegri schaltete unter anderem den FC Barcelona aus. Doch was macht die Italiener in dieser Saison so stark?

"Ich denke wir können schon davon sprechen, dass wir das Finale der Champions League erreicht haben", stellte Stefano Tacconi kürzlich fest. Der ehemalige Torhüter von Juventus Turin war sich sehr sicher: "Dieses Jahr hat Juventus, aus jeder Menge Gründen, keine Gegner. Die anderen müssen in Angst leben."

Welche Gründe genau, das wollte Tacconi trotz offensichtlicher Expertise nicht sagen. Aber ein Blick auf mögliche Ansätze lohnt sich: Warum steht Juventus denn schon im Finale der Champions League? Welche Gründe lassen den Ex-Keeper glauben, dass die Partien gegen den AS Monaco zum Selbstläufer werden?

Tatsächlich erleben die Biaconeri in der laufenden Saison ein erneutes Hoch. Wer den FC Barcelona, wer Lionel Messi, ohne einen Gegentreffer ausschaltet, hat Vieles richtig gemacht. Doch nicht nur das: Insgesamt steht Juventus in der Königsklasse nach zehn Spielen erst bei zwei Gegentoren.

Umstellung auf 4-2-3-1

Defensive Stabilität ist seit jeher ein Markenzeichen der Italiener. Und wie schon in den vergangenen Jahren schuf Allegri eine Mannschaft, die nach dem Triple greift. Vieles hat mit der Umstellung auf die 4-2-3-1-Grundordnung zu tun.

Der Trainer opferte Juventus' defensive Herzstück BBC (Bonucci, Barzagli, Chiellini) für eine Viererkette. Andrea Barzagli muss nun meist zusehen oder als Rechtsverteidiger ran, Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci bilden die zentrale Defensive. Flankiert werden sie von offensiv ausgerichteten Außenverteidigern.

Dani Alves, Stephan Lichtsteiner, Alex Sandro, Kwadwo Asamoah - in einer Zeit, in der Außenverteidiger rar sind, hat sich Juventus bestens aufgestellt. Im Mittelfeld wirken mit Sami Khedira und Miralem Pjanic zwei verschiedene Spielertypen, einen echten Abräumer gibt es nicht.

Spielaufbau mit Überzahl

Diese Organisation erlaubt Juventus einen soliden Spielaufbau. Die Turiner können den Ball in der ersten Linie laufen lassen, die Außenverteidiger schieben meist nicht sonderlich hoch. So entsteht schnell eine Überzahl, die beim pressenden Gegner Zuordnungsprobleme auslöst.

Konzentrieren sich die Stürmer auf die Sechser Juventus', kann ein Innenverteidiger durch ein Vorstoßen eine Aktion provozieren und damit doch einen freien Mann zwischen den Linien finden. Besonders die beiden Offensivkräfte Gonzalo Higuain und Paulo Dybala stehen hier im Fokus.

Beide bewegen sich immer wieder gerne weg von ihrem Gegenspieler und fordern einen Ball in den Fuß. Sie schirmen diesen schließlich im Halbraum ab und lösen damit ein Verschieben des Gegners aus. Im Idealfall wird daraufhin die Seite schnell gewechselt und ein Vorstoß gespielt.

Offensive Außenverteidiger

Bei eben jenen Vorstößen vertraut Juventus auf seine offensiven Außenverteidiger. Besonders auf der linken Seite ist immer klar zu erkennen, wie Mario Mandzukic Bälle hält und auf den hinterlaufenden Sandro wartet. Gleiches funktioniert auch rechts, wenngleich Juan Cuadrado dort deutlich linearer Richtung Grundlinie ausgerichtet ist.

Juve praktiziert das Muster des Hinterlaufens in dieser Saison immer und immer wieder. Wohl einer der Gründe, warum Allegri auf eine Viererkette umstellte und damit die Flügel doppelt besetzte. Das funktionierte zuvor im 3-5-2 nicht. Risiko auf den Flügeln allerdings: Die Alternativen im Kader sind kaum vorhanden.

Das düfte auch eine Erklärung sein, warum es Mandzukic auf die linke Seite verschlagen hat. Allerdings spielt der Kroate seine Fähigkeiten dort exzellent aus und hat es somit zu einem zentralen taktischen Punkt im Spiel von Juventus Turin gebracht. Seit Ende Januar hat er kaum eine Minute verpasst.

Schlüsselspieler Mandzukic auf links

Durch seine robuste Statur, Kopfballstärke und Bereitschaft, in der Defensive mitzuhelfen, gibt Mandzukic einen wunderbaren falschen Flügelspieler ab. Er geht nicht mit Tempo ins Dribbling, sucht kein Eins-gegen-eins und man wird ihn auch nur sehr selten beim Flanken erwischen.

Dafür ist Mandzukic aber als ballferne Option nahezu auf allen verschiedenen Wegen anspielbar. Flach, um den Ball zu sichern. Hoch, um ihn in den Strafraum weiterzuleiten oder als Flanke, wenn er von links selbst in den Sechzehner kommt, um dort Higuain in der Luft zu unterstützen.

Gemeinsam mit dem etwas nach rechts ausweichenden Dybala entstehen so Situationen, in denen der Argentinier viel Zeit hat, um seinen kroatischen Mitspieler auf der anderen Seite hoch anzuspielen. Mandzukic bedient dann direkt Higuain, der nur noch einschieben muss.

Defensive im 4-4-2

Ebenso kann Mandzukic in die Spitze stoßen, wenn Higuain sich im Aufbau fallen lässt. So bleibt die Tiefe bestehen und durch die Positionsrochade kann er entscheidende Meter gewinnen. Defensiv ist Mandzukic ohnehin immer dabei und verfolgt den gegnerischen Außenverteidiger auch mal bis an den eigenen Strafraum.

Beim Thema Defensive hat Allegri trotz Umstellung auf 4-2-3-1 nicht viel geändert. Gegen den Ball formiert sich Juventus auch weiterhin in einem phasenreichen 4-4-2. Mal wird hoch gepresst, mal zieht sich das Team aber auch weit zurück und igelt sich relativ passiv ein.

Im klaren Plan liegt der große Trumpf von Juventus. Das Team ist taktisch enorm diszipliniert und das aktuelle System sehr auf die einzelnen Spielerrollen zugeschnitten. So können alle Spieler ihre Qualität einbringen und dem Team weiterhelfen.

Härte und Disziplin

Juventus hat klare Vorgaben für jede Spielphase und setzt diese mit sehr hoher Genauigkeit um. Das Team von Allegri ist eingespielt und erfahren, hat aber durch Spieler wie Pjanic, Dybala oder Cuadrado an den richtigen Orten Tempo und Kreativität zu einem mehr als soliden Gerüst hinzugefügt.

Entscheidend ist weiterhin das defensive Zentrum aus Chiellini und Bonucci. Nicht nur, dass beide mit Ball sicher sind, sie organisieren und kommandieren auch die umliegenden Spieler. Beide stehen sinnbildlich für das Team, indem sie Härte bis zur genau richtigen Linie einbringen, ohne unfair zu werden.

In den bisher 34 Ligaspielen sah Juventus 62 Gelbe Karten, einen Platzverweis kassierten die Bianconeri noch nicht. Nur drei der Verwarnungen gab es aufgrund einer Unsportlichkeit. Noch disziplinierter geht es in der oft hitzigen Serie A wohl kaum.

Umsetzung > Plan

Hier liegt ein weiteres Geheimnis von Juventus. Das Team ist klar geeicht auf seine taktischen Vorgaben und verfolgt diese ohne Zögern. Allegri hat eine Spielweise gefunden, die für den Kader passt, ohne dass Lücken entstehen oder Aufgaben unerfüllt bleiben.

Es ist eine harmonische Mischung, die nicht umsonst gegen den FC Barcelona derart dominant auftrat. Schwächen könnten sich allerdings zeigen, sollten Schlüsselspieler wegbrechen - und momentan gibt es viele Schlüsselspieler: Bonucci, Pjanic, Dybala, Mandzukic, Higuain, Cuadrado.

Aber gleichzeitig ist Juve auch flexibel. Das Team könnte ohne Probleme auf eine Dreierkette umstellen. Die Erfahrungswerte sind da und der Kader wurde ursprünglich auch für dieses System zusammengestellt.

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