Champions League: Ronaldo: Wann ist der Höhepunkt erreicht?

Real Madrid steht dank eines 3:0-Sieges über Atletico im Halbfinal-Hinspiel der Champions League bereits mit einem Bein im Finale. Ohne Cristiano Ronaldo wäre das klare Ergebnis nicht zustande gekommen. Der amtierende Weltfußballer schiebt den Höhepunkt seiner Karriere weiter auf.

Real Madrid steht dank eines 3:0-Sieges über Atletico im Halbfinal-Hinspiel der Champions League bereits mit einem Bein im Finale. Ohne Cristiano Ronaldo wäre das klare Ergebnis nicht zustande gekommen. Der amtierende Weltfußballer schiebt den Höhepunkt seiner Karriere weiter auf.

Als Cristiano Ronaldo am 10. Juli vergangenen Jahres an der Seitenlinie tollte, seine Mitspieler anpeitschte und unter Tränen seine Schmerzen zurückhielt, wirkte es, als holte er noch einmal all seine Kraft aus dem Körper heraus.

Als tragischer Held führte er Portugal als Schattentrainer zum EM-Titel. Als die 120 Minuten im Stade de France vorüber waren, rannten seine Mitspieler direkt auf ihn zu, eine ganze Traube hing auf ihm. Sie freuten sich für sich selbst, für ihr Land, aber vor allem auch für Cristiano Ronaldo. Es dauerte nur wenige Sekunden, ehe der wieder die Kapitänsbinde am Arm trug. Sinnbildlich für den immensen Stellenwert, den er in der Mannschaft hat.

In diesem Moment vollendete er sein Lebenswerk, so schien es, schließlich hatte dem Rekord-Stürmer nur das noch gefehlt: ein internationaler Titel mit der Nationalmannschaft. Dieser Augenblick hatte etwas Abschließendes. Ohne Probleme hätte sich Ronaldo auch da schon als einer der Größten aller Zeiten in den Ruhestand verabschieden können - mit 31 Jahren nur etwas jünger als jetzt Philipp Lahm oder auch Bastian Schweinsteiger, der seine Karriere bereits ausklingen lässt.

Doch Ronaldo ist längst noch nicht über seinen Höhepunkt hinaus. Womöglich hat er ihn noch gar nicht erreicht. Das zeigten die letzten Wochen. Das zeigte sein einmal mehr furioser Auftritt gegen Atletico am Dienstag.

Rekorde über Rekorde

Es sind nicht nur die nackten Zahlen, die überragen. Und davon gibt es reichlich. 399 Tore hat Ronaldo in 389 Pflichtspielen für Real Madrid erzielt. Mit seinen Treffern 101, 102 und 103 baute er den Torrekord in der Champions League weiter aus. Damit hat er nun sogar mehr Treffer erzielt als Atletico in seiner gesamten CL-Historie (100).

Ronaldo traf in den letzten drei Champions-League-Partien achtmal. Zudem erzielte er zum siebten Mal mindestens drei Treffer in einem CL-Spiel und stellte den Rekord von Lionel Messi ein. Stolze 13 Halbfinaltore hat er in der Champions League mittlerweile erzielt - natürlich ebenfalls Rekord.

Noten: Nur Kroos kommt an Ronaldo ran

Mit nun 21 Treffern in Stadtderbys gegen Atletico baute CR7 seine Stellung als Rekordtorschütze in diesem Duell ebenfalls aus. Die acht ... - es könnte ewig so weiter gehen. Ronaldo stellte am Dienstag erneut Rekord um Rekord auf, viel wichtiger jedoch: Er wuchtete Real schon mit einem Bein ins Finale nach Cardiff.

Nicht nur die Zahlen überzeugen

Neben all den Ziffern ist vor allem die Art und Weise beeindruckend, mit der sich Ronaldo ein für alle Mal in sämtliche Geschichtsbücher schießt. Während ihm in der Gruppenphase noch vorgeworfen wurde, nicht sein volles Potenzial auszuschöpfen, war Ronaldo ab dem Viertelfinale immer dann da, wenn es drauf ankam. Ohne seinen Killerinstinkt stünde Real nicht im Halbfinale und wäre auch nicht der Top-Favorit auf den Titel.

Seine Aura allein kann es nicht sein. Sicherlich hat sich Ronaldo gerade in den letzten Wochen wieder maximalen Respekt verschafft, seine Gegenspieler scheuen deshalb aber keinen Zweikampf mit ihm. Zu häufig war Ronaldo dafür in seiner Karriere das beleidigte Sensibelchen auf dem Platz, wenn es mal nicht so lief. Dann war er oft auch einfach zu verteidigen.

Karriere-Höhepunkt weiter aufgeschoben

Mit seiner Reife von mittlerweile 32 Jahren scheint Ronaldo dieses Image aber tatsächlich endgültig abzustreifen. Ronaldo spielte am Dienstagabend in erster Linie fürs Team, seine zwei Torschussvorlagen waren ebenfalls Höchstwert auf dem Platz. Dass Real vom häufig sehr egoistischen Angreifer zuletzt aber so abhängig war wie lange nicht, ist dem Umstand geschuldet, dass Ronaldo immer mehr mitarbeitet.

Nicht nur gegen Atletico stach er mit einer vorbildlichen Laufleistung heraus. Mehrfach gewann Ronaldo den Ball weit in der eigenen Hälfte - weil er wichtige Zweikämpfe führte und die sogar überwiegend erfolgreich (57 Prozent gewonnene Duelle). Dass er darüber hinaus bei allen drei Toren da stand, wo der Ball letztlich landete, ist ebenfalls kein Zufall. Wohl kein Spieler weltweit antizipiert derzeit so gut wie Ronaldo.

"Cristiano ist da, wenn er gebraucht wird. Er hat uns schon ins Halbfinale geschossen, jetzt wieder drei Tore gemacht - er ist unfassbar wichtig für uns", sagte Toni Kroos.

Ronaldo sucht eigenen Aussagen zufolge immer nach Wegen, sich weiter zu verbessern. Es scheint, als finde er die nach wie vor.

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