Champions League: Sabitzers Aufstieg zum Bullen-Herzstück

SPOX

Marcel Sabitzer hat RB Leipzig mit seinen zwei Toren gegen die Tottenham Hotspur ins Viertelfinale der Champions League geschossen. Unter Trainer Julian Nagelsmann ist Sabitzer in eine neue Rolle geschlüpft und beweist sich dort als wertvoller denn je zuvor.

Es war die 87. Minute. Knapp 40.000 Zuschauer erhoben sich, um mit Marcel Sabitzer den Matchwinner des Spiels gebührend zu feiern. Er hatte zuvor mit seinen zwei Treffern den ersten Champions-League-Viertelfinal-Einzug in der noch jungen Vereinshistorie von RB Leipzig perfekt gemacht. Dabei sorgte er für ein Novum. Sabitzer ist der erste Österreicher, dem in der K.o.-Phase der Champions League ein Doppelpack gelang.

"Wenn du im Achtelfinale einen Doppelpack schnürst, dann geht so einiges durch deinen Körper", erklärte Sabitzer nach Spielende am Sky-Mikrofon. Wenig später führte er diese Aussagen in der Mixed Zone aus: "Den Abend werde ich nicht mehr vergessen. Es ist ein Abend für die Geschichtsbücher, auch für mich persönlich. Deshalb wird es heute mit dem Schlafen schwierig. Ich bin geladen und mir wird alles noch einige Male durch den Kopf gehen."

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Sabitzer: Vor vier Jahren verloren wir noch zu Hause gegen Sandhausen

Bereits in der Kabine gingen ihm viele Erinnerungen durch den Kopf, wie der 25-Jährige verriet: "Wir haben gerade in der Dusche geredet, dass wir vor vier Jahren hier zu Hause 0:1 gegen Sandhausen verloren haben und nun schlagen wir Tottenham im Gesamtscore 4:0. Das sind Geschichten, die schreibt nur der Fußball." Sabitzer ist zwar kein Roter Bulle der ersten Stunde, aber dennoch seit 2014 in der Messestadt unter Vertrag. Nach einer einjährigen Leihe zum Schwesterklub nach Salzburg läuft er seit 2015 für Leipzig auf. Damals, als die Gegner noch nicht Tottenham oder Bayern München, sondern Sandhausen, FSV Frankfurt und Duisburg hießen.

Dabei wäre es dazu beinahe erst gar nicht gekommen, da der Österreicher eigentlich lieber in der Heimat geblieben wäre, als nach Leipzig zurückzukehren. "Wenn ich ehrlich bin, ist Leipzig für die Weiterentwicklung nicht in meinem Kopf drinnen", hatte Sabitzer 2015 erklärt, als der Leihvertrag in Salzburg auslief. Eigentlich war der Wechsel 2014 zu RasenBallsport und die sofortige Ausleihe nach Salzburg nur ein Deal, um eine Klausel, die es dem ehemaligen Rapid-Wien-Profi nicht erlaubte, innerhalb Österreichs zu wechseln, zu umgehen. Doch bereits 2016 war von der anfänglichen Gegenwehr nichts mehr zu spüren: "Für mich ist Leipzig der Klub der Zukunft und ich möchte weiterhin ein Teil dieser positiven Entwicklung sein."

Eine Entwicklung hat Sabitzer neben den Erfolgen wie dem Aufstieg in die 1. Bundesliga oder das Erreichen des DFB-Pokalfinales 2019 auch individuell auf dem Feld vollzogen. Bis zur Winterpause war er - ob unter den vorherigen Trainern Ralf Rangnick und Ralph Hasenhüttl oder anfangs auch unter Julian Nagelsmann - als rechter, offensiver Außenspieler gesetzt. Seit dem Verkauf von Diego Demme im Winter ist Sabitzer nicht nur Kapitän, sondern hat auch eine neue Position inne. Er agiert nun als zentraler Mittelfeldspieler im Viererverbund vor der Dreierkette.

Nagelsmann über Sabitzer: "Herzstück unseres Teams"

Im Gegensatz zu den vorherigen Jahren sind nun nicht mehr Sabitzers Flanken gefragt, die vor allem Yussuf Poulsen fütterten. Im Zentrum kommt es nun vor allem auf Zweikampfverhalten und Kreativität an. Sabitzer weist zwar noch nicht die Zweikampfwerte von Nebenmann Konrad Laimer auf (nur 23 anstatt 60 Prozent), spielte in dessen Abwesenheit gegen Leverkusen aber schon die alleinige Sechs und sammelte dort die meisten Ballgewinne des Teams (10).

Dass Nagelsmann nicht auf gelernte zentrale Mittelfeldspieler wie Haidara oder Adams setzt, liegt an der Umschaltstärke Sabitzers. Denn diese ist die Waffe im Spiel von RB. Zusammen mit Laimer werden eroberte Bälle oft diagonal auf die Außen gespielt, um die Lücken des Gegners auszunutzen. Wie gegen Tottenham mit Erfolg. "In der Verfassung ist das schon ein Herzstück unseres Teams", sagte Nagelsmann. Die englische Zeitung Independent adelte Sabitzer nach dem Spurs-Spiel als "beständigstes Rädchen" im RB-Spiel.

Wie wichtig Sabitzer für die Mannschaft ist, spiegelt sich in den Zahlen wieder. In den letzten zehn Champions-League-Spielen war der 25-Jährige an acht Treffern (vier Tore, vier Vorlagen) beteiligt. In dieser Saison erzielte er sogar 15 Pflichtspieltore, sechs davon aus der Ferne. Nur Lionel Messi traf häufiger. Auf seiner neuen Position ist Sabitzer also wertvoller als je zuvor.

Die sportlichen Erfolge Sabitzers zeigen sich zudem in der Vermarktung des Klubs wieder. Neben seiner neuen Rolle als Kapitän fungiert der Österreicher, nachdem langjährige Stammspieler wie Yussuf Poulsen und Emil Forsberg nicht mehr regelmäßig zum Einsatz kommen, mit Timo Werner als Gesicht von RB Leipzig. Sabitzer, "Herz der Mannschaft" und Gesicht des Vereins: Dinge, mit denen er zu Salzburger Zeiten nicht gerechnet hätte.

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