Corona-Experte Christian Drosten kritisiert "irreführende" Darstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse in den Medien

Willy FlemmerFreier Autor für Yahoo
Yahoo Nachrichten Deutschland

Virologe Christian Drosten kritisiert den Umgang mit Wissenschaftlern und ihren Erkenntnissen in den Medien. Die Personalisierung der Wissenschaft und eine verkürzte Darstellung von Fakten seien irreführend und gefährlich.

Christian Drosten in einer Pressekonferenz am 9. März 2020 anlässlich der Coronakrise (Bild: Xinhua/ddp/Sipa USA)
Christian Drosten in einer Pressekonferenz am 9. März 2020 anlässlich der Coronakrise (Bild: Xinhua/ddp/Sipa USA)

Die Coronakrise hat so manchen sonst eher im Hintergrund arbeitenden, forschenden und lehrenden Virologen und Epidemiologen ins Rampenlicht gerückt. Doch zumindest einem von ihnen, dem Virologen Christian Drosten, gefällt es ganz und gar nicht, wie in der Öffentlichkeit mit Wissenschaftlern und ihren Erkenntnissen umgegangen wird.

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"Unverschämter" Umgang von Politikern

In dem NDR-Podcast "Coronavirus Update", in dem er zwei Mal in der Woche die Hörer über den Stand der Dinge in der Coronakrise informiert, kritisiert Drosten, dass die "Wissenschaft in den Medien zu sehr polarisiert" werde. Das betreffe auch ihn "als Person", dessen Namen inzwischen auch "Politiker in den Talkshows" nannten.

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Er finde, das sei "eine Unverschämtheit" und "eine vollkommene Irreführung der Öffentlichkeit und der politischen Meinungsbildung". Denn damit werde vom Inhalt ab- und das Interesse auf eine Person gelenkt, "der man alle möglichen Eigenschaften anhängen kann nur nicht den Inhalt der Diskussion".

Medienkritik

Dieser Umstand sei "langsam gefährlich", fügt der Direktor am Institut für Virologie der Berliner Charité hinzu. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in ein ganz schlechtes Fahrwasser kommen". Stattdessen müssten wir uns immer wieder fragen, wie uns die Wissenschaft in der aktuellen Phase helfen könne.

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Eine Irreführung der Öffentlichkeit leisteten auch die Medien, mit denen Drosten ebenfalls hart ins Gericht geht. Durch Mechanismen wie Verkürzungen, Umkehrschlüsse und Schlussfolgerungen würden wissenschaftliche Erkenntnisse und Experten-Äußerungen oftmals unpräzise und falsch wiedergegeben. Gerade in diesen Zeiten sei ein sorgfältiger Umgang mit Fakten wichtig. Denn eine falsche oder "auf eine Schlagzeile verkürzte" Darstellung von Sachverhalten sei irreführend und "könnte viele Menschenleben kosten".

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