Coman in Königs-Form - aber Flick will noch mehr von ihm

Martin Hoffmann

Wenn es um Europas Thron geht, ist der König da!

Zwei Tore bei der 4:0-Gala des FC Bayern München gegen Atlético Madrid, eine Vorlage für Leon Goretzka: Kingsley Coman, von Kollegen oft nur "King" genannt, fängt in der Champions League da an, wo er in der Triple-Saison aufgehört hat.

Schon im vergangenen Jahr hatte ein Tor von Coman Bayerns Königsklassen-Saison eröffnet (und ein weiteres sie beschlossen). Nun legte er seinen ersten Champions-League-Doppelpack hin, der sicherstellte, dass Bayern zum 17. Mal in Folge mit einem Sieg in den Wettbewerb startete.

"Er ist ein Ausnahmekönner. Einer unserer ganz wichtigen Spieler, um diese 1:1-Situationen zu lösen", bejubelte ihn Profiteur Goretzka.

Die große Bühne, sie liegt dem 24 Jahre alten Flügelstürmer aus Paris (Service: Spielplan & Ergebnisse der Champions League). Und das Statement, das er gegen Madrid gesetzt hat, kommt für Coman wie auch für Bayern zu einem günstigen Zeitpunkt. Durch die Verletzung des neuen Rivalen Leroy Sané und den positiven Corona-Test von Serge Gnabry trägt Coman nun fürs Erste die Hauptlast auf den offensiven Außenbahnen.

Mit der Art und Weise, wie er sie schulterte, sammelte Coman auch Punkte für den heißen Konkurrenzkampf um die Stammplätze, der ihn noch erwarten wird. Wobei Trainer Hansi Flick auch klare Erwartung formulierte, was Coman noch verbessern muss, um weiter an Boden zu gewinnen.

Flick mahnt Coman: "Das hier ist jetzt die Messlatte!"

"Ich habe heute zu ihm gesagt: Das hier ist jetzt die Messlatte, und daran wird er auch in den nächsten Spielen gemessen", sagte Flick nach dem Spiel auf SPORT1-Nachfrage.

Es sei "wichtig, dass er nicht nur Tore vorbereitet, sondern auch die Qualität hat, sie zu erzielen. In der Bundesliga gehört es natürlich auch dazu."

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Flick lenkt den Blick damit auf einen bemerkenswerten Kontrast, den er gern beheben möchte.

In der Champions League weit bessere Zahlen als in der Bundesliga

In der Champions League spielt Coman regelmäßig groß auf, seine Torbeteiligungs-Quote ist auf absolutem Top-Niveau (10 Tore und 11 Vorlagen in 29 Spielen), besser als seinerzeit die der großen Klubidole.

Mit 0,68 Scorerpunkten pro Spiel toppt Coman auch die Werte von Franck Ribery (0,53 in allen CL-Spielen) und Arjen Robben (0,63 in allen für Bayern). Ganz anders sieht es bei den Bundesliga-Spiele aus, in denen Rib (0,75) und Rob (0,80) regelmäßig Machtdemonstrationen ablieferten.

Coman prägt den Liga-Alltag bei Weitem nicht so: 110 Spiele, 19 Tore, 20 Vorlagen - Scorerquote hier nur 0,35.

Auch Sané und Gnabry mit starken Quoten

Flick weiß, was er an Coman hat, er hatte nach SPORT1-Informationen nie den Gedanken, dass die Bayern ihn nach Verpflichtung von Sané nicht mehr brauchen können würden. Ein Transfer - im Sommer soll Manchester United angeklopft haben - stand für ihn nie zur Debatte.

Im Meisterkampf würde Flick nur gern noch etwas mehr auf Coman bauen können, mehr Konstanz und Effizienz vom "King" sehen. Er wünschte sich auf der Pressekonferenz nach dem Spiel ausdrücklich mehr Tore in der Liga.

"Mit seiner Qualität muss das auch in anderen Wettbewerben so sein", sagte Flick: "Er kann das, die Qualität hat er und da schauen wir genau hin, was die nächsten Wochen passiert."

Flicks Forderung zu erfüllen und den nächsten Entwicklungsschritt zu vollziehen, ist in Comans ureigenem Interesse.

Durch die Verpflichtung von Positionskollege Sané steht er unter erhöhtem Druck, auch das vielgelobte Talent Jamal Musiala drängt als Linksaußen nach vorn. Wie groß die Konkurrenzdichte auf den Flügeln ist, zeigt auch der Blickt auf die Scorer-Quoten: In der Champions League sind die Zahlen von Sané (0,68 Scorerpunkte pro Spiel) und auch die von Gnabry (0,65) ähnlich gut, Kleinigkeiten werden den Ausschlag geben.

Kingsley Coman lenkt Blick auf Kollegen

Mit markigen Ansagen scheint Coman in dem aufziehenden Kampf um die Plätze in den wichtigen Spielen nicht auffallen zu wollen.

Nach der Gala in Madrid verwies er bescheiden auf den Anteil von Vorlagengeber Joshua Kimmich beim ersten Tor: "Joshuas Pass war perfekt, ich musste nur kontrollieren und abschließen."

Auch bei Sky lenkte er den Blick von sich auf seine Kollegen. Er sei "sehr glücklich" über seine beiden Tore, wesentlich aber sei: "Es macht viel Spaß in dieser Mannschaft. Wir spielen sehr gut zusammen und ich hoffe, dass wir weiter erfolgreich bleiben."

Coman lässt lieber Taten für sich sprechen. In der Champions League sprechen sie auch laut genug.