Corona-App: Was Deutschland kann, kann auch die Formel 1

Jonathan Noble
motorsport.com

In Deutschland ist die Corona-Warn-App seit wenigen Tagen auf dem Markt und wurde bereits millionenfach heruntergeladen. Mit ihr soll es einfacher werden, das Infektionsgeschehen im Land nachzuvollziehen und die Fallzahlen weiter niedrig zu halten. Eine ganz ähnliche App soll es bald auch im Motortsport-Bereich geben.

Damit will die FIA die Lehren aus dem Grand Prix von Australien ziehen, der nach einem positiven Testergebnis bei einem McLaren-Teammitglied abgesagt werden musste. Entsprechend groß sind die Bemühungen, die Situation in Zukunft besser unter Kontrolle zu haben, um kein ähnliches Szenario zu riskieren.

Zu den Maßnahmen zählt ein neuer strenger Verhaltenskodex, an den sich alle Fahrer, Teammitglieder und sonstige Mitarbeiter halten müssen, um das Risiko zu minimieren, dass jemand die Krankheit zu einer Veranstaltung mitbringt. Nun offenbarte die FIA, dass auch an einer ehrgeizigen Tracing-App gearbeitet wird.

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Präzise Kontaktverfolgung, schnelle Testmöglichkeiten

Sie soll speziell auf die einzigartigen Bedürfnisse der Rennwelt zugeschnitten sein, wie Adam Baker, Sicherheitsdirektor der FIA, im Rahmen einer E-Sport-Konferenz in dieser Woche verriet. Er bezeichnet die App als guten Schritt, um zu verhindern, dass eine Veranstaltung bei einem isolierten Ausbruch abgebrochen werden müsse.

"Einer der Schlüsselbereiche für die Durchführung einer erfolgreichen Veranstaltung und das Lernen der harten Lehren aus Melbourne besteht darin, eine präzise Kontaktverfolgung zu haben und dann über eine schnelle Testmöglichkeit zu verfügen, damit wir die potenziell betroffenen Personen genau bestimmen können", so Baker.

"Diese Menschen können dann schnell unter Quarantäne gestellt werden, und dann können sie schnell getestet und aus der Quarantäne entlassen werden, wenn ihr Test negativ ist." Um das leisten zu können, habe die FIA früh erkannt, dass sie etwas technisch Anspruchsvolleres benötigen würde, als normale Tracing-Apps liefern.

Vorhandene Corona-Tracing-Apps nicht ausreichend

Sie stellen mithilfe von Mobilfunkdaten fest, mit wem Menschen zuletzt in engem Kontakt gestanden haben. Die für die breite Öffentlichkeit erforderliche Genauigkeit ist dabei jedoch viel geringer als bei Sportveranstaltungen, wo Einzelpersonen in regelmäßigem Kontakt mit vielen Menschen auf engsten Raum stehen.

"Insbesondere wollten wir eine einstellbare Empfindlichkeit haben, die in allem, zu dem wir Zugang hatten, nicht vorhanden war", erklärt Baker die Notwendigkeit einer individuellen Lösung für den Motorsport. Diese soll auch die Möglichkeit bieten, Testergebnisse zu überprüfen, bevor sie in das System eingegeben werden.

"Um jede Art von Missbrauch oder Unfällen zu verhindern, die dazu führen könnten, dass Gruppen eingeschlossen oder in Quarantäne gehalten werden, obwohl sie in Wirklichkeit mit niemandem in Kontakt waren, der infiziert war", so der Sicherheitsdirektor, der nicht zuletzt auf die Einhaltung des Datenschutzes hinweist.

Verhaltenskodex wird ratifiziert - rechtlich bindend

"Wir mussten auch Bedenken hinsichtlich der Datenschutzgesetze ausräumen, was bei der Entwicklung dieser Lösung geschehen ist", versichert er. "Diese Arbeit wird mit der Absicht durchgeführt, dass sie einzelnen nationalen Sportbehörden zur Verwendung in ihren eigenen Wettkämpfen zur Verfügung gestellt wird."

Der besagte Verhaltenskodex soll indes am Freitag vom FIA-Weltmotorsportrat ratifiziert werden und wird rechtlich durchsetzbar sein. Das bedeutet, dass jeder, der gegen die Regeln verstößt, mit Sanktionen rechnen muss. "Er legt die Verantwortlichkeiten der Veranstaltungsteilnehmer klar und schriftlich fest", weiß Baker.

"Damit bietet er uns einen durchsetzbaren Rechtsrahmen, der es uns ermöglicht, Schritte gegen jeden einzuleiten, der die erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen nicht anwendet oder praktiziert." Der Verhaltenskodex wird zu diesem Zwecke auch in den Anhang des Internationalen Sportgesetzes der FIA aufgenommen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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