Nach WWE-Coronafall: Warum Owens wieder pausiert

Martin Hoffmann
Sport1

Ein Corona-Fall im Kader, verschobene TV-Aufzeichnungen von RAW und SmackDown, Berichte über ein angebliches Maskenverbot für Zuschauerinnen und Zuschauer - und eine nicht ganz wahrheitsgemäße Reaktion der Promotion.

Die Wrestling-Liga WWE hat eine unruhige Woche hinter sich, zu der nun neue Hintergründe bekannt geworden sind.


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Kevin Owens hatte Corona-Todesfall in der Familie

Ein ungenanntes Talent, das unter einem Entwicklungsvertrag bei ihr steht, war zu Beginn der Woche positiv auf das Virus Covid-19 getestet worden. Infolgedessen waren die für Dienstag geplanten TV-Aufzeichnungen für die kommende Woche auszustrahlenden Shows RAW und SmackDown verschoben worden - RAW wurde am Mittwoch nachgeholt, SmackDown wird am nächsten Freitag live beziehungsweise quasi-live gesendet.

Aufgrund des Corona-Falls blieb ein prominenter WWE-Wrestler der RAW-Aufzeichnung fern: Kevin Owens - der schon nach WrestleMania eine mehrwöchige Pause eingelegt hatte, die er auch mit der Pandemie begründete - ist bei dem Thema persönlich sensibilisiert. Laut Wrestling Observer hatte er einen Corona-Todesfall in der Familie, der Großvater seiner Ehefrau sei nach einer Infektion gestorben.

Wrestlerin mit Covid-19 infiziert

Wie der Observer zudem berichtete, handelt es sich bei der positiv getesteten Person um eine Nachwuchswrestlerin, die allerdings keine aktive Rolle im TV spielt. Sie wurde zuletzt - wie ihre Kolleginnen und Kollegen - als Zuschauerin bei den TV-Shows im hauseigenen Performance Center in Orlando eingesetzt, um dort trotz der Corona-Restriktionen für Stimmung zu sorgen. Laut WWE war das Talent am 9. Juni zuletzt vor Ort gewesen.

Als Konsequenz wurden alle Wrestlerinnen und Wrestler, das komplette Produktionsteam und andere Angestellte vor Ort auf eine Infektion getestet. Wie aus den Äußerungen der Liga eindeutig hervorging, waren es die ersten systematischen Corona-Tests, die WWE vornahm. Bislang hatte sich die Liga auf allgemeine Vorsichtsmaßnahmen wie Fiebermessungen beschränkt.

WWE hat in dieser Hinsicht recht freie Hand, weil Florida Wrestling-Shows - anders als andere Bundesstaaten - nicht wie andere Sport-Events durch eine Athletikkommission reguliert.

Dass die Mitteilung zum aktuellen Covid-19-Fall erst nach Ausstrahlung der RAW-Episode versandt wurde, sorgte für Aufhorchen - und angeblich haben auch die meisten Angestellten, die daran beteiligt waren, erst zu diesem Zeitpunkt davon erfahren. Für besondere Kritik sorgte zudem, dass WWE trotz der genannten Umstände Legende Ric Flair für einen RAW-Auftritt mit Körperkontakt engagiert hatte: Flair ist 71 Jahre alt und massiv vorerkrankt, er wäre vor drei Jahren fast an einem Nierenversagen gestorben.


Fans bekamen angeblich Masken-Verbot

Seit Beginn der Corona-Einschränkungen sendet WWE seine Shows aus dem Trainingszentrum in Orlando, zuerst vor Geisterkulisse, seit kurzem mit Nachwuchstalenten als Zuschauern. WWE hat diese Woche zudem erstmals ausgewählten Zuschauern Zutritt zu RAW gewährt - nach Angaben von WWE ausschließlich Familienmitglieder, Freundinnen und Freunde der Stars, die nicht näher definierte "medizinische Untersuchungen" absolviert hätten.

Brisant: Wie mehrere Portale - darunter der Wrestling Observer - meldeten, mussten die zugelassenen Zuschauerinnen und Zuschauer nicht nur Haftungsausschluss unterzeichnen, der eine Klage gegen WWE ausschließt, sollten sie sich mit Covid-19 infizieren. Auch das Tragen von Masken soll ihnen verboten worden sein.

Zwar berichtete der TV-Journalist Jon Alba, dass sich bei ihm mehrere Fans gemeldet hätten, die der Meldung widersprachen, dass sie zum Maskenverzicht gezwungen worden wären. Getragen hatte so oder so allerdings niemand eine - und dass das mindestens auch so gewünscht war, legt auch die Reaktion von WWE nahe.

WWE-Statement nicht ganz korrekt: Street Profits unter Fans

Das Statement dementierte die Maskenverbots-Berichte nicht, sondern zäumte sie von der anderen Seite auf: Die Abstandsregeln seien mit den externen Gästen so konsequent angewandt worden, dass das Tragen von Masken "nicht erforderlich" gewesen sei.


Die WWE-Behauptung, dass die Abstandsregeln konsequent eingehalten worden seien, stimmt jedoch in jedem Fall nicht so ganz: Beim Einzug des Tag Teams The Street Profits mischte sich das Duo Angelo Dawkins und Montez Ford unter eine Gruppe von Zuschauern - unter denen eindeutig auch Leute waren, die  altersbedingt Gäste und keine Nachwuchstalente gewesen sein mussten.

Erster Fall von Covid-19 im April

Der aktuelle Fall ist der zweite bestätigte bei WWE: Am 11. April wurde eine ebenfalls anonym gebliebene "On-Screen-Person" positiv getestet, hat sich seitdem aber auskuriert.

Einen größeren mittelbaren Effekt hat die Coronakrise durch die Auszeit, die Topstar Roman Reigns seit April einlegt. Der an Leukämie vorerkrankte Reigns hat ein erhöhtes Risiko - wobei er selbst erklärt, dass er zum Schutz seiner Familie pausiert.

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