Coronavirus: Helmut Marko kritisiert "Panikmache" der Politik

Mario Fritzsche
motorsport.com

Der Coronavirus bestimmt in diesen Tagen die Schlagzeilen. In der Formel 1 aber wird mit dem Thema teilweise nüchterner umgegangen als anderswo. Der Automobil-Weltverband (FIA) hat eine Corona-Krisengruppe gegründet, die sich alle zwei Tage trifft, um die Situation neu zu bewerten.

Anlässlich des Formel-1-Saisonauftakts 2020, der am Wochenende im Albert Park von Melbourne in Form des Grand Prix von Australien über die Bühne gehen wird, sind alle zehn Teams vor Ort. Im Albert-Park-Hotel aber hat es inzwischen einen konkreten Coronavirus-Fall gegeben (Formel 1 2020 live im Ticker).

Das zweite Saisonrennen, der Grand Prix von Bahrain in Sachir, wird am 22. März ohne Zuschauer vor Ort als reiner TV-Event über die Bühne gehen. Hinter dem dritten Saisonrennen, der Premiere des Grand Prix von Vietnam am 5. April in Hanoi, gibt es derzeit noch Fragezeichen.

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Der ursprünglich als viertes Saisonrennen geplante Grand Prix von China in Schanghai wurde bereits vor Wochen vom geplanten Termin (19. April) abgesagt, da es China war, wo der Coronavirus erstmals aufgetreten ist. Bis heute ist China im Zusammenhang mit COVID-19 das Land mit den meisten Infektionen und auch den meisten Toten.

Stand Dienstag liegt die Zahl der Coronavirus-Infizierten laut Statistiken der Weltgesundheitsorganisation WHO bei über 116.000 weltweit, die Zahl der Todesfälle bei über 4.000 weltweit. Chinas Anteil liegt in beiden Statistiken im Bereich von 70 bis 80 Prozent.

Helmut Marko aber hält das Thema für überzogen dargestellt. "Ich finde, die ganze Diskussion ist aufgeblasen", sagt der Red-Bull-Motorsportchef gegenüber 'Speedweek' und fügt hinzu: "Es handelt sich um eine Influenza. Es sterben großteils Menschen im hohen Alter mit einer Vorerkrankung."

Was Marko konkret mit "aufgeblasen" meint? "Die Quarantäne ist das Problem", findet er. Die Gefährlichkeit der Krankheit seit nicht schlimmer als bei einer Grippe. Man müsse daher "der Panikmache mancher Politiker entgegenwirken und darf sie nicht noch unterstützen", so der 76-jährige Österreicher.

Red Bull und der Rest der Formel-1-Gemeinde baut in Melbourne fleißig auf

Red Bull und der Rest der Formel-1-Gemeinde baut in Melbourne fleißig auf <span class="copyright">LAT</span>
Red Bull und der Rest der Formel-1-Gemeinde baut in Melbourne fleißig auf LAT

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In Italien, wo unter anderem auch Red Bulls B-Team AlphaTauri ansässig ist, gilt seit einigen Tagen ein umfassendes Aus- und Einreiseverbot. Zunächst waren "nur" die nördlichen Regionen betroffen, seit Montag aber das komplette Land. Trotzdem ist AlphaTauri genau wie Ferrari, Pirelli und Co. beim Formel-1-Auftakt in Australien vor Ort.

"Du kriegst eine Ausnahmegenehmigung, wenn du sie brauchst. Das geht relativ rasch", bemerkt Marko und fügt hinzu: "Es ist mühsam, aber es geht." Und nach diesem Prinzip wird die Formel 1 wohl auch in absehbarer Zukunft handeln.

So hatte Formel-1-Motorsportchef Ross Brawn kürzlich angemerkt, dass man zwar "keine unnötigen Risiken eingehen, aber auch nicht einfach alles komplett zusperren" werde. Marko sieht es genauso. Man könne sich, so der Red-Bull-Motorsportchef, "von so einem Virus, der ja bei weitem nicht diese Gefährlichkeit hat, wie das hysterisch dargestellt wird, nicht das ganze öffentliche Leben zerstören lassen".

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Mit Bildmaterial von LAT.

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