Covic vor Kracher: "Bayern will nicht nur Bundesliga dominieren"

Niclas Löwendorf
Sport1

Ante Covic steht vor seinem Debüt in der Bundesliga.

Am Freitag trifft er mit Hertha BSC auf den FC Bayern (Bundesliga: FC Bayern - Hertha BSC ab 20.30 Uhr im LIVETICKER), bei dem sein Freund Niko Kovac Trainer ist - ein ganz besonderes Spiel für den neuen Berliner Coach.


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Im SPORT1-Interview spricht der Kroate über die Situation von Kovac bei Bayern, die Ziele im Derby gegen Union und was ihm Hertha BSC bedeutet. 

SPORT1: Herr Covic, am Freitag haben Sie gegen den FC Bayern Ihre Premiere als Bundesliga-Trainer. Wie groß ist Ihre Vorfreude?

Ante Covic: Die Vorfreude ist riesig, auch wenn wir uns im Klaren sind, dass wir gegen die beste Mannschaft Deutschlands spielen, und dann auch noch auswärts. Es ist ein Spiel, bei dem unser gesamter Verein im Fokus stehen darf. Das haben wir uns über Jahre verdient, dass wir diese Aufmerksamkeit bekommen. Wir werden an unsere Grenzen gehen müssen.

"Es ist eine reizvolle Aufgabe"

SPORT1: Ist es Fluch oder Segen, direkt zum Start gegen die beste deutsche Mannschaft spielen zu müssen?

Covic: Ich finde es angenehm, direkt zum Start dort hinzufahren. Letztendlich muss jeder gegen die Bayern spielen. Direkt am ersten Spieltag dort zu spielen ist eine reizvolle Aufgabe. Wir wissen natürlich, dass wir nicht als Favorit nach München fahren. Für mich ist wichtig, was wir dort aus unseren Möglichkeiten machen. Wenn wir alle an unsere Leistungsgrenze gehen, kann es immer noch sein, dass wir das Spiel verlieren. Nichtsdestotrotz würden wir unsere Fans in der Kurve dann glücklich machen.


SPORT1: Niko Kovac steht in München immer wieder unter Druck. Wie bewerten Sie seine Situation als Freund?

Covic: Mir steht es nicht zu, seine Situation in München zu bewerten. Ich kann nur das bewerten, was ich sehe. Niko hat im letzten Jahr zwei Titel geholt und eine sehr erfolgreiche Saison mit Bayern gespielt. Für das ganze Drumherum bin ich viel zu weit entfernt.

Covic über Kovac: "Werden nicht mehr miteinander sprechen"

SPORT1: Mit Kovac haben Sie einst in Berlin zusammengespielt. Hatten Sie mit ihm Kontakt vor dem Spiel?

Covic: Wir hatten in der Vergangenheit Kontakt. So kurz vor dem Spiel werden wir aber nicht mehr miteinander sprechen. Die Bundesliga ist so gläsern, dass man für seinen Gegner kaum noch Überraschungen parat haben kann. Wir beobachten sie ständig und sie uns auch. Daher sind nicht viele Überraschungen von beiden Seiten zu erwarten.

SPORT1: Ist es für die Hertha ein Vorteil, dass die Bayern bis auf den gegen Hertha gesperrt fehlenden Perisic noch nicht die angestrebten Top-Transfers präsentiert haben?

Covic: Wenn man sich den Kader anschaut, sieht man genügend Topspieler. Die Bayern sind auch so schon ordentlich aufgestellt für das, was in der Bundesliga auf sie zukommen wird. Dass die Bayern nicht nur die Bundesliga dominieren wollen, zeigt ihre Transferpolitik. Sie werden mit Sicherheit noch den einen oder anderen Spieler holen.

"Müssen gewisse Menschlichkeit in der Kabine haben"

SPORT1: In der vergangenen Saison waren Sie noch Nachwuchstrainer, jetzt trainieren Sie in der Bundesliga. Welche Bedeutung hat für Sie der Schritt in die höchste deutsche Spielklasse?

Covic: Wenn man seinen Fußballlehrer macht, erhofft man sich natürlich, eines Tages diese Chance zu bekommen. Aber um dahin zu kommen, muss man schon vorher Leistung erbracht haben. Und das habe ich, indem ich zehn Jahre im Nachwuchs einen guten Job gemacht habe und der Verein das nicht vergessen hat.


SPORT1: Welcher Trainertyp sind Sie und worauf legen Sie besonders Wert?

Covic: Ich will mir jederzeit im Klaren sein, dass ich es mit einem Menschen zu tun habe. Wir müssen eine gewisse Menschlichkeit in der Kabine haben, um erfolgreich zu sein. Wir müssen respektvoll miteinander umgehen. Nur wenn wir uns auf und neben dem Platz als Einheit zeigen, können wir erfolgreich sein.

SPORT1: In den Trainingseinheiten herrschte gute Laune in der Mannschaft. Legen Sie besonderen Wert darauf?

Covic: Ich versuche, möglichst viele Inhalte in Dinge zu verpacken, bei denen die Jungs auch Spaß daran haben. Freude zu haben ist ein wichtiger Bestandteil des Jobs, den wir ausüben.

SPORT1: Mit Dodi Lukebakio ist ein Top-Transfer gelungen, allerdings wurde auch Valentin Lazaro abgegeben. Wohin kann die Reise gehen für die Hertha? Ist ein Europapokalplatz möglich?

Covic: Das wird sich im Laufe der Spielzeit zeigen. Wir versuchen gerade, etwas zu entwickeln. Wir wollen etwas dominanteren Fußball zeigen. In der Vergangenheit war unser Spiel eher auf das Umschalten ausgelegt, das versuchen wir, etwas zu verändern. Ich bin gespannt, wie schnell uns das gelingen wird. Die anderen Teams schlafen auch nicht. Es ist wichtig, dass wir gut aus den Startlöchern kommen, damit der Glaube an unsere Ziele größer wird.


SPORT1: Auf welchen Fußball können sich die Hertha-Fans einstellen? 

Covic: Mir ist es wichtig, dass wir unser Herz auf den Platz bringen. Was am Ende dabei herauskommt, das wird sich zeigen.

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SPORT1: Sie haben selbst für Hertha gespielt. Was bedeutet der Verein für Sie?

Covic: Es ist viel mehr als ein normales Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Hertha ist für mich viel mehr als ein Arbeitgeber. Wenn man 20 Jahre in einem Verein tätig ist, kennt man von der Waschfrau bis zum Platzwart alle Menschen. Man fiebert auch bei den anderen Mannschaften der Hertha mit. Da sind viele Emotionen im Spiel.

Derby gegen Union? "Unsere Fans zufriedenstellen"

SPORT1: In dieser Saison gibt es das erste Mal das Duell gegen den Stadtrivalen Union Berlin in der Bundesliga. Welche Bedeutung hat dieses Spiel für die Stadt und für die Hertha?

Covic: Es hat für uns und unsere Fans eine enorme Bedeutung, dass wir nach wie vor die Nummer eins in der Stadt sind. Das werden wir auch nach dieser Saison sein, das steht außer Frage. Für mich ist es wichtig, dass wir unsere Fans zufriedenstellen. Über die Bedeutung des Spiels sind wir uns schon jetzt im Klaren.

SPORT1: Worauf kommt es an in solchen Derbys?

Covic: Derbys haben immer besonderen Charakter, das wissen die Jungs. Wir leben gemeinsam in einer Stadt, in der überwiegend Hertha-Fans leben, es natürlich aber auch Union-Fans gibt. Damit werden die Jungs häufig konfrontiert, daher braucht man keine großen Worte verlieren. Es geht darum, nur auf sich zu schauen und in diesen beiden Spielen eine gute Performance abzuliefern, weil man nicht nur dem Trainer, sondern auch dem Umfeld etwas schuldig ist.


SPORT1: Haben Sie ein Trainervorbild?

Covic: Das ist schwierig zu sagen. Wenn man zehn Jahre Trainer ist, versucht man, seinen eigenen Stil zu entwickeln. Dass man aber nach links und rechts schaut, bei einem Trainer mehr hinschaut als bei einem anderen, ist menschlich. Doch man darf die eigene Qualität der Mannschaft nicht vergessen. Mit dieser Qualität kann man auch nicht jeden Fußball spielen. Sondern der Fußball muss sich an der Qualität der Mannschaft orientieren.

"Nach Neuverpflichtungen zu schreien finde ich nicht fair"

SPORT1: Das Transferfenster ist noch offen. Mit Lazaro ist der Rechtsverteidiger gegangen. Wünschen Sie sich noch einen Spieler für diese Position?

Covic: In der Vergangenheit haben wir öfter darüber nachgedacht, einen neuen Rechtsverteidiger zu holen. Doch dann ist Tino (Lazaro, Anm. d. Red.) in diese Position hineingewachsen. Das hat er sehr gut gemacht. Man kann so etwas nicht voraussehen. Wir haben zwei, drei Spieler, die diese Position spielen können. Man muss den Jungs die Möglichkeit geben, dort zu performen. Dann kann man immer noch eine Entscheidung treffen. Aber von vorneherein nach einer Neuverpflichtung zu schreien, finde ich den Jungs gegenüber nicht fair. Die sind schon über Jahre für den Verein an die Leistungsgrenze gegangen.

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SPORT1: Mit Dodi Lukebakio hat die Hertha ihren Rekordtransfer getätigt. Was ist er für ein Typ?

Covic: Er ist ein gradliniger Spieler, der die Liga kennt, der zum Anforderungsprofil unseres Vereins passt. Er ist jung und entwicklungsfähig und noch nicht am Limit, sodass er bei uns den nächsten Schritt machen kann. Er hat bereits unter Beweis gestellt, dass er in der Liga angekommen ist.

SPORT1: Bei Ihrem Vorgänger Pal Dardai stand dessen eigener Sohn in der Mannschaft. Auch Ihr Sohn steht im Team von Hertha BSC. Inwieweit ist es besonders, den eigenen Sohn in einer Bundesligamannschaft zu trainieren?

Covic: Dieses Verhältnis ist ja nicht neu für uns. Aber mein Sohn wohnt ja schon lange nicht mehr bei mir, sondern ist ein eigenständiger Mensch. Da gibt es keine Probleme. Da wir damit schon seit Jahren umgehen, hat sich eine gewisse Routine entwickelt. Ein Außenstehender, der uns nicht kennt, würde nicht bemerken, dass ich da meinen eigenen Sohn trainiere.

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