Wie weit ist Haaland wirklich?

Patrick Berger, Oliver Müller
Sport1

Er hatte ein breites Grinsen im Gesicht. In cremefarbigen Schuhen erschien Erling Haaland am Mittwochmorgen unter Sonnenschein auf dem großen Trainingsplatz "Dama de Noche" in Marbella.

Sein erster Treffer für die Schwarz-Gelben sollte nicht lange auf sich warten lassen. Nach Vorarbeit von Thomas Delaney schob der norwegische Neuzugang (kam für 20 Millionen Euro aus Salzburg) von der Sechzehner-Grenze ins Tor ein.


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Groß war die Hürde nicht, denn im Kasten stand kein Keeper. Haalands Freude tat das aber keinen Abbruch. Viel wichtiger als das war hinterher ohnehin die Erkenntnis: Das lädierte Knie des erst 19-jährigen Top-Talents hält. Vorerst.    

"Wir führen ihn behutsam an die Mannschaft ran. Wenn Erling fit ist, bringt er ein neues Element in unser Spiel", sagte Trainer Lucien Favre: "Wir werden ihn in unser System integrieren und dann sicher viel Freude an ihm haben."

Klar ist dennoch: Auch wenn der Sturm-Hüne Fortschritte macht, ist sein Einsatz am 18. Januar in Augsburg weiter fraglich. Neben der Personalie Haaland gibt es beim BVB bis zum Rückrundenstart am 18. Januar in Augsburg weitere Fragen.

Wie schnell werden die Schlüsselspieler fit? 

Es gibt etliche Akteure, die derzeit auf ihr Comeback hinarbeiten, Neben Haaland und Delaney sind das auch Thorgan Hazard, Paco Alcácer, Marco Reus sowie Marcel Schmelzer und Jacob Bruun Larsen. Bei keinem ist wirklich absehbar, wie schnell er wieder in Topform sein wird.

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"Es sind nicht mehr viele Tage bis zum Rückrundenauftakt in Augsburg. Wir hoffen, dass sie bis dahin fit und in guter Form sind, aber wir wissen es nicht", sagte Favre.

Wie weit ist Haaland wirklich?

Der Norweger plagt sich seit dem 10. Dezember, also ziemlich genau einen Monat lang, mit Knieproblemen rum, wurde zuletzt geschont.

"Er hat länger nicht mehr trainiert", erklärte Favre, der sich sehr freute, dass Haaland am Mittwoch erstmals auf dem Trainingsplatz arbeiten konnte. Gemeinsam mit den anderen Rekonvaleszenten spielte er zunächst Fußball-Tennis über eine Freistoßmauer.


Anschließend machte er im lilafarbigen Leibchen lockere Koordinationsübungen. Immerhin: Geplant ist, dass Haaland noch in dieser Woche in Marbella ins Mannschaftstraining einsteigen wird. Sein Einsatz zum Rückrundenstart bleibt allerdings weiter fraglich.

Wie schnell kann Haaland integriert werden?

Mit dem 1,94-Meter-Stürmer wird sich das Spiel des BVB zwangsläufig verändern müssen. Haaland lebt von seiner Schnelligkeit, braucht dafür aber entsprechende Räume. Das Team ist es bislang gewohnt, sich bis in den Strafraum durchzukombinieren.

Um Haaland in Szene zu setzen, müsste mehr Geschwindigkeit ins Spiel kommen. Auch die Pressingmomente müssten zunehmen. Es ist ein Problem, dass Favre wohl nur etwas mehr als eine Trainingswoche Zeit haben wird, um eben diese Veränderungen einzustudieren.

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Wie stabil ist das neue Abwehr-System?

Einen Schritt in Richtung einer solideren Abwehrarbeit hat Favre mit der taktischen Umstellung bereits getan: Seit dem schwachen 3:3 gegen Paderborn Ende November spielt die Mannschaft mit drei Innenverteidigern (Manuel Akanji, Mats Hummels und Dan-Axel Zagadou) – und die Defensive steht sicherer.

"Wir haben uns in dieser Formation wohlgefühlt, sie gibt der Mannschaft mehr Sicherheit", sagte Akanji, der davon ausgeht, dass der BVB auch in der Rückrunde so spielen wird. Das System wird zurzeit auch in Marbella intensiv geübt.

Trotzdem hatte es auch in den vergangenen Spielen – Leipzig (3:3), Hoffenheim (1:2) – immer wieder individuelle Fehler gegeben. "Die müssen wir abstellen", forderte Akanji.

Wie groß wird die Unzufriedenheit der Reservisten sein?

Die Verpflichtung von Haaland erhöht den Konkurrenzdruck – was die Bosse durchaus auch so wollten. Doch wie sehen die Perspektiven von Alcácer und Mario Götze in der Rückrunde aus?


Der Spanier wirkt seit Wochen unzufrieden, da Favre bereits vor der Haaland-Verpflichtung nicht mehr voll auf ihn zu setzen schien. Götze ist ebenfalls nur noch ein Notnagel, da der Trainer in der Hinrunde neben Alcacer auch auf Julian Brandt und Hazard als Mittelstürmer gesetzt hatte.

Götze wird Dortmund im Sommer wohl ablösefrei verlassen, Gespräche über eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages haben nach SPORT1-Informationen bislang zu keinen Ergebnissen geführt.

All das könnte in Dortmund zu Diskussionen in der Rückrunde führen.

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