Sensations-Aus! Wie Smith wieder an sich selbst scheiterte

Christian Paschwitz
·Lesedauer: 6 Min.

Ein Augenrollen nach jedem missratenen Pfeil, eine verärgerte Reaktion im Anschluss an jede unbefriedigende Aufnahme - und am Ende landeten aus Frust sogar die Pfeile am Boden des Ally Pally:

Michael Smith verhielt sich bei seinem zweiten Aus in der 2. Runde in Folge bei der Darts-WM (2020 scheiterte er an Luke Woodhouse), wie sich ein Michael Smith eben bei drohenden Niederlagen verhält. (Darts-WM von 15. Dezember bis 3. Januar LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM und LIVETICKER)

Bei der 1:3-Blamage gegen den krassen Außenseiter Jason Lowe zeigte der vor dem Turnier in der Weltrangliste an Nummer vier geführte Engländer negative Reaktionen am Fließband, anstatt Ruhe zu bewahren und sich auf sein Spiel zu konzentrieren, das er eigentlich nahe der Perfektion beherrscht wie kein anderer.

Doch wieder einmal stand Smith seine Psyche im Weg. Der "Bully Boy" muss weiter auf seinen ersten Major-Titel warten.

Lowe analysiert Smiths Schwachpunkt

Sein Kontrahent brachte es danach auf den Punkt. "Ich denke, Michael hat sich unter Druck gesetzt und ich habe einfach Darts gespielt", resümierte Lowe, Nummer 80 der PDC Order of Merit und erst seit 2020 Besitzer einer Tourcard.

"Es war der größte Sieg in meiner Karriere und es fühlt sich großartig an, bei diesem Turnier einen der besten Spieler der Welt zu schlagen", freute sich der 48-Jährige, der nach Weihnachten Devon Petersen in der 3. Runde fordert. (Spielplan und Ansetzungen: Alle Partien der 3. Runde im Überblick)

Es war die größte Sensation so kurz vor der Weihnachtspause im Alexandra Palace - und war wohl das bisher furioseste Match dieses Turniers, das am 27. Dezember fortgesetzt wird.

Der "Bully Boy" blieb im Duell mit Lowe fast alles schuldig und verlor völlig verdient.

Zur Erinnerung: 2019 hatte der 30-Jährige noch das WM-Finale erreicht, dort aber klar gegen Michael van Gerwen verloren.

Im englischen Duell mit Lowe nun erwies sich der an Nummer vier gesetzte Star über die gesamte Spielzeit seinem bisher wenig aufgefallenen und deutlich schlechter notierten Kontrahenten als klar unterlegen.

Hier können Sie sich den PDF-Spielplan der Darts-WM 2021 herunterladen und im Anschluss ausdrucken

Bereits im ersten Durchgang legte Lowe furios los, ließ den hohen Favoriten nicht zur Entfaltung kommen, als er sogleich per Bulls-Eye zum Break checkte - und trotz fünf ausgelassener Set-Darts den Satz holte.

Smith gegen Lowe ohne Power

Auch in der Folgezeit setzte allein der Underdog Akzente, traf so unter anderem mit seinen ersten neun Darts siebenmal die Triple-20. (Statistiken zu Michael Smith gegen Jason Lowe).

Bezeichnend: Bis zum dadurch ebenfalls verlorenen zweiten Satz hatte Smith noch kein Leg gewonnen und keine einzige 180 erzielt.

Immer wieder warf er seine Pfeile uninspiriert, schüttelte seinen Kopf aus Verärgerung darüber, insgesamt nur auf eine eine Checkout-Quote von blamablen 21 Prozent (gegenüber 39 Prozent bei Lowe) zu kommen.

Ein Drei-Darts-Average von etwas mehr als 92 (gegenüber 96) vermochten den Routinier ebenso wenig in die Spur zu bringen. Der gewonnene dritte Durchgang blieb ein Strohfeuer, dann war das blamable Aus besiegelt. (Darts-Glossar: Die wichtigsten Fachbegriffe)

Aspinall siegte im Thriller gegen Waites

Auch Nathan Aspinall erwischte es beinahe: Erst nach einer zittrigen Aufholjagd und einem hochkarätigen Herzschlag-Finale gegen Scott Waites (beide England) behauptete sich der Engländer und machte und somit den Einzug in die dritte Runde klar.

Der letztjährige WM-Halbfinalist und Sieger der PDC Home Tour, der nun auf Vincent van der Voort trifft, hatte vor allem während der beiden ersten Sätze dem Drei-Darts-Average seines Kontrahenten von 107 nur schwer etwas entgegenzusetzen. (Statistiken zu Nathan Aspinall gegen Scott Waites).

Die Folge war ein schneller 0:2-Rückstand. "Scotty 2 Hotty" profitierte dabei auch von einer bemerkenswerten Checkout-Quote von mehr als 72 Prozent (gegenüber 47 Prozent). (Spielplan und Ergebnisse der Darts-WM 2021)

Dank Nervenstärke und einem Break, bei dem er eine 104 checkte, schaffte es Aspinall, zunächst den Rückstand zu verkürzen - und schließlich mit einem weiteren Highfinish von 160 auch den Satzausgleich. (Spielplan und Ergebnisse der Darts-WM 2021)

Damit sollte die Spannung ihren Höhepunkt aber erst noch erreichen - der Decider mutierte zu einem regelrechten Krimi: "The Asp" kam dabei besser auf Touren, löschte bravourös eine weitere 150 und gab fortan die Schlagzahl vor.

Das machte Eindruck auf Waites, dessen Performance auf die Doppel nun deutlich nachließ angesichts von am Ende zehn von 24 vergebenen Möglichkeiten. Und dennoch schnupperte der 43-Jährige am Weiterkommen. Mehr noch als das: Waites konterte furios mit einem 125er-Finsih (Bullseye, 25, Bullseye) - um danach wieder seinen Aufschlag abzugeben.

Dann wurde es noch irrer: Waites vergab einen Matchdarts bei 85 Rest, ließ danach nochmals drei Pfeile auf die Doppel 10 und damit die Möglichkeit zum Rebreak aus. Aspinall sagte Dankeschön, brachte sein Leg noch nach Hause - und beendete den Thriller schließlich mit dem zweiten Matchdarts.

Chisnall behauptet sich gegen Brown

Eine starke Performance hatte zuvor Dave Chisnall geboten: Der Engländer lieferte sich mit Landsmann Keegan Brown über weite Strecken ein Duell auf Augenhöhe.

Eine Checkout-Quote von 44 Prozent und ein Drei-Darts-Average von mehr als 97 brachten "Chizzy" letztlich aber auf die Siegerstraße. (Statistiken zu Dave Chisnall gegen Keegan Brown).

Ein Übriges taten sechs 180er (gegenüber einem Maximalwert bei Brown).

In Runde drei geht es nun gegen Danny Noppert.

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Wattimena erneut in Runde 3

Zum zweiten Mal nach 2019 erreichte auch Jermaine Wattimena die dritte Runde: Der Niederländer mit dem Spitznamen "The Machine Gun" wies Nick Kenny aus Wales in die Schranken und trifft nun auf den Belgier Dimitri Van den Bergh, der tags zuvor den 66 Jahre alten Publikumsliebling und Dart-Senior Paul Lim ausgeschaltet hatte.

Wattimena, der dabei ein Highfinish von 156 schaffte, erwies sich auf die Doppelfelder als der etwas konstantere Akteur, nutzte dabei sowohl die sich bietenden Breakchancen als auch seinen dritten Matchdarts. (Statistiken zu Jermaine Wattimena gegen Nick Kenny).

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In der Nachmittagssession war unter anderem Mensur Suljovic (Österreich) weitergekommen, der es nach seinem 3:1-Erfolg über Matthew Edgar (England) nun mit Ex-Weltmeister Gary Anderson zu tun bekommt.

Die Partien der Darts-WM 2021 am Mittwoch:

2. Runde (alle Best of 5 Sets)

Abendsession:

Dave Chisnall (England) - Keegan Brown (England) 3:1
Jermaine Wattimena (Niederlande) - Nick Kenny (Wales) 3:1
Nathan Aspinall (England) - Scott Waites (England) 3:2
Michael Smith (England) - Jason Lowe (England) 1:3

Nachmittagssession:

Ricky Evans (England) - Mickey Mansell (Nordirland) 3:1
Gary Anderson (Schottland) - Madars Razma (Lettland) 3:1
Stephen Bunting (England) - Andy Boulton (England) 3:2
Mensur Suljovic (Österreich) - Matthew Edgar (England) 3:1