Das können Sie tun, wenn Ihre Miete zu hoch ist!

Willy FlemmerFreier Autor für Yahoo
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Der Wohnungsmarkt hat sich dank diverser gesetzlicher Mechanismen etwas beruhigt. Dennoch sind die Mieten in vielen Städten noch immer zu hoch. In Ballungsgebieten steigen sie weiter an. Wir erklären, wie Sie sich gegen zu hohe Mieten zur Wehr setzen.

Die Mietpreise in deutschen Ballungszentren sind für viele Mieter eine Bürde. (Symbolbild: Getty Images)
Die Mietpreise in deutschen Ballungszentren sind für viele Mieter eine Bürde. (Symbolbild: Getty Images)

Nach einer aktuellen Studie hat sich der deutsche Wohnungsmarkt zuletzt etwas beruhigt. Die Durchschnittsmieten für neu abgeschlossene Mietverträge sind im letzten Quartal 2019 stagniert, so das Ergebnis des F+B-Mietspiegelindexes. Gründe seien zum einen die Abflachung des Zuzuges in die "Schwarmstädte" und die Zunahme des Neubaus zum anderen, wie F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner erklärt. Das ist eine gute Nachricht, die allerdings noch immer von vielen Ausnahmen getrübt wird. Ein Beispiel: Der Verfasser dieses Textes zieht zum 01. Februar 2020 aus seiner Zwei-Zimmer-Wohnung im Münchner Stadtteil Gern. Die Nachmieter werden nach einer Mietpreiserhöhung 200 Euro mehr, also insgesamt knapp 1.300 Euro für die Kaltmiete zahlen müssen.

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Dabei gilt seit Juni 2015 vielerorts die Mietpreisbremse, die mit einer Nachbesserung zum 1. Januar 2019 und ein weiteres Mal im Oktober 2019 wirksamer gemacht wurde. Damit können sich Mieter rechtlich gegen den Mietwucher wehren. Bis heute ist es ein Windmühlenkampf geblieben. Zu viele Ausnahmen und noch mehr Schlupflöcher gibt es, auf die sich die Vermieter berufen können. Die Folge: Die Mieten steigen vor allem in den Ballungsgebieten weiter an – den Mietpreisbremsen und Mietendeckeln zum Trotz. Die Flinte ins Korn werfen sollten Mieter dennoch nicht. Vielfach lohnt es sich durchaus, sich auf das Gesetzt zu berufen und Experten zu Rate zu ziehen. Wir beantworten zu diesem Thema die wichtigsten Fragen.

Was ist die Vergleichsmiete?

Als ersten Schritt empfiehlt auch die Verbraucherschutz-Organisation Stiftung Warentest die Ermittlung der "ortsüblichen Vergleichsmiete", also die Durchschnittsmiete für das jeweilige Wohngebiet. Manche Städte wie Berlin und München bieten eine Onlineversion des Mietspiegels an. Um die Vergleichsmiete zu erhalten, brauchen Sie nur die Wohnungsdaten eingeben. Wo es diese Möglichkeit nicht gibt, erfahren Sie die Daten des Mietspiegels bei Ihrer Gemeinde. Sollte es für Ihre Gebiet keinen Mietspiegel geben, könnten der Mieterverein oder ein Mieteranwalt weiterhelfen.

Symbolbild: Getty Images
Symbolbild: Getty Images

Kann ich die Miete nach Abschluss des Mietvertrages abbremsen?

Ja, das geht. Voraussetzung ist allerdings, dass die Mietpreisbremse schon galt, als Sie den Mietvertrag abgeschlossen haben.

Was kann ich bei einer drohenden Mieterhöhung tun?

Rechtlich darf der Vermieter die Miete im laufenden Mietverhältnis höchstens 20 Prozent über die ortsübliche Vergleichsmiete anheben (bei einer Neuvermietung dürfen es nicht mehr als zehn Prozent sein). Es sei denn, er koppelt die Mieterhöhung mit einer Modernisierung der Wohnung. Wichtig für Sie: Sollte der Vermieter eine Mieterhöhung ankündigen oder Ihre Zustimmung dafür fordern, lassen Sie sich von Experten beraten. Verhandeln Sie nicht mit dem Vermieter.

Was kann ich bei einer bestehenden Mietpreisüberhöhung tun?

Lassen Sie Ihren Fall von einem Experten prüfen. Sie können Ihre Situation angesichts der komplizierten Gesetzeslage am besten einschätzen.

Kann ich die Miete vor Unterschrift des Mietvertrages bremsen?

Sie können den Vermieter auf die überhöhte Miete hinweisen. Allerdings wäre dies nicht ratsam, weil Sie die Wohnung in dem Fall höchstwahrscheinlich an einen Mitbewerber verlieren würden. Berufen Sie sich nach der Vertragsunterzeichnung auf die Mietpreisbremse. Denn dafür ist sie geschaffen worden: Sie soll den Mietern bei bestehenden Mietverträgen helfen.

Ein Wohnviertel in Berlin (Bild: Getty Images)
Ein Wohnviertel in Berlin (Bild: Getty Images)

Was kann ich tun, nachdem ich mich für eine Mietpreisbremse entschlossen habe?

Weisen Sie nach Abschluss Mietvertrages und vor Zahlung der ersten Miete den Vermieter schriftlich auf den Gesetzesverstoß hin. Nach Erhalt einer Antwort, verhandeln Sie auf keinen Fall mit dem Vermieter, rät die Stiftung Warentest. Suchen Sie lieber Rat von Experten. Einen Mustertext, Tipps und weitere Informationen erhalten Sie online unter test.de/mietebremsen.

Wer kann mir beim Konflikt um die Miethöhe helfen?

Für den Kampf gegen Mietwucher gibt es mehrere Anlaufstellen. Als Mitglied des Mietervereins können Sie sich hier beraten lassen. Helfen kann auch ein auf Mietrecht spezialisierter Rechtsanwalt. Die Anwaltskosten würden Sie sich sparen, wenn Sie eine Versicherung mit Mietrechtschutz haben. An Orten, wo die Mietpreisbremse gilt, können Sie sich an die Experten des Onlineportals wenigermiete.de wenden. Sie regeln alles für Sie. Wenn sie Erfolg haben, honorieren Sie das Portal ein Jahr lang mit einem Drittel der Mietersparnis.

VIDEO: So funktioniert die Mietpreisbremse

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