"Das Team braucht neue Impulse"

Tommy Gaber
Editor Yahoo Sports

Um zwei weitere Jahre, bis 2020, hat Bundestrainer Joachim Löw seinen Vertrag verlängert. Ist das eine nachvollziehbare Entscheidung? Oder hätte der DFB sich nach einem neuen Trainer umsehen sollen? Die Yahoo Sport-Redakteure Thomas Gaber und Johanens Kallenbach diskutieren diese Fragen im Pro & Contra.

Joachim Löw auf der Pressekonferenz

Pro: “Wegen ihm die Nummer eins im Weltfußball”

von Thomas Gaber

Joachim Löw hat es wieder getan. Nochmal zwei weitere Jahre Bundestrainer, frühestens 2020 soll Schluss sein. Den Vertrag vorzeitig zu verlängern, ist eine gute Entscheidung. Von Löw und vom DFB. Warum sollte man bis zur WM 2018 warten, um dann bei einem möglichen Misserfolg irgendjemanden ad hoc in dieses wichtige Amt zu hieven? Löw und der DFB setzen weiter auf Kontinuität.

Die Vertragsverlängerung bedeutet, dass Löw immer noch genügend Feuer verspürt, dass er immer noch genauso erfolgshungrig ist wie zum Beginn seiner Ära. Löw hat immer betont, seinen Platz freiwillig zu räumen, sollte er seinen Job einmal nicht mehr mit der nötigen Leidenschaft ausüben.

Löw hat sich im Laufe seiner Amtszeit weiterentwickelt. Anfangs galt er als beratungsresistent und mitunter allwissend. Er hat Fehler eingestanden, selbst als es um taktische Dinge ging. Löw hat sich und die Nationalmannschaft immer wieder neu erfunden. Er hat Deutschland auf eine Durststrecke nach dem WM-Titel vorbereitet. Der Generationenwechsel braucht Zeit. Immerhin  stand nach zwei holprigen Jahren wieder ein EM-Halbfinale zu Buche.

Und die Liste seiner Erfolge ist das Entscheidende. Seitdem Löw am Ruder ist, erreichte das DFB-Team bei fünf großen Turnieren immer mindestens das Halbfinale. Das hat keine andere große Fußballnation geschafft, nicht mal ansatzweise.

Was haben denn den Engländern die ständigen Trainerwechsel gebracht? Nichts, sie haben sich eher lächerlich gemacht. Was haben die Italiener mit vier Trainern seit dem WM-Titel 2006 gerissen? Zuletzt scheiterte die Squadra Azzurra zweimal in Folge bei der WM in der Vorrunde. Die Brasilianer strampeln seit vielen Jahren vergeblich, um an alte Erfolge anknüpfen zu können.

Dagegen hat Löw mit dem WM-Titel 2014 bewiesen, dass er den Weg auch zu Ende gehen kann. Deutschland hat Spanien als Nummer eins im Weltfußball abgelöst. Das ist ein Verdienst von Jogi Löw. Seine Vertragsverlängerung ist eine logische Konsequenz dessen.


Contra: “Das Team braucht neue Impulse”

von Johannes Kallenbach

Gleich vorweg: Das hier wird kein blindes Löw-Bashing. Ich gehöre sicherlich nicht zu den Leuten, die unserem Weltmeistertrainer seine Kompetenz absprechen, den Titel 2014 als positiven Ausrutscher ansehen und ihn lieber früher als später loswerden wollen. Die Erfolge sprechen für ihn. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass man mit Löw schon wieder verlängern müsste – geschweige denn das jemals sollte.

Der Bundestrainer ist mit Ende der WM 2018 zwölf Jahre im Amt – ein enormer Zeitraum im Fußball. Die allerwenigsten seiner Kollegen sind auch nur annähernd so lange am gleichen Ort Cheftrainer. Auch, wenn dieser stetige Wandel im modernen Fußball zunächst einmal anstrengend und auch etwas schade klingt, gibt es bei Trainern oft gute Gründe, warum man sich von ihnen trennt.

Zuallererst steht hier natürlich der sportliche Erfolg. Wenn du trotz eines starken Kaders und gefestigten Strukturen keinen Blumentopf gewinnst, musst du etwas ändern. Und speziell bei einem Nationalteam kann es da nur den Trainer treffen. Neue Spieler kann man sich ja nicht einfach aus dem Hut zaubern.

Es ist nicht gesagt, dass Löw mit dem DFB-Team in Russland erfolgreich ist. Im Gegenteil. Gefühlt tritt das Team seit dem WM-Titel auf der Stelle, andere Nationen haben deutlich auf- und Deutschland teilweise sogar überholt. Dann noch etwas Formschwäche und auch ein Vorrundenaus ist ganz schnell im Bereich des möglichen. Wäre Löw dann noch zu halten?

Doch selbst, wenn 2018 alles passt, darf man eines nicht vergessen: Die Mannschaft könnte Impulse gut gebrauchen. Eine neue Philosophie kennenzulernen würde bedeuten, unberechenbarer zu werden – und so auf Dauer als Topfavorit auf große Titel zu gelten. Das wäre nur ohne Löw möglich. Und zwar bei Möglichkeit nicht erst 2020.

Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft – im positiven wie im negativen Sinne. Veränderungen sind bisweilen notwendig, um den entscheidenden Schritt nach vorne machen zu können. Sie können den Unterschied zwischen Halbfinalaus und Titel bedeuten. Deswegen hätte man den Wechsel auf der Trainerposition, unabhängig von der Erfolgsgeschichte Löw/DFB, spätestens nach der WM 2018 anvisieren sollen.


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