David Coulthard erinnert an Jerez 1997: Es war Stallorder von McLaren!

Gerald Dirnbeck
motorsport.com

Das Formel-1-Saisonfinale in Jerez im Jahr 1997 ist aus mehreren Gründen in die Geschichte eingegangen. Unvergessen ist der WM-Showdown zwischen Michael Schumacher und Jacques Villeneuve. Der Ausgang ist jedem Formel-1-Fan bekannt.

Nachdem Schumacher beim Überholversuch von Villeneuve dem Williams in den linken Seitenkasten gekracht war, musste der Kanadier noch 22 Runden absolvieren. "Das Auto fühlte sich seltsam an. Es war ein harter Schlag", sagte er damals. "Es war keine kleine Sache."

Villeneuve konnte zwar mit der Beschädigung weiterfahren, aber seine Rundenzeiten stiegen. Die Verfolger kamen in der Schlussphase näher. Das war das McLaren-Mercedes-Duo David Coulthard und Mika Häkkinen.

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Coulthard lag vor seinem Teamkollegen, als sie Villeneuve immer näherkamen. Aber dann kam es zum Platztausch der Silberpfeile. "Ich wurde darum gebeten", erinnert sich Coulthard bei 'RTE' und spricht von klarer McLaren-Stallorder. "Vor dem Rennen wurde das nicht gesagt."

Jerez 1997: Mika Häkkinen gewann damals seinen ersten Grand Prix

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Jerez 1997: Mika Häkkinen gewann damals seinen ersten Grand Prix Motorsport Images

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"Es hat einige Runden gedauert, während mich unser Teammanager anfunkte und sagte, dass ich Platz machen soll. Schließlich habe ich es getan. Ich bereue eine Anweisung des Teams nicht, denn ich war immer ein Teamplayer", hat Coulthard reines Gewissen.

In der letzten Runde ließ der Führende Villeneuve schließlich zunächst Häkkinen vorbei und anschließend auch Coulthard. Rang drei reichte dem Williams-Piloten für den Weltmeistertitel. Für Häkkinen war es der erste Grand-Prix-Sieg überhaupt.

Wie reflektiert Coulthard heute über Stallorder?

Wenige Monate später wiederholte sich eine ähnliche Situation beim Saisonauftakt 1998 in Melbourne. Häkkinen führte das Rennen vor Coulthard an, bog dann aber wegen eines Missverständnisses am Funk zum falschen Zeitpunkt in die Boxengasse ab.

Dadurch erbte Coulthard die Führung. Der Schotte wurde erneut angewiesen zur Seite zu fahren, was er auch machte. Theoretisch hätte Coulthard in Jerez 1997 und in Melbourne 1998 gewinnen können. Stattdessen schlug das Pendel zu Häkkinen um, der anschließend zweimal Weltmeister wurde.

Melbourne 1998: Wieder muss Coulthard Teamkollege Häkkinen vobeilassen

Melbourne 1998: Wieder muss Coulthard Teamkollege Häkkinen vobeilassen <span class="copyright">Motorsport Images</span>
Melbourne 1998: Wieder muss Coulthard Teamkollege Häkkinen vobeilassen Motorsport Images

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Im Rückblick gibt Coulthard zu, dass er "ein paar Siege mehr" in seiner Statistik stehen hätte, wenn er nie Platz gemacht hätte. "Aber beeinflusst das meinen Schlaf? Nein. Was würde es heute bedeuten? Ich hätte vielleicht etwas mehr Geld verdient, aber das sorgt heute nicht für schlaflose Nächte."

Noch ein Detail zu Jerez 1997: Schon damals wurde behauptet, dass es zwischen Williams und McLaren eine Absprache gegeben haben soll. Hilft McLaren im Kampf gegen Ferrari oder behindert zumindest Villeneuve nicht, würde man sich revanchieren.

Villeneuve meinte damals, dass er den WM-Titel nicht gefährden wollte und deshalb die beiden McLaren kampflos vorbeigelassen hat. Eine Absprache zwischen Williams und McLaren konnte damals nie nachgewiesen werden, Untersuchungen wurden eingestellt.

Allerdings hat Coulthard vor wenigen Jahren bei unseren Kollegen von 'Autosport' verraten: "Ron Dennis hatte einen Deal mit Frank Williams. Niemand wusste darüber. Wenn wir Williams im Kampf gegen Ferrari helfen, dann würden sie McLaren helfen. Ron würde das wahrscheinlich heute noch dementieren, aber das ist passiert."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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