Wieso Dembélé für Griezmann zum Problem wird

Lukas von Hoyer, Jonas Nohe
Sport1

"La gran decisión" - die große Entscheidung.

In großen Lettern prangten die Worte am Dienstag, einen Tag vor dem Champions-League-Spiel des FC Barcelona gegen Borussia Dortmund (Champions League: FC Barcelona - BVB ab 21 Uhr im LIVETICKER), auf der Titelseite der katalanischen Sporttageszeitung Sport.


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Daneben zu sehen: Antoine Griezmann - und es fiel schwer, hinter den Worten keine gezielte Anspielung zu vermuten.

Griezmann nach Hickhack von Atlético zu Barca

Rückblick: Im Sommer 2018 stand der Franzose bereits vor einem Wechsel von Atlético Madrid nach Barcelona, die Entscheidung über seine Zukunft verkündete er damals in einer 30-minütigen Sondersendung des TV-Senders Movistar+.


Der bedeutungsschwangere Titel der hollywoodreifen Inszenierung: "La decisión".

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Bekanntermaßen war das damalige Bekenntnis zu Atlético nicht von langer Dauer, ein Jahr später zog es Griezmann dann doch nach Barcelona - für die Kleinigkeit von 120 Millionen Euro.


Noch kein Griezmann-Tor in der Champions League

Das Problem: Aktuell hat sich diese Investition für Barca noch nicht so recht ausgezahlt. Erst vier Tore in zwölf Ligaspielen stehen bisher für Griezmann zu Buche, in der Champions League war der 28-Jährige gar noch an keinem einzigen Treffer direkt beteiligt.

Und so kommt es, dass am Mittwochabend nun sogar die "gran decisión" ansteht. Für Ernesto Valverde, den Trainer des FC Barcelona. Und das Ergebnis könnte sein, dass der 120-Millionen-Star Griezmann gegen den BVB nur auf der Bank sitzt.

Profitieren würde davon ausgerechnet Ousmane Dembélé, Griezmanns französischer Landsmann und ehemaliger BVB-Profi.

Dembélé sammelt Pluspunkte bei Valverde

Beim glücklichen 2:1-Sieg bei CD Leganés am vergangenen Wochenende überraschte Valverde mit einer Anfangsformation, in der beide ihren Platz fanden. Gegen Dortmund aber wird an der Seite der gesetzten Lionel Messi und Luis Suárez wohl nur eine Planstelle in der Barca-Offensive frei sein - und zuletzt sammelte Dembélé nicht nur in Leganés deutlich mehr Pluspunkte als Griezmann.

In Spanien mutmaßen daher nicht wenige, dass der als Problemprofi verschriene Flügelflitzer gegen seinen Ex-Klub den Vorzug gegenüber dem vermeintlichen Superstar erhält.

Es wäre der nächste Rückschlag für Griezmann. Aber wie konnte es für den Weltmeister, um dessen Verpflichtung Barca so lange gekämpft hatte, so weit kommen?


"Sich an Barcas Stil anzupassen, ist sehr schwierig", erzählte sein neuer Sturmkollege Luis Suárez jüngst dem kicker. "Antoine spielt nicht auf seiner eigentlichen Position, mir ging das 2014 genauso."

Neue Rolle neben Messi und Suárez

Nachdem Suárez damals vom FC Liverpool gekommen war, hatte er es ebenfalls erst nach Anlaufschwierigkeiten geschafft, sich in das Barca-Spiel einzufügen. Für Griezmann ist das noch schwieriger, was mit seiner Rolle bei seinem Ex-Klub zu tun hat.

Bei Atlético war Griezmann so etwas wie das freie Radikal im Offensivspiel. Der Spieler, der für die Kreativität zuständig war, und außerdem für die magischen Momente. In Barcelona ist das ein gewisser Lionel Messi.

Griezmann muss sich in Katalonien in einer anderen Rolle zurechtfinden. Einer Rolle im Schatten von Messi und neben Suárez. Er muss mit ihnen funktionieren - und zugleich akzeptieren, dass er nicht der große Star der Mannschaft sein wird, solange Messi noch seine Fußballschuhe für Barca schnürt.


Bislang ist der Franzose aber noch nicht so richtig Teil des Barca-Spiels geworden, gibt auf dem Rasen meist eine eher traurige Gestalt ab.

Ein Beispiel: Gegen Celta Vigo spielte Griezmann vor der Länderspielpause in 73 Spielminuten nur 21 Pässe. Zum Vergleich: Dembélé kam auf 43 in gerade einmal 20 Minuten auf dem Feld.

Der Vorteil des ehemaligen Dortmunders ist aktuell, dass er sich in der offensiven Dreierreihe auf dem linken Flügel heimisch fühlt. Griezmann hingegen ist seit Atlético-Zeiten längst kein klassischer Flügelstürmer mehr, zuletzt hat er diese Position regelmäßig in der Saison 2013/14 noch bei Real Sociedad gespielt.

Valverde will Griezmann wieder brillieren lassen

So kommt es, dass Griezmann vor dem Spiel in Leganés in dieser Saison erst 529 Zuspiele zu seinen Mitspielern gebracht hatte. Der Atlético-Griezmann kam in der vergangenen Spielzeit zum selben Zeitpunkt bereits auf 595 Zuspiele - und das, obwohl die Colchoneros im Vergleich zu Barcas Tiki-Taka einen Spielstil mit deutlich weniger Ballbesitz pflegen.

"Wir müssen versuchen, ihm zu helfen", erklärte Barca-Coach Valverde auf der Pressekonferenz am Dienstag das Rezept, um Griezmann zu altem Glanz zu verhelfen: "Vor dem Spiel geben wir ihm immer Anweisungen mit, von denen wir glauben, dass sie ihm helfen werden."

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Trotz aller Startschwierigkeiten in der katalanischen Metropole sei der französische Weltmeister "ein großartiger Spieler. Wir hoffen, dass er das zeigt - und er zeigt es teilweise schon, auch wenn es ihm an manchen Tagen besser gelingt als an anderen."

Mit Blick auf das Weiterkommen in der Königsklasse werden die Barca-Fans hoffen, dass Griezmann am Mittwochabend gegen den BVB einen seiner besseren Tage erwischt - sofern Valverde ihn denn ranlässt.

Das Resultat der "gran decisión", der großen Entscheidung, wird wohl gegen 20 Uhr bekannt werden. Dann, wenn der FC Barcelona seine Aufstellung veröffentlicht.

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