Diese zehn Menschen prägten die Politik der 2010er Jahre

Jan RübelReporter
Ein Bild aus der Mitte des Jahrzehnts: 2015 warten Michelle und Barack Obama im Weißen Haus auf einen wichtigen Gast: Chinas Präsident Xi Jingping hat sich mit Ehefrau angekündigt (Bild: Reuters/Mike Theiler)
Ein Bild aus der Mitte des Jahrzehnts: 2015 warten Michelle und Barack Obama im Weißen Haus auf einen wichtigen Gast: Chinas Präsident Xi Jingping hat sich mit Ehefrau angekündigt (Bild: Reuters/Mike Theiler)

Es waren heiße zehn Jahre: Klimatisch gesehen die wärmsten bisher – und in der Politik voller Umbrüche. Yahoo stellt die wichtigsten Player vor. 

Mohamed Bouazizi

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Zu Beginn des Jahrzehnts stand ein Mann, der gar kein Politiker war – aber dessen Tat bis heute starke Wirkungen zeigt und zeigen wird: Mohamed Bouazizi war ein tunesischer Gemüsehändler, der sich bei einem Protest gegen die Misere im Januar 2011 anzündete und verbrannte. Es war der Auslöser für den Arabischen Frühling. Rebellionen in vielen Ländern des Nahen Ostens folgten; die meisten wurden niedergeschlagen. Aber im kommenden Jahrzehnt, wenn einige Regime fällig sind, werden viele noch über Bouazizi reden: Ein junger Mann, der nach dem Tod des Vaters mit einem mobilen Gemüsestand seine Mutter und Geschwister ernährte, ihnen und sich den Schulbesuch ermöglichte. Tunesiens Diktatur war ein Hort der Korruption – und Bouazizi gehörte zu einer großen Gruppe junger gut Ausgebildeter, er hatte Abitur, denen der Staat keine Chance gab. Mit Bouazizi begann dieses verrückte Jahrzehnt.

Barack Obama

2012 gelang dem US-Präsidenten die Wiederwahl. Damit konnte er seine aufs Gemeinwohl ausgerichtete Politik bis 2016 fortsetzen: Ein großes Konjunkturprogramm half der durch die Finanzkrise gebeutelten US-Wirtschaft wieder auf die Beine. Obama führte endlich so etwas wie eine Gesundheitsversicherung ein, predigte gegen Hass und für friedvolle Auseinandersetzungen in der Gesellschaft. Und er sensibilisierte seine Bürger für den Umweltschutz: Zum Energieminister berief er einen Physik-Nobelpreisträger, forcierte den Ausbau regenerativer Energien, verbot in einer seiner letzten Amtshandlungen Ölbohrungen in der Arktis und benannte Russland als Manipulator der US-Präsidentschaftswahlen 2016. Wer an ihn heute denkt, merkt: Es gab vor kurzer Zeit einen Präsidenten, der keine absolute Katastrophe wie der aktuelle war. Im Gegenteil.

Xi Jinping

Xi Jinping wirkt auf dem internationalen Parkett eher unscheinbar, doch er verfolgt eine weitreichende Machtpolitik (Bild: Noel Celis/Pool via Reuters)
Xi Jinping wirkt auf dem internationalen Parkett eher unscheinbar, doch er verfolgt eine weitreichende Machtpolitik (Bild: Noel Celis/Pool via Reuters)

Er ist der große Unbekannte der internationalen Politik, dabei wirkt Xi Jinping weltweit. Auf China, wo er 2012 zum Generalsekretär der alleine regierenden Kommunistischen Partei gewählt wurde, wird halt nicht so geschaut. Zum Teil ist das von Peking gewollt: Weil Xi Jinping eine Ähnlichkeit mit der Figur Winnie Puuh nachgesagt wird ist diese aus dem Reich der Mitte verbannt. Der große Herrscher, mit vielen Ämtern ausgestattet, führt sein Land bis heute rigoros: mit turbokapitalistischen Methoden nach außen und antiliberalen nach innen. Chinesische Technologie, chinesisches Internet – überall beginnt China mittlerweile zu überholen, behauptet die Eigenständigkeit und betreibt eine rücksichtslose Außenpolitik, die nur dem eigenen Machtzuwachs zu dienen hat.

Abu Bakr al-Baghdadi

Zwar ist er mittlerweile tot. Aber Abu Bakr al-Baghdadi prägte als Posterboy radikalislamischer Ideen dieses Jahrzehnt weltweit. Zuerst Emir, dann selbst ausgerufener „Kalif“ der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) und Herr über große Regionen des Iraks und Syrien: Al-Baghdadi legte eine beeindruckende Karriere hin. Dabei war er kein Alleinherrscher, mehr ideologisches Aushängeschild. Aber seine Politik ist eine Herausforderung für islamische Gesellschaften über dieses Jahrzehnt hinaus. Sein Konterfei wird man auch in den kommenden Jahren sehen. Und viele, die ihm nacheifern werden. 

Wladimir Putin

Putin hält die Zügel im Russland fest in seiner Hand (Bild: Sputnik/Aleksey Nikolskyi/Kremlin via Reuters)
Putin hält die Zügel im Russland fest in seiner Hand (Bild: Sputnik/Aleksey Nikolskyi/Kremlin via Reuters)

Nicht nur dieses vergehende Jahrzehnt war seines. Wladimir Putin herrscht in Russland seit gefühlten Jahrzehnten – so stark hat er seine Machtbasis stabilisiert und ausgebaut. Russland ist unter seiner Führung ein wichtiger Player im Nahen Osten und seine Auffassung von autokratischer Herrschaft verbreitet Putin zwar nicht über seine Reden – er weiß, dass er nicht überzeugen kann – , aber über seine Trollarmeen, mit denen er über soziale Netzwerke Lügen und Manipulationen verbreiten lässt: Der „Westen“ ist ihm zu stark, das macht ihm Angst, also versucht er zu destabilisieren. Ein Stück weit ist ihm das in diesem Jahrzehnt gelungen. 

Papst Franziskus

Im Jahr 2013 wurde der Argentinier Jorge Mario Bergoglio zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt – als erster Nichteuropäer auf dem Heiligen Stuhl seit dem 8. Jahrhundert, damals hatte ein Syrer als Papst geherrscht. Seit 2013 heißt Bergoglio also Franziskus, und seitdem weht ein frischerer Wind im Vatikan. Weltweit wirkt Franziskus mit seinen Botschaften: für mehr soziale Gerechtigkeit und weniger Materialismus, gegen eine Suprematie des „Geldes“. Damit legt der bescheiden auftretende Papst einen Finger in die Wunde unseres Jahrzehnts, in dem alles schneller und konsumistischer wurde. Tiefgehende Reformen sind von ihm nicht zu erwarten, Franziskus ist konservativ. Aber er hielt dem Jahrzehnt den Spiegel vor wie kaum ein Anderer. Und wird es wohl auch im kommenden tun.

Donald Trump

Donald Trump prägt die US-amerikanische Gesellschaft wie wenige Präsidenten vor ihm (Bild: Reuters/Joshua Roberts)
Donald Trump prägt die US-amerikanische Gesellschaft wie wenige Präsidenten vor ihm (Bild: Reuters/Joshua Roberts)

Über ihn möchte man nicht viel sagen. In aller Kürze: Seit 2016 US-Präsident, seitdem Meister im Lügen, Veräppeln, Werte treten und Bösartigkeit zum Vorbild Machen. Ohne die sozialen Medien und seine Manipulationen wäre er niemals Präsident geworden. Doch nun führt Trump ins kommende Jahrzehnt eine Bewegung an: die der Clownokratie.

Mark Zuckerberg

Zuckerberg ist kein Politiker. Aber gehört zu jenen Unternehmern, die der Welt ihren Stempel aufdrücken. Der Facebook-Gründer spannte in diesem Jahrzehnt ein beispielloses Datennetz über die Menschheit. Bis heute redet Zuckerberg von seinem Einsatz für Demokratie und Meinungsfreiheit. Doch mittlerweile ist bekannt, dass er nur nach digitaler Macht strebt und diese meistbietend verkauft. Er ist der Söldner des Jahrzehnts. Und seine Macht wird wachsen.

Greta Thunberg

Greta Thunberg hat innerhalb eines Jahres eine globale Bewegung inspiriert (Bild: TT News Agency/Pontus Lundahl via Reuters)
Greta Thunberg hat innerhalb eines Jahres eine globale Bewegung inspiriert (Bild: TT News Agency/Pontus Lundahl via Reuters)

Am 20. August 2018 platzierte sich die schwedische Schülerin Greta Thunberg vor dem Reichstag in Stockholm, sie hatte ein Schild dabei: „Schulstreik für das Klima“ stand darauf. Seitdem hat sie eine weltweite Bewegung losgetreten. Die junge Generation macht nun klar, was sie von der Klimapolitik der Erwachsenen hält: wegen fehlender Effektivität nichts; schließlich müssen die kommenden Generationen die Zeche dafür zahlen. Thunberg überzeugt bei zwei Dingen: Sie steht für die Orientierung an Faktenund dafür, dass jeder Einzelne etwas bewegen kann. 

Angela Merkel

Ja, sie gehört noch zu den prägenden Menschen dieses Jahrzehnts. Time-„Person des Jahres“ wurde Merkel 2015, das war der Höhepunkt ihrer Macht. Nun wird sie sich innerhalb der nächsten zwei Jahre von der Politik in Deutschland verabschieden. Aber ihr Erbe bleibt: Trotz allen Unkenrufen hat die Integration der vielen nach Deutschland fliehenden Menschen geklappt – Merkel hat das zugelassen, und es ist ihr Verdienst. In einem Jahrzehnt, in dem die Rufe nach einfachen Pseudolösungen lauter geworden sind, blieb Merkel die beruhigende Stimme. Regt euch mal nicht so auf. Und dem kommenden Jahrzehnt wird sie sicherlich erhalten bleiben, mit einer Rolle in der internationalen Politik.

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