Derby-Triumph über Union: Ibisevic erklärt züchtigen Jubel

Sportinformationsdienst, SPORT1
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Bruno Labbadia feierte seinen Traumstart in Berlin mit geballter Faust. Und anders als noch angesichts zu viel Nähe beim Corona-Restart jubelten seine Spieler nach vier Toren im Stadtduell betont distanziert.

Hertha BSC hat in der Bundesliga das anfangs triste Geisterderby gegen Aufsteiger Union deutlich gewonnen und nach einer Leistungssteigerung Revanche für die Schmach in der Hinrunde genommen. Im leeren Olympiastadion setzten sich die Blau-Weißen mit 4:0 (0:0) durch.

Im ersten Duell vor 202 Tagen hatte der Aufsteiger aus Köpenick in der Alten Försterei über die Alte Dame triumphiert (1:0) - nun sicherte sich Hertha BSC mit dem klaren Erfolg die inoffizielle Stadtmeisterschaft.

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Den zweiten Sieg im zweiten Spiel unter dem neuen Trainer Labbadia machten Kapitän Vedad Ibisevic (51.), Dodi Lukebakio (52.), Matheus Cunha (61.) und Dedryck Boyata (77.) perfekt.

Rundum zufrieden präsentierte sich Herthas Vladimir Darida nach Schlusspfiff bei DAZN: "Die zwei schnellen Tore haben uns geholfen. Auch die erste Halbzeit war in Ordnung, der Sieg war verdient. Wir sind sehr laufstark und haben in der Pause auch viel gearbeitet."

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Hertha hält sich an Hygienekonzept

Nach der Aufregung um den Torjubel beim Sieg bei der TSG Hoffenheim am vergangenen Samstag (3:0) hielten sich Herthas Spieler nach den Treffern dieses Mal an die Abstandsregeln des Hygienekonzeptes.

Stellvertretend dafür stand Ibisevic, der seine Mitspieler nach seinem Tor diesmal bewusst auf Distanz hielt, nachdem er in der Vorwoche selbst auffällig geworden war.

"Ich bin froh, dass es bei mir und meiner Mannschaft so gut läuft", erklärte der Goalgetter. "Wir haben eine gute Mannschaft mit viel Qualität. Letzte Woche wurde sehr viel über unseren Jubel diskutiert – deshalb habe ich mich diesmal für diesen Jubel entschieden. Bruno Labbadia und ich haben ein korrektes Verhältnis, wir kennen uns aus Stuttgarter Zeiten, er gibt mir Selbstvertrauen."

Nix also mit Küsschen, Abklatschen und zerwühltem Haar des Teamkollegen - Hertha hielt sich beim Feiern züchtig und entledigte sich mit dem Dreier bis auf Weiteres seiner Abstiegssorgen.

"Die Art und Weise, wie wir in der zweiten Halbzeit eine top-organisierte Mannschaft bespielt haben, war klasse", erklärte Labbadia. "Wir sind natürlich happy, weil das ganz wichtige Punkte im Abstiegskampf waren."

Union richtet Blick nach unten

Union dagegen muss den Blick in seiner Bundesliga-Premierensaison weiter nach unten richten, hat aber noch ein gutes Polster.

"Für uns ging es die ganze Zeit nur um den Klassenerhalt, das ist nach dem Spiel nicht anders. Wir orientieren uns klar nach unten", analysierte Unions Grischa Prömel.

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Unions Trainer Urs Fischer schlug vor allem der zweite Durchgang auf den Magen. "Die erste Halbzeit war gut, aber über die zweiten 45 Minuten müssen wir uns noch mal unterhalten, man darf nach Gegentoren nicht völlig den Kopf verlieren, aber genau das haben wir getan", monierte Fischer. "Wir haben Hertha eingeladen. Jetzt gilt es aber aufzustehen, wir haben ein Spiel verloren, nicht mehr und nicht weniger."

Labbadia setzte bei seiner Heim-Premiere erneut auf eine 4-2-3-1-Grundordnung, berief aber Rückkehrer Darida für Maximilian Mittelstädt in die Startelf. Fischer, der am vergangenen Wochenende aufgrund eines Trauerfalls in der Familie nicht auf der Bank gesessen hatte, stellte auf vier Positionen um, unter anderem saß Abwehrspieler Neven Subotic zunächst nur auf der Bank.

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Ein Skandal-Derby wie am 2. November 2019, als Spielabbruch und Platzsturm drohten, war im Vorfeld wegen der fehlenden Zuschauer ausgeschlossen. Spielerisch hatte das Duell lange aber ähnlich wenig zu bieten wie das damalige Aufeinandertreffen.

Gastgeber tun sich zunächst schwer

Die Hertha, die wegen der Coronakrise mit empfindlichen Einbußen rechnet, war um Kontrolle bemüht, tat sich gegen die körperlich robust und taktisch diszipliniert verteidigenden Köpenicker aber schwer. Union agierte seinerseits häufig mit langen Bällen, mit der Herthas Defensive wenig Schwierigkeiten hatte. Auch die Konter der Gäste verteidigte Hertha gut.

Nach der zähen Anfangsviertelstunde kamen die Gastgeber zur ersten Torchance. Lukebakio sprintete auf Unions Torhüter Rafal Gikiewicz zu, scheiterte aber aus spitzem Winkel (18.). Kurz darauf prüfte Cunha den Polen per Hacke (27.). Herthas Kreativspieler Lukebakio und Cunha setzten sich auf den Außenbahnen aber viel zu selten in Szene.

Das Derby blieb zerfahren, Nickligkeiten und Fouls störten den Spielfluss. Union wartete bis kurz vor der Pause auf die erste Möglichkeit: Robert Andrich zielte bei seinem Freistoß aus rund 20 Metern aber knapp zu hoch (44.).

Ibisevic bricht den Bann

Nach dem Seitenwechsel brachte Hertha die Führung merklich mehr Selbstvertrauen.

Ibisevic, der erneut den Vorzug vor Winter-Millioneneinkauf Krzysztof Piatek erhielt, traf mit einer Kopie seines Treffers in Hoffenheim. Lukebakio schloss einen Konter mustergültig ab, nach Cunhas Treffer war das Spiel entschieden. Boyata legte nochmals nach.

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