Details zum BBL-Plan: Fakten, Unklarheiten, Probleme

Stefan Junold
Sport1

Gibt es im Juni den Basketball-Vollausschlag? Das ist zumindest der Plan der Basketball-Bundesliga, den die Liga-Vertreter am Montag geschmiedet haben und ab Dienstag konkretisieren wollen.

Wie im Fußball soll die höchste Spielklasse mit Geisterspielen fortgesetzt werden. Das Konzept steht teilweise, einige Details müssen aber noch geklärt werden.

SPORT1 gibt einen Überblick, was schon feststeht und welche Fragen noch offen sind.

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige


Wann soll wieder gespielt werden?

BBL-Geschäftsführer Stefan Holz hat klargestellt, dass die BBL-Saison bis 30. Juni beendet werden muss. Geplant ist der Start des Turniers zwischen dem 6. und 8. Juni.

Damit hätte die Liga rund drei Wochen Zeit, ihren Meister zu küren und die Teilnehmer an den internationalen Wettbewerben für die nächste Saison auszuspielen. Zuvor ist ein Zeitraum von zwei bis drei Wochen für die Vorbereitung der Teams vorgesehen.

Allerdings gibt es eine weitere Deadline. "Wir müssen am 18. Mai das Go haben", betonte Holz bei MagentaSport, sprich: Politik bzw. zuständige Behörden müssen der BBL bis zu diesem Zeitpunkt die Erlaubnis erteilen, dass Partien und Trainings ausgetragen werden können.

Wo wird gespielt?

Das ist wohl die spannendste Frage, die noch geklärt werden muss. Fest steht: Das Turnier soll an nur einem Standort ausgetragen werden. Berlin und München gelten auf Grund der Anforderungen als Favoriten.

Der FC Bayern hat schon mal seine Bereitschaft zur Austragung signalisiert. "Wir werden uns sicherlich bewerben, wenn wir die Ausschreibungskriterien erfüllen können. Ob wir dann den Zuschlag bekommen, liegt nicht an uns", sagte Münchens Basketball-Boss Marko Pesic SPORT1.

Auch Köln, Frankfurt und Oldenburg sind interessiert.

Da ohnehin keine Zuschauer zugelassen sein werden, besteht ein Heimvorteil im klassischen Sinn nicht. Dennoch hätte der austragende Verein zumindest die Ortskenntnis den anderen Teams voraus.


Welche Vereine sind (nicht) dabei?

Diese Frage hat die BBL ganz pragmatisch beantwortet. Wer teilnehmen will, der darf. Wer für einen Abbruch der Saison ist, nimmt nicht teil.

Daher ergibt sich folgendes Teilnehmerfeld von zehn Teams: FC Bayern Basketball, MHP Riesen Ludwigsburg, ALBA Berlin, HAKRO Merlins Crailsheim, RASTA Vechta, EWE Baskets Oldenburg, Brose Bamberg, BG Göttingen, ratiopharm Ulm und Fraport Skyliners.

Nicht mehr spielen werden die verbleibenden sieben Klubs: s.Oliver Würzburg, Basketball Löwen Braunschweig, medi Bayreuth, JobStairs GIESSEN 46ers, Telekom Baskets Bonn, SYNTAINICS MBC und Hamburg Towers.

Jetzt aktuelle Basketball-Fanartikel kaufen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE

In welchem Modus wird gespielt?

Geplant sind zwei Gruppen mit jeweils fünf Mannschaften. Anschließend folgen im Überkreuz-Verfahren Viertel- und Halbfinale sowie das Finale in einem angepassten Play-off-Modus. Weitere offizielle Informationen zur Umsetzung des Turniers gibt es noch nicht.

Allerdings steht fest, dass die restlichen sieben Mannschaften nach der aktuellen Tabelle auf den Plätzen 11 bis 17 einsortiert werden und es keinen Absteiger gibt. (Tabelle der Basketball-Bundesliga vor der Corona-Unterbrechung)

Sind alle Spieler dabei?

Zu Beginn der Corona-Krise sind viele Spieler, insbesondere Profis aus den USA, in ihre Heimat gereist. Dennoch planen die BBL-Klubs laut Holz mit allen ausländischen Akteuren. "Die Quarantäne von 14 Tagen ist wahrscheinlich gesetzt", schränkte der Liga-Chef jedoch ein.

Damit die Teams die für mindestens zwei Wochen angedachte Vorbereitung mit dem kompletten Kader absolvieren können, müssten sie also dafür sorgen, dass alle Legionäre, die sich gerade nicht in Deutschland befinden, bis rund vier Wochen vor dem geplanten Turnierstart am 6., 7. oder 8. Juni wieder eingereist sind. Da aber noch nicht absehbar ist, wann das Go aus der Politik kommt, könnte dieser Aspekt zu einem Problem werden.


"Ich gehe zwar davon aus, dass man eine Reisegenehmigung bekommt – weil es um die Berufsausübung geht. Wir haben auch entsprechende Vereinbarungen mit unseren Spielern getroffen. Aber ich kann nicht garantieren, dass jeder ins Flugzeug einsteigt und auch aussteigt", erklärt Andreas Oettel, Geschäftsführer von ratiopharm Ulm, dazu in einer Vereinsmitteilung.

Darüber hinaus gibt Gunnar Wöbke zu bedenken: "Wir werden die Leute rausholen aus dem normalen Leben. Das ist natürlich auch eine besondere Belastung." Der Geschäftsführer der Fraport Skyliners ergänzte in einem Podcast der Frankfurter: "Wir müssen uns um das Wohl unserer Spieler kümmern, die vier, fünf Wochen von ihren Familien getrennt sein werden. Das ist eine Ausnahmesituation, das muss man ganz klar so sagen."

Warum setzt die BBL den Spielbetrieb fort?

Vorrangig aus sportlichen (um einen Meister zu küren) und wirtschaftlichen Gründen. Die Liga rechnet ohnehin mit einem Verlust von rund 25 Millionen Euro. Weiterer Schaden soll durch die Fortsetzung des Spielbetriebs zumindest gemindert werden.

Wie sieht das Gesundheitskonzept aus?

Anders als der Profi-Fußball verfügen die Basketballer noch nicht über ein detailliertes Konzept. Es soll sich aber an dem der DFL orientieren. "Wir haben vorgearbeitet", erklärt Holz. Ab Dienstag erfolgt die konkrete Ausarbeitung des "umfassenden Hygiene- und Gesundheitskonzepts" mit "externer Unterstützung", hieß es im Statement der BBL von Montag.

Nun wartet die Liga auf die Genehmigungen von Politik und Behörden. Auch wenn die Zuständigkeit nicht ganz klar scheint. "Wenn wir das mal wüssten", gibt Holz zu.

Lesen Sie auch