Deutsche Bahn gewinnt auf Twitter Schlagabtausch mit AfD-Politiker

Willy FlemmerFreier Autor für Yahoo
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Ein AfD-Politiker hatte für einen LGBTI-freundlichen Tweet der Deutschen Bahn nur einen sarkastischen Kommentar übrig. Der Konzern konterte schlagkräftig und ging in dem Schlagabtausch letztlich als Sieger hervor.

Die Deutsche Bahn lieferte sich auf Twitter einen Schlagabtausch mit einem AfD-Politiker. (Symbolbild: Getty Images)
Die Deutsche Bahn lieferte sich auf Twitter einen Schlagabtausch mit einem AfD-Politiker. (Symbolbild: Getty Images)

Einem Abgeordneten der “Alternative für Deutschland” war ein Internet-Post der Deutschen Bahn anlässlich der LGBTI-Pride-Veranstaltung "Global Pride" offenbar ein Dorn im Auge. Weshalb er sich einen sarkastischen Kommentar nicht verkneifen konnte. Der Konzern ließ sich jedoch nicht – das Wortspiel darf erlaubt sein: aus der Bahn bringen – und konterte schlagkräftig.

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Die Bahn veröffentlichte am 27. Juni auf Twitter einen Post, der die Sympathie des Konzerns mit der LGBTI-Gemeinschaft (LGBTI steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual/Transgender und Intersex) zum Ausdruck bringen sollte. Diese hatte für den Tag im Internet die so genannte Global-Pride-Veranstaltung organisiert, auf der weltweit in den "herausfordernden Zeiten" von COVID-19 "die Diversität und Gleichheit gefeiert werden" sollte, wie es auf der Seite der Veranstaltung heißt.

Sympathiebekundung der Bahn

Ethos und Anliegen der LGBTI-Gemeinschaft unterstützt offenbar auch die Bahn. Deshalb hat der Konzern anlässlich der Veranstaltung auf Twitter einen Post veröffentlicht, der das Bild einer aus mehreren und mehrfarbigen Bildsymbolen geformten Regenbogenfahne zeigt. Darunter findet sich neben dem Hashtag #GlobalPride2020 die Botschaft: "Habt euch lieb."

Bei Gunnar Lindemann, der für die AfD im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, stieß der Tweet anscheinend auf wenig Gegenliebe. Weshalb er sich zu einem sarkastischen Kommentar hinreißen ließ. Dazu kam ihm das Klischee gelegen, das nicht nur die AfD gerne bemüht, um sich über die Bahn lustig zu machen: "Das erklärt natürlich ihre regelmäßigen Verspätungen", schreibt er in seinem Tweet. Wie es ihm allerdings gelungen ist, den doch recht weiten Bogen zu spannen zwischen dem Anliegen der LGBTI-Gemeinschaft und den Zugverspätungen der Bahn, erklärte er leider nicht.

Der Schlagabtausch

Das wiederum nutzte die Bahn für ihre Retourkutsche aus. Als Reaktion twitterte die Social-Media-Abteilung des Konzerns das Emoji eines Figürchens, das sich vor Fassungslosigkeit die Hand vors Gesicht hält. Der Schlag hatte gesessen, dann konterte Lindemann. Dabei zielte der AfD-Mann auf einen angeblichen politischen Standpunkt der Bahn. "Und das erklärt Ihre linksextremistische Gesinnung", schreibt er. Auch hier wieder: nichts von einer nachstehenden näheren Erläuterung zu sehen. Nun schlug die Bahn zurück und traf besser: "Das zeigt einfach nur, dass wir alle Menschen akzeptieren und respektieren. Sollten Sie vielleicht auch mal ausprobieren."

Wenn zwei sich streiten, freut sich redensartlich der Dritte. Der Dritte – das sind in diesem Fall die Twitter-Nutzer. Obwohl Lindemann abermals konterte (die Bahn soll sich um "reibungslosen, komfortablen Zugverkehr" statt um "politische Propaganda" kümmern), stellten sich diese auf die Seite der Bahn.

"Als Politiker einer Partei, deren Ideen vor >80 Jahren mal aktuell waren, können Ihnen die paar Minuten doch egal sein", schreibt ein Nutzer. Mit dem Aspekt der Verspätung hat Lindemann den Usern überhaupt eine Steilvorlage geliefert. "Lieber regelmäßig Verspätungen als permanente 80+ Jahre in der Vergangenheit leben", schreibt einer. Und ein dritter User meint: "Ihre politische Gesinnung hat auch einiges an Verspätung."

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Der Schlagabtausch sorgte für Aufmerksamkeit bis in die Reihen der Politik. Der FDP-Abgeordnete Hagen Reinhold wollte nicht nur Zuschauer bleiben. Auch er tat seine Meinung kund, auch er ließ an Lindemann kein gutes Haar. "Jetzt ist die Deutsche Bahn in den Augen der #AfD und ihrer Parlamentarier also auch schon linksextrem?", schreibt der Politiker. "Ein Beitrag zur #GlobalPride war wohl zu viel für diesen Herren."

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