Sie mischt Darts-Deutschland auf

Sie mischt Darts-Deutschland auf
Sie mischt Darts-Deutschland auf

Wird sie Deutschlands neues Darts-Gesicht?

Wenn es nach Sarah Milkowski geht, ist sie für diese Aufgabe bereit. „In Deutschland stellt sich keiner hin und sagt: ‚Ich bin es und ich kann es‘“, fasste sie die Ausgangslage hierzulande laut der Welt in Worte und fügte selbstbewusst hinzu: „Es fehlt ein Charakter, der anführt. Diese Rolle habe ich mir zugeschrieben.“

Mit über 30.000 Followern auf Instagram ist sie auf jeden Fall schon in der Beletage der deutschen Darts-Spieler angekommen. Gabriel Clemens, Deutschlands aktuell bester Pfeilewerfer, kommt auf 65.000 Follower. Max Hopp, seines Zeichens lange Zeit das Gesicht des deutschen Darts, folgen knapp 72.000 Menschen.

Ja, für Milkowski ist es noch weit bis zu diesen Marken, da sie aber erst seit 2017 Darts spielt und seit Ende 2018 in den sozialen Netzwerken aktiv ist, ist diese Zahl schon beeindruckend, „auch wenn ich das noch nicht mit der entsprechenden sportlichen Leistung untermauern konnte“, wie sie selbst zugibt. Zwar war sie eine von nur zwei deutschen Starterinnen bei der ersten Ausgabe der PDC Women‘s Series, schaffte es aber lediglich zweimal unter die Letzten 32. (NEWS: Alles Wichtige zum Darts)

Sarah Milkowski muss mit harter Kritik kämpfen

Doch mit ihrer Art scheint die 30-Jährige einen Nerv getroffen zu haben. Noch vor ihren ersten Turnieren zeigte sie ihre Fortschritte am Oche auf Instagram. „Ich hatte schon immer ein Mitteilungsbedürfnis“, beschrieb sie ihren Beweggrund. Und es kam von Beginn an bei den Leuten an. „Als ich begann, die ein oder andere gute Aufnahme zu posten, bekam ich sofort viele Likes und neue Follower. Mir ist aufgefallen, dass dieser Content zieht.“ Selbst in die Bravo hat sie es damit schon geschafft.

Dass die Düsseldorferin, die Darts stilecht in der Kneipe gelernt hat, diesen Erfolg jedoch nicht sportlicher Leistung, sondern ihren Social-Media-Auftritten zu verdanken hat, sorgt auch für Kritik - leider oftmals unterhalb der Gürtellinie. „Das Schlimmste über mich habe ich gehört, als ich meinen ersten Sponsorenvertrag bekommen habe (2019, Anm. d. Red.)“, sagte sie der Welt. „Mir wurde unterstellt, ich hätte diesen nur bekommen, weil ich die Beine aufgemacht hätte.“

Zudem werde sie immer wieder als „das kleine dumme Blondchen“ abgestempelt, „das eigentlich gar nichts kann, aber sich im Internet präsentiert.“

Der Erfolg gibt ihr recht

Aber sich von solchen Kommentaren entmutigen lassen? Das kam für Milkowski, die unter dem Spitznamen „Sapphire“ in der Darts-Welt bekannt ist, nicht in Frage. „Ich kann ja nichts machen, ich sehe nun mal so aus. Und warum sollte ich mich selbst unwohl fühlen, indem ich mich nicht schminke, mich nicht herrichte? Ich mag es, mich so zu zeigen“, stellte sie klar.

Und der Erfolg gibt ihr recht. Nicht nur die Followerzahlen klettern ständig, auch Bull‘s, der führende Hersteller von Darts-Zubehör in Deutschland, hat ihren Wert erkannt und sie unter Vertrag genommen.

Zudem ist sie in der Darts-Szene anerkannt. Rowby-John Rodriguez, Jermaine Wattimena und Fabian Schmutzler kamen zur Sapphire Darts Trophy.

Zusammen mit Dimitri Van den Bergh nahm sie an einer Veranstaltung teil, bei der Fans von ihr Autogramme sammeln konnte. Bei einem Event war sie auf Fotos neben Stars wie Gerwyn Price und Devon Petersen zu sehen.

„Sapphire“ und die PDC Women‘s Series

Dazu hat sie beträchtlichen Anteil daran, dass das Frauen-Darts in Deutschland wächst. In diesem Jahr sind es bereits 20 Turniere in der PDC Women‘s Series - vier davon in Deutschland. Lange Zeit standen die Events auf der Kippe, da es zu wenige Teilnehmerinnen gab. Milkowski startete einen Online-Aufruf und rettete so die Turniere. Ende August stehen sie nun auf dem Programm.

Für die Darts-Influencerin sind diese aber nur ein Zwischenschritt. „Diese Starthilfe der PDC ist gut“, lobte sie den Verband für diese Events, fordert aber keine weiteren Turniere oder gar Weltmeisterschaften für Frauen. Vielmehr sollten diese über kurz oder lang zusammen mit den Männern spielen. „Wir werden irgendwann dahinkommen, dass sich Frauen auch über die Pro Tour und andere Turniere auf dem regulären Weg für den Ally Pally qualifizieren.“

Fünf bis zehn Jahre, schätzt „Sapphire“, wird dies noch dauern. Aber dann wäre die Entwicklung soweit. Vorreiterinnen wie Fallon Sherrock oder Lisa Ashton zeigen jetzt schon, dass Frauen Leistungen bringen können, die diese Startplätze rechtfertigen.

Milkowski will vorangehen

Lediglich die Konstanz macht den Frauen oftmals noch zu schaffen. Doch diese kommt mit der Zeit. Und dann sollen auch deutsche Frauen mit den Männern am Oche konkurrieren. „Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, möglichst viele deutsche Damen mit nach England zu nehmen. Sie sollen sich trauen, bei den PDC-Events zu starten.“

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Wenn sie dieses Ziel erreicht hat, werden Bezeichnungen wie „das kleine dumme Blondchen“ endgültig der Vergangenheit angehören. Dann wird sie vielleicht als die Pionierin des deutschen Frauen-Darts gefeiert werden.

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