Ein deutscher Ausnahmesportler, der zwei Idole übertraf

SID
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Am 27. April 1969 hatte Eberhard Schöler den ganz großen Wurf dicht vor Augen.

Im Herren-Finale der Tischtennis-WM in München gegen den Japaner Shigeo Itoh war der Abwehrstratege auf dem besten Weg zum historischen Titelgewinn, führte schon mit 2:0 Sätzen - und musste sich nach dem denkbar knapp mit 19:21 verlorenen dritten Durchgang letztlich doch noch mit 2:3 geschlagen geben und sich wie schon zuvor im Mannschafts-Wettbewerb mit Silber begnügen.

So nah wie Schöler, der bei den beiden vorangegangenen Welttitelkämpfen schon Einzel-Bronze hatte, ist noch kein anderer Deutscher dem WM-Gold in der Königsdisziplin gekommen. Ex-Doppelweltmeister Jörg Roßkopf gelang beim WM-Turnieren im Einzel nie der Sprung auf das Treppchen, und auch für das heutige Idol Timo Boll war bislang einmal Bronze als Solist das höchste der Gefühle.

An diesem Dienstag feiert Deutschlands einziger WM-Einzelfinalist seinen 80. Geburtstag.

Eberhard Schöler dominierte das deutsche Tischtennis

Mit der verpassten Chance seines Sportler-Lebens hat "Mr. Pokerface" nie gehadert. In seiner typisch fairen Manier hat Schöler seinen Frieden mit jenem Tag von München gemacht: "Ich trauere dem Titel nicht nach, das liegt mir nicht. Ich war ja schon in der Mannschaft stark beansprucht und am WM-Ende ganz einfach kaputt."

Viele jedoch hätten dem in Flatow/Pommern geborenen Defensivkünstler, der mit der englischen Ex-Nationalspielerin Diane Rowe verheiratet ist, die Krönung seiner beeindruckenden Laufbahn erst recht beim Heimspiel nur allzu sehr gegönnt. Schöler prägte ab den 50er und vor allem in den 60er Jahren das deutsche Tischtennis auch als Vereinsspieler von TuSA sowie später Borussia Düsseldorf und gehörte auch international zu den herausragenden Protagonisten.

Mit seiner enormen Konzentrationsfähigkeit und stoischen Ruhe trieb der damalige DM-Seriensieger seine Gegner schier zur Verzweiflung. Sein damaliges Spielsystem mit den ehrfürchtig "Schöler-Peitsche" genannten Konterschlägen hält der frühere Rekordnationalspieler (155 Länderspiele) rückblickend auch für keinen Zufall: "Das entsprach vielleicht meiner Mentalität: abwarten und im vermeintlich richtigen die Initiative ergreifen - das ist sicher auch Teil meines Charakters."

Schöler ebnete Jörg Roßkopf und Timo Boll den Weg

Zu Schölers Wesen passte zwölf Jahre nach München und insgesamt neun DM-Titeln auch sein Wechsel auf die Funktionärsseite.

Zusammen mit seinem zum Präsidenten des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) gewählten Freund Hans Wilhelm Gäb forcierte Schöler als Sportwart und später als Vizepräsident Leistungssport über mehr als zwei Jahrzehnte die Professionalisierung der Verbandsstrukturen.

Er ebnete damit Nachfolgern wie Roßkopf und Boll den Weg in die Weltspitze.