Wie ein deutsches Prunkstück zum Problem wurde

Stefan Schnürle, Sportinformationsdienst
Sport1

Einer aus 22 – also nicht einmal fünf Prozent.

Das ist die Quote gehaltener Bälle von DHB-Torhüter Andreas Wolff in den vergangenen beiden Partien gegen Spanien und Lettland. Für einen Weltklasse-Torhüter wie Wolff eine unterirdische Bilanz.

Das große Problem für das DHB-Team - der zweite Torhüter Johannes Bitter hat im Turnierverlauf mit 24 Prozent eine noch schlechtere Bilanz als Wolff (25 Prozent), der zumindest gegen Oranje überzeugte.

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Zum Vergleich: Die besten 15 Torhüter des Turniers liegen bei über 30 Prozent, Spitzenreiter Andreas Palicka aus Schweden wartet sogar mit starken 42 Prozent auf (30 von 71).


Schwarzer: Torhüter entscheiden über Medaillen

In der Vorrunde gegen die mäßigen Gegner Niederlande und Lettland war dies noch nicht entscheidend, doch Ex-Weltmeister Christian Schwarzer sagte bereits vor Turnierstart bei SPORT1: "In der Weltspitze, wenn es um die Medaillen geht, werden bei allen Teams die Torhüter ausschlaggebend sein." 

Einen Vorgeschmack auf diese Prognose gab es in der Toppartie gegen Spanien, als deren Spitzenkeeper Gonzalo Pérez de Vargas das Torhüterduell mit Wolff und Bitter klar für sich entscheiden konnte und großen Anteil am klaren Sieg der Spanier hatte.

"Wolff hat gegen die Niederlande sehr, sehr gut gehalten. Jetzt muss man ihm auch einen schwachen Tag zugestehen. Das ist natürlich unglücklich, das weiß er selber", sagte der ehemalige Welthandballer Daniel Stephan danach noch bei SPORT1

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Wolff hält gegen Lettland keinen Ball

Doch leider blieb es bei diesem einem schwachen Tag nicht. Gegen Lettland hielt Wolff keinen einzigen der sechs Versuche auf sein Tor – und auch Bitter versuchte vergeblich, sich in einen Rausch zu spielen. Am Ende waren es nicht einmal 20 Prozent gehaltener Bälle, fünf aus 26.

"Es gab Höhen und Tiefen. Auch ich habe mich nicht richtig freischwimmen können. Gefühlt war das alles ein bisschen verkrampft", zeigte sich Bitter selbstkritisch.

Wolff war so frustriert, dass er nichts mehr sagen wollte. Mit grimmigem Blick marschierte der Torhüter der deutschen Handballer durch die Katakomben der Spektrum Arena in Trondheim.


Prokop: "Defizit auf Torhüterposition"

Öffentliche Rückendeckung bekamen die Keeper zuletzt weniger - im Gegenteil. Bundestrainer Christian Prokop wurde auffällig deutlich, wenn es um Kritik an seinen Torhütern ging. "Wir hatten ein Defizit auf der Torhüterposition", erklärte er schon nach der Spanien-Klatsche.

Nach dem Zittersieg gegen Lettland sagte Prokop erneut unverblümt: "Wir haben am Ende nicht so viel Hilfe aus dem Tor herausbekommen." In Richtung Wolff meinte der Coach: "Er hat sich mit Sicherheit einen anderen Job vorgestellt."

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Neustart gegen Weißrussland

Zum Start der Hauptrunde gegen Weißrussland (Handball-EM: Deutschland - Weißrussland, Donnerstag ab 18.15 Uhr im LIVETICKER) hoffen nun auch die Keeper auf einen Neustart.

"Die Vorrunde war unser Aufgalopp. In Wien geht das Turnier jetzt richtig los", sagte Bitter. Auf ihn und Wolff wird es nun vor allem ankommen.

Propkop betonte:  "Ich mache mir keine Sorgen. Wenn wir unsere Abwehr- und Torhüterleistung wieder auf ein richtig gutes Niveau bringen, dann ist es schwer, uns zu schlagen."

"Wir brauchen jetzt auch die überragende Leistung der Torhüter», forderte DHB-Vizepräsident Bob Hanning kurz vor dem Abflug nach Wien und betonte: "Wir haben noch genug Potenzial nach oben."

Dieses muss das deutsche Tor-Duo nun abrufen -  sonst könnte es bereits zum Hauptrundenauftakt gegen Weißrussland eine böse Überraschung geben und der Halbfinal-Traum schnell platzen.

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