Deutschland - Serbien 1:1: Junger DFB-Elf reicht eine gute Halbzeit nicht zum Sieg

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Stolperstart für Bundestrainer Joachim Löw in die neue DFB-Ära: In der lange gespenstisch stillen Volkswagen Arena in Wolfsburg trennte sich die deutsche Nationalmannschaft im Rahmen eines Freundschaftsspiels mit 1:1 (0:1) von Serbien.

Das DFB-Team um Leroy Sane bekam es am Mittwochabend mit Serbien zu tun. Bild: Getty Images
Das DFB-Team um Leroy Sane bekam es am Mittwochabend mit Serbien zu tun. Bild: Getty Images

Für die deutsche Nationalmannschaft war es das erste Spiel nach der Ausbootung des Weltmeistertrios Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng. Leipzigs Klostermann feierte als 101. Debütant unter Löw sein erstes Spiel im DFB-Dress.

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Deutschland – Serbien: Die Aufstellungen

Bundestrainer Löw verschafft dem erstmals nominierten Klostermann gleich sein DFB-Debüt, der Leipziger startet im 4-2-3-1 als Rechtsverteidiger. Süle und Tah bilden die Innenverteidigung, Kimmich und Gündogan die Doppelsechs. Auf der Zehn darf Leverkusens Havertz ran. Auf Seiten der personell stark geschwächten Serben startet mit Gacinovic und Jovic ein Bundesliga-Duo aus Frankfurt.

  • Deutschland: Neuer – Klostermann, Süle, Tah, Halstenberg – Gündogan, Kimmich – Brandt, Havertz, Sane – Werner

  • Serbien: Dmitrovic – Rukavina, Milenkovic, Spajic, Bogusovac – Maksimovic, Milinkovic, Gacinovic – Lazovic, Jovic, Ljajic

Deutschland – Serbien: Daten und Spielverlauf

Tore: 0:1 Jovic (12.), 1:1 Goretzka (69.)

Rote Karte: Pavkov (Serbien/90.+2)

Sehr ordentlicher Auftakt der jungen deutschen Elf, die nicht nur versuchte, das Spiel nach Ballgewinnen schnell und vertikal zu gestalten, sondern sich gegen sehr dicht gestaffelte Serben mit und ohne Ball auch gut bewegte. Auch eroberten die Deutschen verloren gegangene Bälle schnell zurück und machten das Spiel mit hoch an der Linie stehenden Außenverteidigern unglaublich breit, wenngleich die rechte Seite um Klostermann und Brandt die deutlich aktivere war.

Trotz der Dominanz des DFB-Teams waren es aber die Serben, die nach zwölf Minuten eiskalt zuschlugen und mit ihrer ersten Chance netzten: nach einer Ecke wurde Spajic am Rücken angeköpft, der Ball landete am Fünfer beim völlig freistehenden Jovic, der per Kopf zum 1:0 traf.

Die DFB-Elf agierte von da an merklich vorsichtiger, ließ den Ball um den Strafraum der Serben zwar ordentlich laufen, in den letzten Aktionen fehlten aber Tempo, Schärfe und Präzision. Die beiden größten Chancen durch Werner, der zweimal alleine vor Dmitrovic auftauchte (22./37), wurden vom Keeper der Gäste entschärft. Auf der anderen Seite hatte Deutschland Glück, dass die bei jedem Konter brandgefährlichen Serben nicht höher führten: Klostermann verhinderte in der 25. Minute Jovic’ zweiten Treffer mit einer starken Grätsche, Ljajic kam vier Minuten vor der Halbzeit nach einem Konter am Elfmeterpunkt vollkommen frei zum Schuss, setzte das Leder aber über den Kasten.

Zum Wiederanpfiff reagierte Löw und brachte neben ter Stegen für Neuer auch Reus als Zehner für den blassen Havertz. Die erste große Chance gehörte aber wieder den Serben, doch Lazovic verzog frei aus 16 Metern beinahe schon grotesk weit.

Das DFB-Team fand erst nach einer knappen Stunde wieder in Spiel, kurz nach der Einwechslung von Goretzka für Brandt vergab Reus die Riesenchance zum Ausgleich (59.), der aus spitzem Winkel nach einer schönen Finte abermals am starken Dmitrovic scheiterte. Das deutsche Spiel wurde jetzt immer kombinationssicherer und schneller, in der 64. Minute scheiterte zunächst Sane mit einem Kopfball frei aus acht Metern an Dmitrovic, in der nächsten Aktion ging Gündogan am Serben-Keeper vorbei, sein Abschluss wurde aber von Maksimovic von der Linie gekratzt.

Das 1:1 war nur noch eine Frage der Zeit – und fiel fünf Minuten später: nach Zuspiel von Reus ließ Goretzka zentral am Sechzehner einen Gegner aussteigen und traf trocken ins linke Eck. Sane hätte nach 73 Minuten gar das 2:1 machen müssen, fand aber wieder in Dmitrovic seinen Meister.

Spätestens mit der Auswechslung von Jovic fanden die Serben offensiv überhaupt nicht mehr statt. Deutschland hingegen wurde immer stärker, vor allem der in den ersten 45 Minuten schwache Sane zeigte jetzt sein ganzes Können gegen eine immer löchriger werdende Abwehr der Gäste. Ein bärenstarker Serben-Keeper und die letzte fehlende Präzision verhinderten allerdings den Sieg. Für den unrühmlichen Höhepunkt sorgte Pavkov, der Sane in der zweiten Minute der Nachspielzeit übel vom Feld trat und dafür vollkommen zu Recht die Rote Karte sah.

Deutschland – Serbien: Das Fazit

Es hätte die Bühne für die Neuen und Jungen werden sollen – am Ende waren es ausgerechnet die “Alten”, die für den Unterschied sorgten. Der eingewechselte Reus brachte dem deutschen Spiel die entscheidende Dynamik im letzten Drittel, der ebenfalls als Joker gekommene Goretzka traf zum 1:1. Pluspunkte durften außerdem Sane und Debütant Klostermann sammeln.

Der Spieler des Spiels: Marko Dmitrovic

Serbiens Lebensversicherung an diesem Abend – und der einzige Grund, warum es im zweiten Abschnitt keine Packung gab! In Halbzeit eins einmal gut, einmal sensationell gegen die Abschlüsse von Werner, in der 59. mit einem brutalen Reflex bei Reus’ Versuch aus kurzer Distanz. Auch bei Sanes Großchancen (64./73./77.) auf der Höhe. Bei weiten Bälle der Deutschen immer aufmerksam und der Spielverderber.

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