Wird er Deutschlands nächster Handball-Superstar?

SID
·Lesedauer: 3 Min.

Die Worte des Bundestrainers ließen aufhorchen. "Es ist der Start einer sehr wichtigen Karriere für Deutschland", sagte Alfred Gislason. Der erste Auftritt von Youngster Juri Knorr mit dem Adler auf der Brust hatte dem Isländer merklich gefallen: "Er hat seine Sache sehr gut gemacht."

Knorr, diesem 20 Jahre alten Jungspund, dessen Länderspiel-Premiere gegen Bosnien-Herzegowina im ganzen Bohei um das Gislason-Debüt ein wenig unterging, gehört die Zukunft im deutschen Handball.

Das spürt der Trainer - und warf den Spielmacher zum Auftakt der EM-Qualifikation am Donnerstag direkt mal ins kalte Wasser. "Er muss natürlich um seinen Platz kämpfen", sagte der DHB-Coach, aber Knorr habe "die Möglichkeiten, sich da durchzusetzen".

Löst Knorr Probleme im Rückraum?

Die nächste Chance, auf der deutschen Problemposition in der Rückraummitte Argumente für eine WM-Nominierung zu sammeln, bekommt Knorr wohl am Sonntag, wenn das deutsche Team in Tallinn gegen Estland antritt (15.15 Uhr im SPORT1-LIVETICKER). "Ich will mich hier beweisen und Gas geben", sagt Knorr. Er beschäftige sich nicht mit dem, "was in der Zukunft sein könnte. Das steht mir nicht zu." (Spielplan und Ergebnisse der EM-Qualifikation)

Angesprochen auf die Erfahrungen in seiner ersten Länderspielwoche, spricht Knorr von einem "unfassbaren, surrealen Gefühl: Ich spiele mit Spielern, die ich nur vom Fernsehen kannte." Doch dieser Umstand lähmt ihn ganz und gar nicht.

Schon im März durfte er Nationalmannschaftsluft schnuppern, sein Debüt fiel damals aber coronabedingt kurzfristig ins Wasser. Und Knorr ist durchaus selbstbewusst. "Es soll nicht bei einem Spiel bleiben", sagt er: "Es ist hoffentlich der Startschuss von Vielem mehr."

Schon Vater Thomas Knorr war Nationalspieler

Am wichtigsten sei es ihm aber, den Spaß zu behalten, "den ich damals als Kind hatte. Den will ich nicht verlieren."

Knorr Junior, Sohn des langjährigen Nationalspielers Thomas, gilt nicht erst seit Donnerstag als der Shootingstar der Szene. Das 94 Kilogramm schwere und 1,90 Meter große Kraftpaket repräsentiert den Prototyp des modernen Spielgestalters.

Knorr ist schnell auf den Beinen und im Kopf, hat ein feines Gespür für die Situation, einen guten Blick für seine Mitspieler - und ist dabei selbst immer wieder auch torgefährlich. (Tabellen der Handball-EM-Quali)

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Lehrjahr beim FC Barcelona

Vergleiche zu seinem Papa, der in den 1990er Jahren unter anderem vier Meistertitel mit dem THW Kiel holte, findet Knorr unpassend. Natürlich habe er als "Trainer und Ratgeber" viel Einfluss genommen und seine Entwicklung geprägt, aber er "ähnle ihm gar nicht so sehr. Er hat mehr abgeschlossen, ich initiiere mehr die Szenen."

Knorrs Weg in die Bundesliga zu GWD Minden, wo er seit 2019 Taktgeber und Leistungsträger ist, verlief untypisch - und das kommt Knorr zu Gute. Beim großen FC Barcelona, einem der erfolgreichsten Klubs im Welthandball, ging er 2018 für ein Jahr in die Handball-Lehre und kam als damals 18-jähriger zu ersten Erstligaeinsätzen.

"Ich bin komplett raus aus meiner Komfortzone. Ich musste mich komplett neu einstellen auf andere Menschen, eine andere Kultur", erzählt Knorr. Es habe ihm sehr geholfen in seiner Entwicklung, "davon zehre ich noch heute".