Deutschlands Trumpf - so tickt Lichtblick Voigtmann

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Die deutsche Auswahl musste bei der Weltmeisterschaft in China eine bittere Auftaktniederlage gegen Frankreich hinnehmen.

Der größte Lichtblick in diesem Spiel war nicht Dennis Schröder oder ein anderer NBA-Spieler, sondern Johannes Voigtmann. 25 Punkte steuerte der Big Man bei und war damit Topscorer im deutschen Trikot.


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Allerdings ist weniger die reine Punktzahl bemerkenswert, sondern die Verteilung. Lediglich sechs seiner 25 Punkte machte der 26-Jährige in typischer Big-Man-Manier in der Zone. Aber gleich fünf Mal war er von Downtown erfolgreich und legte dabei eine sensationelle 72-prozentige Trefferquote hin. Mit zusätzlich vier von fünf Freiwürfen zeigte er dabei das volle Repertoire.

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Voigtmann punktet mit Vielseitigkeit

Damit ist Voigtmann das Paradebeispiel des modernen Big Mans. Egal ob Pick and Roll oder Pick and Pop, ob im Post oder Face Up - Voigtmann kann immer eine gefährliche Situation kreieren. Selbst von jenseits der Dreierlinie darf man den 2,11-m-Hünen nicht außer Acht lassen.

"Ich bin eben sehr vielseitig und glaube, das ist auch, was geschätzt wird an mir", beschrieb er im Interview mit dem DBB vor der Weltmeisterschaft seine große Stärke.

Wechsel zu ZSKA Moskau

Neben dieser Vielseitigkeit überzeugt der Center aber auch mit seiner Klarheit im Kopf. Auf dem Court ist sie die Grundlage für sein überragendes Teamplay. Mitspieler kann er durch Pässe einsetzen oder ihnen durch seine Laufwege Räume schaffen. Aber auch abseits des Platzes spielt der Kopf bei Voigtmann eine wichtige Rolle.


Nach seinen drei Jahren beim spanischen Topklub Laboral Kutxa Vitoria suchte er eine neue Herausforderung. Am Ende entschied er sich für den Euroleague-Sieger ZSKA Moskau. "Ich habe gesagt, dass ich mich während der Saison gar nicht damit beschäftigen will. Das klappt auch immer mehr oder weniger. Nach der Saison habe ich mir viel Zeit genommen, einige Optionen abgewogen und mich dann für Moskau entschieden", erklärte er den Entscheidungsprozess.

Vor allem die Gespräche mit dem Coach Dimitrios Itoudis haben ihn von dem Wechsel überzeugt. "Ich habe natürlich mit dem Trainer geredet. Das waren sehr gute Gespräche." Danach war er von der Entscheidung überzeugt. "Hätte das sportlich keinen Sinn gemacht, hätte ich das sicher nicht gemacht."

Voigtmann entscheidet sich gegen die NBA

Dafür hat er sogar einen möglichen Wechsel in die NBA ausgeschlagen. Immerhin hatten die Washington Wizards laut Fred Katz von The Athletic großes Interesse an dem Deutschen gezeigt und Voigtmann war sogar zu einem Workout in den USA. "Ich hätte sicher auch Lust auf die NBA gehabt", gab er im Gespräch mit der Thüringischen Allgemeinen zu.

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Aber am Ende siegte doch wieder der Kopf. "Ich habe mich gegen die NBA entschieden, weil meine Rolle nicht klar gewesen wäre." Im DBB-Interview wurde er noch deutlicher. "Das war so: Es war jeden Sommer schon ein bisschen Interesse da, so nach dem Motto: 'Wollen Sie mal rüberkommen?' Aber du weißt halt nie wirklich, ob das richtiges Interesse ist, oder wollen die nur, dass du da ein bisschen mitzockst?"

Die Familie entscheidet bei Voigtmann mit

Diese Ungewissheit war nicht nach seinem Geschmack. Zumal er neben seiner sportlichen Zukunft mittlerweile auch eine Verantwortung seiner Familie gegenüber trägt. Seit knapp einem Jahr ist Voigtmann nämlich auch Vater. Die Familie spielt daher eine wichtige Rolle - auch bei der Entscheidung für das Abenteuer Moskau.


"Wir werden uns überraschen lassen und das hinkriegen. Wenn die Familie gesagt hätte: 'Das machen wir gar nicht mit', dann wäre das natürlich ein Ausschlusskriterium gewesen. Sie haben mich aber in der Entscheidung unterstützt und wir haben uns zusammen dafür entschieden", erklärte der Familienmensch Voigtmann.

Zusammenhalt im Team ist Trumpf

Doch bevor er und seine Familie das Thema Moskau angehen, will er mit dem DBB-Team bei der Weltmeisterschaft in China für Furore sorgen. Ein Trumpf im Nationalteam ist der besondere Zusammenhalt innerhalb des Teams.

Schon vor der WM schwärmte Vogtmann: "Das ist immer top! Du gehst da gerne hin, weil du die Jungs kennst, weil du Lust hast, mit den Jungs zu trainieren und dann auch erfolgreich Basketball zu spielen. Die Zeit, die du da verbringst, ist immer schön."

Gegen Frankreich fiel Deutschland trotz des Horrorstarts (0:14 im 1. Viertel) nicht auseinander, auch den zweiten Tiefschlag nach der Halbzeit (20:40) steckte die Mannschaft weg.

Zusammen mit Schröder war es immer wieder Voigtmann, der die Kollegen mit seinen Punkten im Rennen hielt. Dennoch reichte es am Ende nicht zum Sieg.

Um seine Ziele zu erreichen, muss Deutschland in den verbleibenden Gruppenspielen gegen die Domenikanische Republik (Diemstag 11 Uhr im LIVETICKER) und Jordanien (Donnerstag 10 Uhr im LIVETICKER) seine Hausaufgaben machen, um sich für die Zwischenrunde zu qualifizieren.


Olympiaqualifikation als Minimum

"Das Minimalziel sollte sein, dass wir uns eine Chance auf die Olympiateilnahme wahren. Ich glaube, wir haben das Talent dafür", gab Voigtmann vor der WM die Marschrichtung vor.

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Im Spiel gegen Frankreich hat er bereits bewiesen, dass er bereit ist, Verantwortung zu übernehmen - auch wenn er nicht zu den Spielern mit NBA-Erfahrung im Kader gehört. Außerdem weiß man ja nie, ob sich das nicht auch nochmal ändern wird. "Wenn sich in Zukunft irgendwas ergibt, warum nicht?"

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