DFB-Akademie-Leiter Haupt: Das beeindruckt mich an Hoeneß

Florian Plettenberg
Sport1

Im ersten Teil des SPORT1-Interviews hat Akademie-Chef Tobias Haupt ausführlich beschrieben, warum der DFB zuletzt das Erfolgsmodell des FC Liverpool erforscht hat. Nicht zuletzt wegen Jürgen Klopp, dessen Charisma und Entwicklung zum Welttrainer zukünftig Vorbild für die Fußball-Lehrer-Ausbildung in Hennef sein soll.

Zukünftig werden beim Verband aber auch Sportdirektoren und Entscheider der Zukunft entwickelt. Das Anforderungsprofil ist enorm. Das neue Ausbildungsmodell soll zum Gütesiegel in der Bundesliga werden.  

SPORT1: Herr Haupt, zukünftig wird es an der DFB-Akademie eine Sportdirektoren-Ausbildung geben. Was hat es damit auf sich? 

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Tobias Haupt: Ziel ist, dass wir gemeinsam mit der DFL die Top-Entscheider im sportlichen Bereich des Profifußballs ausbilden. Wie bei den Fußball-Lehrern wollen wir sie bestmöglich auf die Praxis vorbereiten. Für uns war entscheidend: Was braucht ein Sportdirektor, ein zukünftiger Top-Entscheider im Sport? Welche Kompetenzen muss er mitbringen? Daher haben aktuelle Sportdirektoren wie Fredi Bobic, Max Eberl und Jörg Schmadtke an dem Programm mitgewirkt, in welchem es drei Kernbereiche gibt: Bundesliga-Know-how, sportliches Know-how und Management-Know-how. Für die Inhaltsvermittlung arbeiten wir mit Top-Experten und Referenten aus der Praxis zusammen, die ihr Erfahrungswissen weitergeben. Mich hat sehr gefreut, dass sich auch Christian Seifert und Oliver Bierhoff sehr dafür eingesetzt haben.


SPORT1: Wer kann daran teilnehmen? 

Haupt: Zielgruppe sind die Top-Entscheider der Zukunft im sportlichen Bereich. Wir wollen die Top-Talente der Klubs fördern, daher kann jeder Verein eine Person nominieren. Ein Teilnehmer, der in keinem Klub ist, kann über eine Wild-Card ins Programm kommen. Im September planen wir, mit dem ersten Kurs zu starten. Die Bewerbungsphase geht noch bis Anfang Juni, dann tagt die Auswahlkommission. Bis Ende Juni stehen die Teilnehmer fest.

Neue Sportdirektoren-Ausbildung mit Gütesiegel

SPORT1: Was muss ein Sportdirektor zukünftig alles können? 

Haupt: Er muss ein moderner Leader und Teamplayer sein, inhaltliches und fachliches Know-how – etwa betriebswirtschaftliches Wissen – mitbringen. Aber auch die menschliche Komponente ist ganz entscheidend. Er muss genauso gut in der Lage sein, unterschiedliche Bereiche zu koordinieren und diese mit Top-Experten zu besetzen. Er braucht eine strategische Denke, muss konzeptionell arbeiten können und kommunikativ stark sein. Er muss mit Sponsoren und Unternehmensvertretern auf Augenhöhe kommunizieren können, ein Gesicht des Vereins sein und die digitalen Medien beherrschen. Es ist ein sehr komplexes Aufgabengebiet. Darauf muss man top vorbereitet sein. So eine Ausbildung hat bislang gefehlt.

SPORT1: Und am Ende gibt es eine Urkunde? 

Haupt: Wenn alle neun Module erfolgreich abgeschlossen sind, erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat. Dieses soll zu einem Gütesiegel für die Klubs werden. Die Ausbildung wird aber nicht verpflichtend. Unser Anspruch ist vielmehr, ein so gutes Programm anzubieten, dass die Vereine am Ende von sich aus sagen, dass ihr Sportdirektor der Zukunft dieses Programm durchlaufen haben muss, weil es ideal auf die komplexen Herausforderungen im Profifußball vorbereitet.


SPORT1: Im ersten Teil unseres Interviews sagten Sie, dass Jürgen Klopp der Prototyp eines modernen Leaders sei. Gibt es einen Klopp unter den aktuellen Sportdirektoren der Liga? 

Haupt: Ich will hier keinen bestimmten Sportdirektor herausgreifen, aber wir sehen aktuell in der Bundesliga schon den einen oder anderen jungen Sportdirektor, der in der nächsten Zeit sehr erfolgreich sein wird. 

SPORT1: Jugendtrainer-Legende Norbert Elgert beklagte zuletzt im SPORT1-Interview systematische Fehler in der Ausbildung junger Spieler. Wie können die Trainer und Sportdirektoren der Zukunft Abhilfe schaffen? 

Haupt: Im Mittelpunkt muss die Entwicklung des Talents stehen – und kein anderes Interesse. Im Projekt Zukunft haben wir gemeinsam mit unserer sportlichen Leitung um Joti Chatzialexiou und Meikel Schönweitz bereits hervorragende Maßnahmen entwickelt, wie wir wieder vermehrt Spitzentalente 'made in Germany' ausbilden können. Innerhalb der Trainer-Ausbildung der DFB-Akademie können wir direkt unseren Beitrag leisten, indem wir Trainer für den Jugendbereich anders ausbilden als für den Profi-Bereich.


Die Talente-Entwicklung muss vor dem sportlichen Erfolg stehen und vor der individuellen Karriere des Trainers. Dieses Verständnis sollte auch ein Sportdirektor haben. Er muss ein System schaffen, in dem das Talent im Fokus steht. Wir sollten auch offen sein für andere Erfolgsbemessungskriterien: Es gehört dazu, dass ein Talent, das möglicherweise schulische oder familiäre Probleme hat, mal vier Wochen aus dem Wettkampfbetrieb herausgenommen wird. Auch auf die Gefahr hin, dass der sportliche Erfolg darunter leidet. Dem Trainer bei einer solchen Maßnahme den Rücken zu stärken, wird auch eine der Aufgaben von Sportdirektoren sein.

Uli Hoeneß begeistert Akademie-Chef Haupt

SPORT1: Wir haben im Interview viel über Führung gesprochen. Haben Sie Leader als Vorbilder?

Haupt: Als ehemaliger Torhüter hatte ich mein erstes Poster an der Wand von Raimond Aumann. Später war Oliver Kahn mein sportliches Vorbild. Auch die Erfolgsorientierung, aber auch die Menschlichkeit von Dirk Nowitzki habe ich immer bewundert. An Uli Hoeneß hat mich seine klare und visionäre Ausrichtung beeindruckt, und wie er den FC Bayern zu dem gemacht hat, was er heute ist. Aus dem Unternehmensbereich ist Herbert Henzler, der ehemalige McKinsey-Chef, ein Vorbild, weil er immer einen sehr klaren Weg gegangen ist und stets seine Mitarbeiter in den Vordergrund gestellt hat. Das beeindruckt mich. Ich versuche, von vielen Menschen dazuzulernen und etwas mitzunehmen.


SPORT1: Wann sehen Sie Ihre DFB-Mission als erfüllt an? 

Haupt: Der erste wichtige Schritt war für mich zunächst einmal, mit der DFB-Akademie bei unseren Mannschaften, Spielern, Trainern und Experten anzukommen, sodass jeder daraus einen Mehrwert ziehen kann. Daneben war es für mich von Anfang an entscheidend, mit der DFL und den Klubs gemeinsam an den vielen Themen zu arbeiten und einen gemeinsamen, positiven Spirit zu erzeugen. Unsere USA-Leadership-Reise Ende letzten Jahres war hier ein wichtiger Meilenstein. Die EM 2024 im eigenen Land ist ein mittelfristiges Ziel. Wenn wir da erste Resultate sichtbar machen, können wir sehr zufrieden sein – und mit Fußballdeutschland hoffentlich ein tolles Turnier erleben. 

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