Nach DFB-Konferenz: Jetzt muss Bierhoff Löw retten

Florian Plettenberg
·Lesedauer: 3 Min.

Die Schaltkonferenz des DFB-Präsidiums dauerte länger als gedacht. Kein Wunder, denn es ging um nicht weniger als die Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw.

Am Freitag telefonierten die Mächtigsten im DFB-Kosmos miteinander, darunter Präsident Fritz Keller und Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff, um vor allem über die Gründe des 0:6-Debakels in Spanien und die weitere Zusammenarbeit mit Löw (Vertrag bis einschließlich der WM 2022 in Kater) zu sprechen.

Die Bild berichtet, dass unter anderem der 1. Vizepräsident Dr. Rainer Koch, Ligachef Christian Seifert und Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius gefehlt haben.

Der Ergebnis der mehrstündigen Sitzung: Nach SPORT1-Informationen ist die Zukunft von Löw offener denn je - und sie nun vor allem von Bierhoffs Analyse abhängig.

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Bierhoff soll Plan und Perspektive mit Löw erklären

Der 52-Jährige soll das Spanien-Debakel und die Perspektive mit Löw haarklein in einer weiteren Sitzung erklären. Nach Information der Bild findet diese am 4. Dezember statt.

Jetzt muss Bierhoff Löw retten!

Demonstrativ stärkte er Löw bereits unmittelbar nach der peinlichen Spanien-Niederlage den Rücken und erklärte, dass die Pleite keinen Einfluss darauf habe, dass man mit Löw mindestens bis zur EM 2021 weitermachen wolle.

Löw weiß Bierhoff und Keller hinter sich

Wie kein Zweiter leidet auch Bierhoff unter den Formschwankungen der DFB-Elf mit und möchte nichts mehr als den Erfolg.

Anfang der Woche sagte er im SPORT1-Interview bereits unmissverständlich über Löw: "Ich bin der Überzeugung, dass er der beste Bundestrainer ist, den wir haben können. Er hat sein Können in all den Jahren gezeigt und wir wissen, was wir an ihm haben. Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass er der richtige Mann ist."

Bierhoff und Keller, der wie Löw aus Freiburg kommt, zählen zu den größten Befürwortern des eingeschlagenen Umbruchs und stehen immer noch hinter Löw. Verbandsintern gibt es allerdings zunehmend Gegenwind für ihn.

Gegenwind für den Bundestrainer innerhalb des DFB

SPORT1 weiß: Es gibt DFB-Funktionäre, die Löw vorwerfen, in den vergangenen Monaten zu viel beschönigt zu haben.

Zudem wird verbandsintern angeprangert, dass er und sein seit Jahren vertrautes Trainerteam um Marcus Sorg und Andreas Köpke in der Praxis zu wenig externe Veränderungen zulassen und zu sehr auf ihren Prinzipien beharren.

Löw selbst hat sich seit der Niederlage öffentlich nicht mehr zu Wort gemeldet. Er fuhr mit Keller nach der Landung in München am Mittwoch im Auto zusammen nach Freiburg. Auch Bierhoff schweigt seit Tagen, weil er sich detailliert auf die Analyse vorbereiten möchte.

DFB-Präsident hofft auf Lerneffekt

Keller erklärte indes in einem DFB-Statement, man habe "in Sevilla einen schwarzen Abend erlebt, der wehgetan hat. Den Zuschauern zu Hause, mir, dem Trainer, den Spielern. Ich war nach Abpfiff in der Kabine und habe die maßlose Enttäuschung aller gespürt. Aber auch den Willen, diesen Eindruck zu korrigieren."

Der DFB-Boss betonte außerdem: "Unsere junge Mannschaft kann an diesem herben Rückschlag wachsen, wenn dieses Spiel, in dem nicht nur Herz und Leidenschaft gefehlt haben, gründlich analysiert und die nötigen Folgerungen daraus gezogen werden. Das Potenzial hat sie."

Keller müsste Löw entlassen

Bierhoff will nun alles daran setzen, die Löw-Kritiker wieder umzustimmen. Eine Entlassung schien bis vor kurzem undenkbar. Nun ist sie nicht mehr unwahrscheinlich, wenngleich es im Falle einer Trennung wohl auf einen freiwilligen Rückzug von Löw hinauslaufen könnte.

Wäre es am Ende wirklich eine Entlassung, müsste diese von Löw-Freund Keller ausgesprochen werden. Bierhoff hat als Direktor nur ein Vorschlagsrecht in der Besetzung des Bundestrainer-Postens. Sein Standpunkt ist allerdings klar: Pro Löw.

Dessen Zukunft klärt sich in 14 Tagen. Bierhoff wird sie mitentscheiden.