DFB-Team: Schweinsteiger: Vom Lausbub zum blutenden Helden von Rio

Es passt gut ins Bild, dass Bastian Schweinsteiger unmittelbar vor dem Länderspiel gegen Argentinien das Ende seiner Karriere als Fußballprofi bekanntgegeben hat.

Denn die drei legendären WM-Duelle Deutschlands mit der Albiceleste zwischen 2006 und 2014 stehen exemplarisch für Schweinsteigers Weg vom Toptalent zum Weltstar.

Bastian Schweinsteiger gewann 2014 die WM mit Brasilien. (Bild: Getty Images)
Bastian Schweinsteiger gewann 2014 die WM mit Brasilien. (Bild: Getty Images)
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2006: Poldi und Schweini

Die rund 80.000 Zuschauer im ausverkauften Berliner Olympiastadion erlebten am 30. Juni 2006 ein unfassbar dramatisches WM-Viertelfinale, in dem der krasse Außenseiter Deutschland den Favoriten Argentinien im Elfmeterschießen aus dem Turnier warf. Schweinsteiger spielte allerdings nur eine Nebenrolle. Nach einer unauffälligen Leistung machte er nach 74 Minuten Platz für Tim Borowski, der sieben Minuten später Miro Klose das 1:1 auflegte und schließlich per Strafstoß zum entscheidenden 5:3 traf.

Der damals 21 Jahre alte Schweinsteiger spielte eine Heim-WM mit Licht und Schatten, die allerdings mit seinem phänomenalen Dreierpack im Spiel um Platz drei gegen Portugal einen krönenden Abschluss fand.

Ansonsten gefiel sich "Schweini" zusammen mit Kumpel Lukas Podolski vor allem in der Rolle als Lausbub, die er auch in den kommenden Jahren pflegte. Mit gefärbten Fingernägeln, nächtlichem Besuch mit der "Cousine" an der Säbener Straße und manchmal "zu viel Puderzucker im Hintern" (Uli Hoeneß).

2010: Bastian Schweinsteiger endlich erwachsen

Den Schritt zum Weltklassespieler machte er in der Saison 2009/10, als Louis van Gaal den gebürtigen Bayer beim FCB neben Mark van Bommel auf die Doppel-Sechs versetzte.

Mit neuer Kurzhaarfrisur führte der gereifte Schweinsteiger die Münchner ins Champions-League-Finale gegen Inter Mailand (0:2) und die neuformierte DFB-Elf bei der WM als Ersatz des verletzten Michael Ballack bis ins Halbfinale.

Beim 4:0-Kantersieg gegen die von Diego Maradona trainierten Argentinier im Viertelfinale trug er sich zwar nicht in die Torschützenliste ein, spielte aber als Leiter und Lenker dennoch eine überragende Partie.

2014: Der blutende Held von Rio

Es gab viele Helden beim WM-Triumph in Brasilien, von Manuel Neuer über Phillip Lahm und Toni Kroos bis zu Miro Klose oder Finaltorschütze Mario Götze. Aber ohne Schweinsteiger wäre Deutschland vermutlich nicht Weltmeister geworden. Dabei saß der zuvor lange verletzte Mittelfeldspieler zunächst nur auf der Ersatzbank und erkämpfte sich erst ab der K.o.-Runde seinen Platz in der Startelf zurück.

Anfangs noch merklich von seiner Bestform entfernt, steigerte sich Schweinsteiger von Begegnung zu Begegnung und legte im Endspiel das Spiel seines Lebens hin. Nicht nur, weil er Ordnung ins deutsche Spiel brachte und als einziger Akteur mehr als 15 Kilometer lief, sondern vor allem, weil er sich mit allem, was er hatte, gegen die mit zunehmender Spielzeit immer aggressiveren Argentinier zur Wehr setzte.

Mehrfach versuchte Javier Mascherano den Bayern-Star mit üblen Tritten aus dem Spiel zu nehmen und in der Verlängerung verpasste ihm Sergio Agüero mit dem Ellbogen einen Cut unter dem Auge. Schweinsteiger wurde am Spielfeldrand getackert, unter den Schmerzen zuckend, an der Seitenlinie stand Kevin Großkreutz schon zur Einwechslung bereit. Doch Schweinsteiger machte weiter - unter dem tosenden Applaus des Maracana-Stadions.

"Wir verneigen uns vor dem, was der hier macht", sagte ARD-Kommentator Tom Bartels: "Ein großes Vorbild, eine Symbolfigur." Und Bayern-Vorstand Jörg Wacker erinnerte sich später: "Ich habe das Spiel in einem Biergarten in Schwabing gesehen. Und als Schweinsteiger zurückkam, hat nicht nur der ganze Biergarten gejubelt, sondern da hat ganz Schwabing gejubelt." Wenig später traf Götze zum 1:0, danach wurde Schweinsteiger noch ein paar Mal gefoult, ehe endlich der ersehnte Abpfiff ertönte.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb danach von der "Verewigung als Ironman", die Zeit würdigte ihn als "Boss" und die Welt feierte ihn sogar als "Blutkrieger". An diesem Abend von Rio stand Schweinsteiger auf dem Höhepunkt seiner erfolgreichen Laufbahn (unter anderem achtmal Deutscher Meister), die er nun rund fünf Jahre später beendet hat.

Klar ist aber auch: Es wird kein Abschied vom Fußball sein. Denn dem Publikumsliebling und WM-Helden Schweinsteiger stehen für die Karriere nach der Karriere alle Türen offen.

Bastian Schweinsteiger im Steckbrief

Geburtstag

1. August 1984

Geburtsort

Kolbermoor

Position

Mittelfeld

Starker Fuß

Rechts

Vereine

FC Bayern München, Manchester United, Chicago Fire

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