Vom DFB um Aufstieg betrogen? Waldhof-Coach teilt aus!

Jonas Nohe
Sport1

Durch eine 0:2-Niederlage beim FC Ingolstadt hat Waldhof Mannheim einen herben Rückschlag im Aufstiegsrennen der 3. Liga erlitten.

Statt selbst zumindest nach Punkten mit dem für die Relegation zur 2. Bundesliga derzeit ausreichenden vierten Platz gleichzuziehen, steht dort nun der FCI (57 Punkte), Mannheim liegt mit 54 Zählern auf Rang sieben. (Die Tabelle der 3. Liga im Überblick)

Besonders bitter aus Sicht der Gäste war das Zustandekommen der Niederlage.

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"Das Spiel entschieden hat letztendlich der Schiedsrichter - und das ist auch das, was mir jetzt erst mal noch in Erinnerung bleibt, und was ich erst mal verdauen muss", sagte Mannheims Kevin Conrad bei Magenta Sport. Trainer Bernhard Trares ging sogar noch weiter. "Ich muss sagen, die Leistung, heute von den Unparteiischen, war parteiisch", wetterte der 54-Jährige - und mutmaßte sogar, "ob es etwas mit dem DFB zu tun hat".

Waldhof-Tor aberkannt, Trares sieht Rot

Was war passiert?


Zunächst besorgte Kevin Koffi in der 26. Minute nach einem Freistoß die vermeintliche Mannheimer Führung, die Schiedsrichter Robert Kempter erst anerkannte, nach Rücksprache mit seinem Assistenten wenig später aber zurücknahm.

Ein Mannheimer Vergehen war auf den Fernsehbildern jedoch nicht zu erkennen: Weder stand ein Angreifer im Abseits, noch war ein Waldhof-Spieler daran beteiligt, dass FCI-Torhüter Fabijan Buntic den Ball vor Koffis Füße fallen ließ und unsanft auf den Boden knallte. Der 23-Jährige war von einem Mitspieler unterlaufen worden.

Selbst Ingolstadts Stefan Kutschke meinte nach dem Spiel: "Waldhof hat ein reguläres Tor erzielt."

Weil sich Waldhof-Coach Trares über die Entscheidung echauffierte, sah er zudem glatt Rot und musste das Spiel fortan von der Tribüne verfolgen. "Das ist ein Witz, das ist ein Witz", schallte es anschließend durch den fast leeren Audi Sportpark.

Unberechtigter Elfmeter für Ingolstadt

Aus der Entfernung musste Trares mit ansehen, wie seine Mannschaft auch bei der Entstehung der Ingolstädter Führung benachteiligt wurde: Florian Flick ging im eigenen Strafraum mit hohem Bein in einen Zweikampf mit Fatih Kaya, zog jedoch noch zurück und traf diesen nicht - es hätte also höchstens einen indirekten Freistoß geben dürfen.

Stattdessen zeigte Kempter auf den Punkt, verwarnte Flick, und Stefan Kutschke (41.) ließ sich die Chance nicht entgehen, die Ingolstädter auf die Siegerstraße zu bringen. Maximilian Thalhammer (70.) machte in der zweiten Hälfte den Deckel drauf.

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Trares erhob nach dem Spiel nicht nur schwere Vorwürfe gegen den seiner Meinung nach parteiischen Schiedsrichter, sondern spekulierte in einem bemerkenswerten Interview bei Magenta Sport auch über eine bewusste Benachteiligung der Mannheimer durch den DFB.

SPORT1 hat das Interview zum Nachlesen:

"Die Leistung, heute von den Unparteiischen, war parteiisch"

Reporter: Herr Trares, haben Sie schon einen relativ kühlen Kopf?

Bernhard Trares: Wer das Spiel gesehen hat, weiß, wer es entschieden hat heute. Ich muss sagen, die Leistung, heute von den Unparteiischen, war parteiisch. Das ist brutal. Wenn du dann sowas siehst und sowas akzeptieren musst, dass du so einen Elfer kriegst, wo der Fuß zurückgezogen wird und natürlich das Tor, wo die uns den Ball auflegen und wir ihn reinschieben.

Reporter: Wollen Sie es noch mal sehen oder sollen wir es Ihnen ersparen?

Trares: Ich habe es schon gesehen.

Reporter: Wir können es uns gerne noch mal anschauen.

Trares: Gerne, gerne. Der Schiedsrichter hat's ja auch super erkannt, das muss man ja sagen. Er hat's erkannt, aber dann scheißt er sich ein bisschen in die Hose, denkt, vielleicht war es ja doch Foul.

Trares über Schiri: "Diese Leistung, die ist brutal"

Reporter: Sein Assistent hat ihm von draußen etwas angezeigt.

Trares: Die geben sich ja Kommandos: "Hey, komm, mach mal auf Abseits" oder irgendwas. Der Ball kommt dann vom Gegner. Das hat das Spiel entschieden, ganz einfach. Wir führen 1:0, kriegen dann noch einen Elfer gegen uns, ich weiß auch nicht, was er da … Es ist brutal. Es ist brutal. Es ist einfach, ich sage es wirklich auch ein Stück weit ungern, aber das war heute, diese Leistung, die ist brutal. Die ist nicht zu erklären.

Reporter: Sie hatten dann zumindest einen komfortablen Platz auf der Tribüne. Was war denn die Begründung, warum Sie Herr Kempter runtergeschickt hat?

Trares: Ich habe dann schon den Ball weggeschlagen, das hat wohl jemand gesehen, das war jetzt blöd von mir in der Aktion, weil ich natürlich genau gesehen habe von meiner Position, was passiert ist. Dann habe ich gegen den Ball getreten und dann kriege ich halt glatt Rot. Da kann man natürlich auch, wenn man ein bisschen Fingerspitzengefühl hat: "Hey Leute, das geht nicht. Gelbe Karte." Dann muss ich mit Rot runter, kann meine Mannschaft nicht mehr coachen. Es ist Wahnsinn, es ist Wahnsinn, wirklich. Heute wurde für uns die Meisterschaft abgeschrieben. Ich weiß immer nicht, ob es etwas mit dem DFB zu tun hat, weil wir natürlich da auch immer klagen und der Koch (DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch, Anm. d. Red.) hier von Bayern ist und sowas, ob da irgendwie Sympathien aufkommen. Ich kann es nicht sagen. Aber diese Leistung kann ich heute nicht verstehen.

Waldhof-Trainer hakt Aufstieg ab

Reporter: Das 1:0 war dann auch richtungsweisend, eine schwierige Situation. Da würde ich vielleicht Kempter ein bisschen in Schutz nehmen, weil es für ihn so aussieht, als ob Kaya im Gesicht getroffen wird.

Trares: Wenn man ein bisschen Gefühl hat für die Situation und hat den besten Blick überhaupt. Naja, gut. Wie gesagt: Wir sind uns alle klar, es gibt keine zwei Meinungen über diese Leistung heute - und fertig. Wir müssen es akzeptieren, wir sind aus dem Aufstiegsrennen natürlich dadurch raus jetzt mit so einer Niederlage. Also ich bin überzeugt, dass wir heute das Spiel gewonnen hätten, wenn wir 1:0 in Führung gegangen wären.

Reporter: Lassen Sie uns zum Abschluss ein positives Wort finden. Was Ihre Mannschaft bis in die Nachspielzeit gezeigt hat, war erste Sahne.

Trares: Ja. Ich bin ohne Worte jetzt. Danke, ciao.

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