Die größten olympischen Skandale: Aufstieg und Fall des Ben Johnson

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Ben Johnson feiert nach dem Zieleinlauf in Seoul (Bild: Bob Martin/Getty Images)
Ben Johnson feiert nach dem Zieleinlauf in Seoul (Bild: Bob Martin/Getty Images)

Für einen kurzen Moment war Ben Johnson während der Olympischen Sommerspiele von 1988 der Nationalheld von Kanada. Doch kein kanadischer Athlet in der Geschichte ist jemals so tief gefallen, nachdem er positiv auf Steroide getestet wurde. Ihm wurde seine Goldmedaille aberkannt, nachdem er 9,79 auf 100 Meter gelaufen war, bei dem wichtigsten Ereignis der Spiele.

Im Folgenden erklären wir Ben Johnsons Aufstieg und Fall, der auf seinen von Steroiden getrübten Lauf in Seoul, Südkorea folgte.

Was war passiert?

Nach einer Wahnsinns-Saison von 1987, in der er Carl Lewis bei der IAAF-Weltmeisterschaft in Rom düpierte und einen Rekordlauf von 9,83 Sekunden hinlegte, war Johnson bei den Olympischen Sommerspielen von 1988 Kanadas wichtigster Athlet. Johnson, der bereits im April 1987 für den Order of Canada - die höchste zivile Ehrung der Nation - nominiert wurde, gewann die Lou Marsh Trophy als Kanadas bester Athlet und wurde von Associated Press zum Athleten des Jahres gekürt. Johnsons stieg zu einem Star von internationaler Prominenz auf und wurde die größte Gefahr für Lewis, der nach einer überragenden Leistung bei der Olympiade 1984, bei der er die Goldmedaille im 100-Meter-Sprint gewann, zu einem herausragenden Star geworden war. Lewis schwor nach Rom, dass er nie wieder gegen Johnson verlieren werde und deutete an, dass dieser Steroide nahm, ohne ihn direkt beim Namen zu nennen.

"Es gibt viele Menschen, die plötzlich aus dem Nichts erscheinen. Ich glaube nicht, dass sie dies ohne Drogen schaffen", sagte Lewis verbittert nach dem Sieg Johnsons 1987.

Auch in Kanada kamen Gerüchte über grassierendes Doping auf, insbesondere bei Athleten aus Toronto, aber diese Beschwerden wurden bis zu den Olympischen Spielen von 1988 weitestgehend ignoriert. Erst im Rückblick wird klar, wie weit verbreitet Doping bei den Sprintern der damaligen Zeit wirklich war, obwohl alle Beweise, die man gebraucht hätte, offen auf dem Tisch lagen.

Ben Johnson beeindruckte zunächst mit seiner Rekordleistung (Bild: REUTERS/Ken Levine)
Ben Johnson beeindruckte zunächst mit seiner Rekordleistung (Bild: REUTERS/Ken Levine)

Aufgrund der Story über das Duell zwischen Lewis und Johnson, die bereits immenses Aufsehen erregt hatte, lieferte das Rennen ganz von selbst. Johnson stellte einen Weltrekord von 9,79 auf und Lewis erreichte eine Zeit von 9,92, während Linford Christie, der abgeschlagene Dritte im Sprintsport der 1980er und 1990er Jahre mit 9,97 Sekunden den dritten Platz belegte. Calvin Smith, ein Staffellaufprofi, belegte mit 9,99 Sekunden den vierten Platz. Es war das erste Mal, dass jemand die 100 Meter unter 10 Sekunden rannte und den dritten Platz belegte (ursprünglich war er Vierter, dies wurde aber nach Johnsons Disqualifikation korrigiert).

Johnson wurde in Kanada zum Nationalhelden, nachdem er den größten Namen der Leichtathletik auf der Weltbühne besiegt hatte. Doch zwei Tage später wurde Johnsons Urin positiv auf Stanozolol getestet, ein anabolisches Steroid, und er fiel sofort in Ungnade. Ein Aufstieg und Fall, die in der olympischen Geschichte kein Beispiel kennen.

Lewis erhielt daraufhin Gold, Christie Silber und Smith bekam die Bronze-Medaille.

Wie waren die Reaktionen auf das Ereignis damals?

Johnson wurde ursprünglich in ganz Kanada dafür gefeiert, dass er Lewis besiegt und dem Land Ruhm eingebracht hatte. "Es ist ein wunderbarer Abend für Kanada", sagte der kanadische Premierminister Brian Mulroney zu Johnson kurz nach dem Rennen.

In der Pressekonferenz nach dem Rennen konnte Johnson sich nicht zurückhalten und prahlte über seine Leistung. "Ich möchte sagen, dass mein Name Benjamin Sinclair Johnson Jr. ist und dieser Weltrekord mindestens 50 Jahre halten wird, vielleicht 100", rief er aus. "Eine Goldmedaille - das kann einem niemand wegnehmen."

Doch etwas stimmte nicht. Johnson ließ sich fast eine Stunde Zeit, um eine Urinprobe abzugeben, während er in der Zwischenzeit angeblich 8 bis 10 Light-Biere vertilgte.

Ben Johnson gibt bei der Medaillenverleihung dem, wie sich zeigen sollte, rechtmäßigen Sieger Carl Lewis die Hand (Bild: REUTERS/Gary Hershorn)
Ben Johnson gibt bei der Medaillenverleihung dem, wie sich zeigen sollte, rechtmäßigen Sieger Carl Lewis die Hand (Bild: REUTERS/Gary Hershorn)

Der IOC-Leiter für Drogentests, Prince Alexander de Mérode, übergab persönlich eine Notiz an Kanadas Chef de Mission, Carol Anne Letheren und informierte sie über Johnsons positive Testergebnisse. Dick Pound, der zukünftige IOC-Chef, trat de facto als Johnsons Verteidiger auf, aber konnte das Ergebnis nicht kippen und zwang Johnson, seine Goldmedaille in Schande an Letheren zu übergeben. Ihm wurde später auch seine Goldmedaille der Weltmeisterschaften von 1987 aberkannt.

Als er aus Seoul zurückkehrte, wurde Johnson am Flughafen in Toronto gnadenlos ausgebuht und hielt sich zum Großteil aus dem Rampenlicht fern. Als Reaktion auf Johnsons positiven Test leitete die kanadische Regierung eine Untersuchung ein, die unter dem Namen "Dubin-Untersuchung" bekannt wurde und in deren Verlauf Johnson zugab, das er gelogen und bereits seit 1981 Steroide benutzt hatte. Während der 89-tägigen Untersuchung wurden insgesamt 122 Zeugen befragt.

Was hat sich dadurch für zukünftige Olympische Spiele geändert?

Johnsons positiver Test markierte das Ende des goldenen Zeitalters der Leichtathletik, das erst acht Jahre später wieder zu neuem Ruhm gelangte, als der Kanadier Donovan Bailey bei den Olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta einen sauberen Weltrekord von 9,84 lief und damit eine Rivalität mit den USA entfachte.

Es markierte auch das Ende der Unschuld der Leichtathletik, da ein Schatten des Verdachts über jedem Rennen hing. Erst nachdem Usain Bolt zum größten Leichtathleten aller Zeiten aufgestiegen war, begann sich das weit verbreitete Misstrauen wieder in Luft aufzulösen.

Ben Johnson bricht bei einer Aussage vor der Dubin-Kommission in Tränen aus (Bild: REUTERS/Gary Hershorn)
Ben Johnson bricht bei einer Aussage vor der Dubin-Kommission in Tränen aus (Bild: REUTERS/Gary Hershorn)

Wade Exum, von 1991 bis 2000 US-Direktor des olympischen Komitees für die Durchführung von Drogenkontrollen enthüllte, das Lewis bei den olympischen Ausscheidungskämpfen von 1988 positiv auf minimale Mengen von drei Stimulanzien getestet worden war und argumentierte, dass er vor Seoul hätte disqualifiziert werden müssen. Eine Überprüfung durch die IAAF bewies, dass das USOC bezüglich Lewis' Proben ordnungsgemäß vorgegangen war und erlaubte ihm, seine Medaillen zu behalten, auch wenn dies mit einer gehörigen Portion Skepsis geschah.

ESPN sendete im Jahr 2012 eine Dokumentation mit dem Titel "9,79" als Teil seiner "30 von 30"-Serie, die das gesamte Rennen im Detail dokumentiert. Es lohnt sich, sie anzuschauen. Nur zwei der acht Wettkämpfer wurden während ihrer gesamten Karriere nie positiv auf verbotene Substanzen getestet und das Rennen ist allgemein bekannt als "Das schmutzigste Rennen in der Geschichte". Ein passender Titel für ein so hässliches und doch entscheidendes Ereignis in der Geschichte des Sports. 

Wo sind sie heute?

Johnsons Leben nahm nach einem Comeback-Versuch in den frühen 1990ern einen bizarren Verlauf. Er trainierte kurzzeitig Diego Maradona und gab 1999 zu, dass er vom früheren libyschen Premierminister Muammar Gaddafi angeheuert wurde, um die Fußballmannschaft seine Sohnes zu trainieren.

Im Jahr 2005 brachte er die Ben Johnson Collection auf den Markt, eine Bekleidungs- und Supplementlinie, die jedoch scheiterte.

Im März 2006 machte Johnson aus seiner Beteiligung an dem Skandal einen Witz, indem er einen Energydrink mit dem Namen "Cheetah Power Surge" bewarb - eine offensichtliche Anspielung auf das Etikett "Betrüger" (Cheater), das ihm angeheftet wurde. Es wurde von den Verbrauchern weitgehend abgelehnt, obwohl Johnson ein wichtiger Teil einer nationalen Werbekampagne war. Dies stellte ihn in ein noch ungeheuerlicheres Licht, während es jüngere Sportfans an seine in Ungnade gefallene Karriere erinnerte.

2013 kehrte Ben Johnson für eine Anti-Doping-Kampagne in das Olympia-Stadion in Seoul zurück (Bild: REUTERS/Lee Jae-Won)
2013 kehrte Ben Johnson für eine Anti-Doping-Kampagne in das Olympia-Stadion in Seoul zurück (Bild: REUTERS/Lee Jae-Won)

2017 erinnerte er erneut an sein Vermächtnis, als er in einem Werbespot für die Android-App des australischen Buchmachers Sportsbet - dessen Kampagnen-Tagline lautete "putting 'roid in Android" - sagte, dass sie "positiv auf Geschwindigkeit und Kraft getestet wurde, wieder und wieder."

Nachdem Johnson eine 37-Millionen-Dollar-Klage gegen seinen ehemaligen Anwalt Ed Futerman eingereicht hatte, die 2012 vom Ontario Superior Court abgewiesen wurde, zog er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und verbringt seitdem seine Zeit mit seinen Enkeln in Toronto. 

Arun Srinivasan

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