Die große Chance: Hansi Flick und die Zukunft des DFB

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Das Achtelfinal-Aus war das letzte Spiel unter Jogi Löw. Jetzt übernimmt sein ehemaliger Assistent Hansi Flick. Auf den wartet nun eine große Aufgabe: Das DFB-Team in die Moderne zu führen.

Machtwechsel: Hansi Flick übernimmt künftig die Geschicke der DFB-Elf von seinem Ex-Cheftrainer Joachim Löw. (Bild: Sascha Steinbach/Bongarts/Getty Images)
Machtwechsel: Hansi Flick übernimmt künftig die Geschicke der DFB-Elf von seinem Ex-Cheftrainer Joachim Löw. (Bild: Sascha Steinbach/Bongarts/Getty Images)

Das war es also, das Ende der Ära Löw. Die begonnen hatte mit einem dritten Platz bei der Heim WM 2006 an der Seite von Jürgen Klinsmann und ihren Höhepunkt 2014 in Rio mit dem lang ersehnten Weltmeistertitel fand. Dazwischen drei Halbfinal- und eine Finalteilnahme und mit dem Gewinn des Confed-Cups 2017 der Glaube, dass ein Umbruch auch mit Löw erfolgreich gelingen könnte. Nach dem frühen Aus bei der WM in Russland und nun auch bei der verschobenen Europameisterschaft tritt Löw leise und mit leicht angedelltem Ruf zurück. Die Kommentare, dass er den richtigen Zeitpunkt zum Absprung verpasst hat, mehren sich nun, es wird diskutiert werden, ob die (zuvor laut geforderte) Rückholaktion von Thomas Müller und Mats Hummels doch falsch war. Der eine fabrizierte ein Eigentor gegen Frankreich, der andere ließ gegen England die riesige Chance zum Ausgleich liegen, es wirkten wie symbolische Szenen.

Für Hansi Flick allerdings ist dieses leise Ende der Ära Löw vielleicht nicht die schlechteste Vorraussetzung. Das frühe Aus gibt dem neuen Bundestrainer nämlich den entscheidenden Spielraum, das Team nach seinen Vorstellungen umzubauen. Bei einem besseren Abschneiden der DFB-Elf wäre der Umbruch weit schwerer geworden. Natürlich muss ein Bundestrainer immer mit den Auswahlspielern arbeiten, die zur Verfügung stehen und auch Hansi Flick kann sich keinen Lewandowski oder Haaland für den Strafraum herbei zaubern. Aber zumindest wird Flick nicht auf das Problem der Altlasten stoßen, das Löw die letzten Jahre mit sich herum getragen hat. Beim DFB setzt man große Hoffnungen in den Neuen. Oliver Bierhoff bezeichnete Flick als seinen "Wunschkandidaten".

Flicks bisher größter Erfolg als Cheftrainer: Der Gewinn der Champions League mit den Bayern gegen PSG im vergangenen Jahr. (Bild: REUTERS/Matthew Childs/Pool)
Flicks bisher größter Erfolg als Cheftrainer: Der Gewinn der Champions League mit den Bayern gegen PSG im vergangenen Jahr. (Bild: REUTERS/Matthew Childs/Pool)

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Eigene Handschrift entwickeln

Klar, es gibt Baustellen im Kader und auch im taktischen Bereich. Die Position der Außenverteidiger ist einfach zu schwach besetzt, es fehlt ein Knipser im Strafraum als Alternative gegen tief stehende Mannschaften. Der manchmal zähe Ballbesitzfußball lässt sich offensichtlich zu einfach von vielen Gegnern entschlüsseln. Zu selten gelingen Überraschungsmomente. Es liegt auch an Flick, seinem DFB-Team wieder ein bisschen Spritzigkeit und Mut zu verpassen. Er hat mit dem FC Bayern bewiesen, dass er das auch als Cheftrainer auf dem "högschden Niveau" leisten kann, wie Löw gesagt hätte. Sieben Titel holte er mit den Münchenern, sechs davon allein in der Saison 2019/2020, inklusive der Champions League. 

Dabei prägte er sein starbesetztes Team mit ruhiger Hand. Auch Flick ist kein Emotionstrainer á la Jürgen Klopp. Eine klare Spielphilosophie war dennoch erkennbar. Diese muss er jetzt auch für die Nationalmannschaft entwickeln. Vielleicht passt da dann der ein oder andere Spieler nicht mehr so ins Konzept. Dazu gehört dann auch, sich bei allem Respekt vor der Leistung Löws, von dessen Strukturen ein wenig zu lösen. Das heißt nicht etwa, alles über Bord zu schmeißen. Schließlich hat Flick in den Jahren an der Seite von Löw viel von ihm gelernt und gemeinsam wurden sie 2014 Weltmeister. Das Standing bei den Spielern dürfte er damit haben. Doch die neue Ära, sollte es eine werden, muss von Beginn an die Handschrift Flicks tragen.

Zeit für den Umbruch

Einen besseren Zeitpunkt für einen Umbruch gab es seit der gruseligen Fußballzeit Anfang der 2000er nicht mehr. Denn 15 Jahre Löw bedeuteten zwar viele Erfolge aber eben auch ein Stück weit Stagnation. Auch eine Nationalmannschaft braucht hin und wieder neue Impulse. Und für die nächste Generation kann ein Trainerwechsel auch der Impuls sein, an die eigene Chance zu glauben. Das bedeutet auch, dass aus der aktuellen Mannschaft Spieler wie Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Serge Gnabry noch mehr in Führungsrollen schlüpfen müssen. Auch Leroy Sané oder Kai Havertz können sich nicht länger hinter dem Label Talent verstecken. Flick muss diesen Spielern das Selbstvertrauen einimpfen, die nächste Achse des Erfolgs zu bilden und wieder ein funktionierendes Team-Kollektiv formen. Dazu braucht es auch ein paar frische Impulse von außen.

Die nächste Generation

Denn auch wenn der DFB momentan mit der eigenen Nachwuchsarbeit hadert und dort große Umbrüche einleitet, um mit den führenden Nationen mithalten zu können, gibt zumindest die U-21 Anlass zur Hoffnung. Die Mannschaft von Stefan Kuntz erreichte dreimal in Folge das EM-Finale, zweimal ging sie als Sieger aus dem Turnier hervor. Und es gibt sie auch in Deutschland, die jungen Supertalente wie den Leverkusener Florian Wirtz (18), den Dortmunder Youssoufa Moukoko (16) oder auch Bayerns Jamal Musiala (18), der sogar schon EM-Luft schnuppern durfte. Löw sagte bei seinem Abschied dieser Generation den Zenit ihrer Leistungsfähigkeit für die WM 2026 voraus. Zwei Jahre davor gibt es die Heim-EM in Deutschland. Sicher ist, dass es eine engere Verzahnung zwischen den Nachwuchsteams und der A-Nationalmannschaft braucht. Aus den erfolgreichen U21-Teams gelang kaum einem Spieler der Sprung zu den Senioren.

Anfang September warten die ersten Länderspiele auf die DFB-Elf. In der WM-Qualifikation geht es gegen Liechtenstein, Armenien und Island. Im Oktober warten dann Rumänien und Nordmazedonien auf "die Mannschaft". Trotz der scheinbar kleinen Namen in der Gruppe hat Flick sofortigen Erfolgsdruck, denn momentan sind die Deutschen nach drei Spielen nur Dritter der Gruppe J und wären somit nicht für die WM im Winter 2022 in Katar qualifiziert. Auf Hansi Flick und sein Team wartet damit direkt ziemlich viel Arbeit.

Im Video: In Schulnoten - So bewertet Hamann die Löw-Ära

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