Die mysteriösen Geldbündel von Blackhall Colliery

Moritz PiehlerFreier Autor
Die geheimnisvollen Geldbündel sind stets mit ordentlich abgepackten 20 Pfundnoten gefüllt. (Bild: Paul Ellis/AFP via Getty)
Die geheimnisvollen Geldbündel sind stets mit ordentlich abgepackten 20 Pfundnoten gefüllt. (Bild: Paul Ellis/AFP via Getty)

Es wirkt fast wie eine moralische Fabel aus einer britischen Kinokomödie. Seit fünf Jahren tauchen immer wieder Bündel mit Bargeld in einer bitterarmen nordenglischen Kleinstadt auf. Und immer wieder bringen die Anwohner das Geld zur Polizei.

Das erste Päckchen mit 20 Pfundnoten tauchte 2014 in den Straßen von Blackhall Colliery auf. Das beschauliche Dorf liegt an der Nordseeküste im County Durham, etwa 130 Kilometer nördlich von Leeds. Das ehemals geschäftige Industrie-Örtchen ist seit dem Niedergang der Kohlenmine in den Siebziger- und Achtzigerjahren auf dem absteigenden Ast. Die letzte schloss bereits 1981. Inzwischen wohnen in dem Ort an der Küstenstraße nicht einmal mehr 5000 Menschen.

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Die meisten der Bewohner müssen in die Nachbarorte Hartlepool und Peterlee pendeln, wo viele in Callcentern arbeiten. Kurz gesagt, die meisten Menschen aus Blackhall Colliery könnten wohl ein bisschen zusätzliches Bargeld nicht schlecht gebrauchen.

Ehrliche Bewohner

Dennoch wurden seit dem ersten Fund insgesamt zwölf Bargeldpakete bei der Polizei abgegeben. 2000 englische Pfund haben die lokalen Behörden schon registriert, also etwa 2350 Euro. Der letzte ehrliche Finder kam am vergangenen Montag zur Polizei, die nun die ehrlichen Bewohner ausdrücklich lobte. Der zuständige Detective Constable John Forster aus dem Nachbarort Peterlee sagte der Presse: “Die Päckchen werden immer einfach offen auf dem Bürgersteig abgelegt und von zufälligen Passanten gefunden.”

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Die Polizei hat bereits versucht, über Anfragen bei Banken und Poststellen und sogar per Fingerabdruck auf die Spur des Geldes zu kommen, bisher aber vergeblich. “Es ist bereits das vierte Paket in diesem Jahr,” sagte Detective Forster. “Es könnte das Werk eines guten Samariters sein, aber wir möchten den Bewohnern ausdrücklich danken, die solch einen Gemeinschaftssinn beweisen und das Geld abgeben.” Sollte sich niemand in einer bestimmten Frist melden, können die ehrlichen Finder allerdings noch Anspruch auf das Geld erheben.

Auch in Deutschland ist das übrigens so. Alle Geldfunde von über zehn Euro muss der Entdecker beim Fundbüro melden und abgeben. Es steht ihm ein Finderlohn von fünf Prozent zu und sollte sich nach sechs Monaten noch kein Eigentümer gemeldet haben, hat er einen Anspruch auf das Geld.

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