Kommentar: Die SPD braucht dringend die Auferstehung – von politisch Toten

Jan RübelReporter
Petra Köpping aus Sachsen und Boris Pistorius aus Niedersachsen bilden das neueste Duo, das sich um den SPD-Parteivorsitz bewirbt (Bild: Getty Images)
Petra Köpping aus Sachsen und Boris Pistorius aus Niedersachsen bilden das neueste Duo, das sich um den SPD-Parteivorsitz bewirbt (Bild: Getty Images)

Die Chef-Suche bei den Sozialdemokraten gerät zur Farce. Wenn Schwergewichte nicht vom Himmel fallen, muss man halt buddeln.

Ein Kommentar von Jan Rübel

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Zugegeben, der Job hat keine hohe Bestandsgarantie. Daher drängeln sich bei der Kandidatensuche nicht gerade Alphatiere hervor, sondern jene aus den hinteren Reihen, die auch einen kurzzeitigen Feuerwehrjob als Karrieresprung empfinden. Bisher bewerben sich Genossinnen und Genossen für die Parteiführung, die verzweifeln lassen. Es ist, als singe die SPD ihr Abschiedslied.

Die auflaufenden Duos sind nicht die Crème de la Crème deutscher Sozialdemokratie: Gesine Schwan ist zwar ein Wirbelwind, ihr Partner Ralf Stegner aber trägt ein Miesepeterimage mit sich herum, welches so stark wirkt, dass nicht einmal die Frage Sinn macht, ob er es zurecht hat. Erfolgsaussichten der SPD bei solchem Duo: Zero. Auch Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach mag eine illustre Persönlichkeit sein, im Generellen aber ist er wie seine Partnerin, die Umweltexpertin Nina Scheer, politisch zu leichtgewichtig.

Ganz aktuell ihre Hüte in den Ring geworfen haben Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping. Inhaltlich und von der Statur her bilden die beiden mit Abstand noch das stärkste Duo, welches zur Wahl antritt. Pistorius ist erfahrener Innenpolitiker und kann der SPD wieder ein Terrain zurückerobern, welches zwischenzeitlich aufgegeben werden musste, nämlich die innere Sicherheit. Und Köpping kennt Ostdeutschland bestens und kann auch dort für die Sozialdemokraten verloren gegangenen Boden gutmachen. Doch beide sind bisher nicht als Zugtiere aufgefallen, als echte Leader mit Ausstrahlung, die ansteckt.

Wo ist das Dreamteam?

So gerät der Kandidatenprozess zur Tragödie. Denn die größten Gewichte in der SPD zieren sich. Eigentlich hätten die Interimsvorsitzenden Malu Dreyer und Manuela Schwesig, die beiden Ministerpräsidentinnen, ein Machtwort sprechen und selbst die dauerhafte Parteiführung anstreben müssen. Das wäre die erste Möglichkeit. Die zweite ist ein wenig komplizierter und benötigte eine gewisse Zeit.

Zum einen ist da Franziska Giffey. Sie wäre eine potenziell hochkarätige Vorsitzende, zog aber nun zurück, weil eine Plagiatsprüfung ihrer Dissertation an ihr zerrt. Giffey nimmt sich selbst aus dem Rennen – zu Recht, denn längst zeichnete sich ab, dass sie bei der Promotion komisch vorgegangen war und dass Konsequenzen unvermeidbar sind. Nur ist die prüfende Universität nicht von der schnellsten Sorte – nach dem Verlauf einer gewissen Bußezeit wäre Giffey bestimmt wieder einsetzbar; derzeit aber ist sie politisch kaltgestellt.

Es gibt auch bewährte Lösungen

Sich selbst ins Abseits gestellt hat sich Andrea Nahles. Die zurückgetretene Vorsitzende wird allzu schmerzlich vermisst. Sie hatte einen guten Job verrichtet und wurde von den mittelmäßigen Männern aus den hinteren Reihen, die umso besser mäkeln, aus dem Amt gemobbt. Keine Ahnung, was Nahles gerade macht und denkt. Aber für ein Comeback wäre es die beste und dringendste Zeit.

Sollte dies nicht geschehen, läuft alles auf Pistorius und Köpping hinaus. Sie würden auch der Großen Koalition nicht sofort den Garaus machen, wissen sie doch, dass die Lage der SPD derart dramatisch ist, dass selbst ein Gang in die Opposition den Sozialdemokraten kaum helfe. Doch ein Dreamteam stellt man sich anders vor. Vielleicht agieren sie gerade so lange unglücklich vor sich her, bis Giffey für ihre Sünden genug gebüßt hat und den Laden übernehmen kann.

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