Costa Ricas Torwart steckt im Dilemma

Im „Gruppenfinale“ zwischen Costa Rica und Deutschland wird es vor allem auf Keylor Navas ankommen. Doch der PSG-Keeper hat ein Problem.

Gegen Spanien musste Costa Ricas Keeper Keylor Navas gleich sieben Mal hinter sich greifen. (Bild: REUTERS/Carl Recine)
Gegen Spanien musste Costa Ricas Keeper Keylor Navas gleich sieben Mal hinter sich greifen. (Bild: REUTERS/Carl Recine)

Keylor Navas hat in dieser Saison nach den ersten zwei WM-Spielen von Costa Rica (0:7 gegen Spanien und 1:0 gegen Japan) insgesamt 180 Minuten mehr gespielt als bei seinem aktuellen Arbeitgeber Paris Saint-Germain.

In der französischen Hauptstadt spielt der Kapitän des kommenden DFB-Gegners seit mittlerweile dreieinhalb Jahren, doch so schwierig wie in den vergangenen Wochen war seine sportliche Lage noch nie.

Keine einzige Pflichtspielminute durfte der dreifache Champions-League-Sieger bisher bestreiten! In der vergangenen Spielzeit kam er noch im Durchschnitt bei jeder zweiten Partie zum Einsatz. Der damalige Pariser Trainer Mauricio Pochettino hatte sich für eine klare Rotation zwischen Navas und Gianluigi Donnarumma entschieden, damit kein Konflikt entsteht.

Sein Nachfolger Christophe Galtier kündigte jedoch bei seiner offiziellen Vorstellung vor fünf Monaten sofort an: „Ich bin Befürworter einer klaren Hierarchie auf der Torwart-Position. Ich habe mich dazu entschieden, dass Donnarumma die Nummer eins wird.“

Dilemma von Costa Ricas Nummer eins

Und der französische PSG-Coach hat Wort gehalten. Navas schaute in die Röhre, obwohl er nach wie vor bei vielen Experten als besserer und kompletterer Keeper als der italienische Nationaltorwart angesehen wird.

Insgeheim hoffte der frühere Schlussmann von Real Madrid deshalb auch auf einige Einsätze, die aber in dieser Hinrunde nicht kommen sollten. So flog Costa Ricas X-Faktor ohne jegliche Spielpraxis mit seinem Nationalteam nach Doha.

Prompt kassierte er gleich sieben Treffer beim ersten Spiel gegen die Spanier. „Wenn man die Lage von Keylor in dieser Saison kennt, dann war dieses Spiel im Endeffekt keine große Überraschung“, erklärt Ex-PSG-Keeper Bernard Lama (221 Pflichtspiele von 1992-97) bei SPORT1.

„Dass er sich aber anschießend dermaßen steigern konnte und gleich drei starke Paraden gegen Japan zeigen konnte, spricht für seine Klasse auf höchstem Niveau“, fügte Lama, französischer Welt- und Europameister, an. Denn: „Gegen Deutschland wird noch mehr Arbeit auf ihn zukommen. Ob sein Potenzial dann genügen wird, möchte ich allerdings leicht bezweifeln.“

Gegen die DFB-Elf wird Navas sein 110. Länderspiel absolvieren. In zwei Wochen wird er zudem seinen 36. Geburtstag feiern. Dementsprechend ist es durchaus möglich, dass ausgerechnet sein letztes WM-Spiel seine erfolgreiche Laufbahn beenden könnte.

Navas „bereit für das ganz große Treffen mit Deutschland“

„Abgesehen davon wird Navas auf dieses entscheidende Spiel voll fokussiert sein“, weiß auch Grégory Coupet, der von 2009 bis 2011 bei PSG zwischen den Pfosten stand.

Mit einem Sieg kann er noch mehr in die Geschichte seines Heimatlandes eingehen. „Dass er seit dem vergangenen Sommer kaum eingesetzt wurde, ist sicherlich ein erheblicher Nachteil, aber er macht sie durch seine langjährige Erfahrung sowie seine Ausstrahlung, aber auch seine Top-Einstellung einfach wett“, betont Coupet bei SPORT1.

Gleichzeitig sagt die französische Torwart-Legende: „Man hat bereits gegen Japan feststellen können, dass auf Keylor nach wie vor Verlass ist und dass er in guter Form ist. Er hat eine Weltklasse-Leistung gezeigt. Er ist nun bereit für das ganz große Treffen mit Deutschland.“

Denn, wenn Navas gegen das DFB-Team am Donnerstag nicht einen Sahne-Tag erwischt und sein volles Potenzial ausschöpft, dann schwinden Costa Ricas Chancen auf den Achtelfinaleinzug erheblich. Er ist und bleibt der X-Faktor!

Im Video: WM 2022: Costa Rica besiegt Japan mit 1:0 in der Gruppe E