Doncics Frust steigt: Von wegen Geheimfavorit

Robin Wigger
·Lesedauer: 4 Min.

Bei der Frage nach einem Geheimfavoriten wurde vor der NBA-Saison in den US-Medien eine Mannschaft ziemlich häufig genannt: die Dallas Mavericks.

Gründe dafür gab es genug: Luka Doncic war um ein weiteres Jahr reifer, mit einer Playoff-Erfahrung, die jedem Spieler hilft.

Die Offensive war 2019/20 eine der besten der Geschichte. Mit Josh Richardson und James Johnson sowie den Rookies um Josh Green wurden kluge Verpflichtungen getätigt.

Nach 20 Spielen haben die Mavericks allerdings mit einem Geheimfavoriten oder gar einem Titelkandidaten wenig zu tun. (Spielplan der NBA-Saison 2020/21)

Dallas so schlecht wie bei Nowitzkis Abschied

In der Nacht auf Sonntag verloren die Texaner mit 105:111 gegen die Phoenix Suns, es war die fünfte Pleite in Folge und die achte aus den vergangenen zehn Partien.

Mit einer Bilanz von acht Siegen und zwölf Niederlagen ist Dallas Drittletzter der Western Conference. Für Playoff-Panikmache ist es noch zu früh, zumal dank des Play-In-Formats sogar der Zehnte (aktuell Houston mit 9-9) Chancen auf die Postseason hat. Besorgniserregend ist die Form aber allemal. (Tabellen der NBA)

Fünf Partien ohne Sieg gab es in Dallas zuletzt im März 2019 zu sehen. Damals war es die einzige Ambition der Mannschaft, Dirk Nowitzki einen gebührenden Abschied zu bereiten.

Mavs brechen gegen Suns ein

Gegen die Suns sah es lange danach aus, als könnten Doncic und Co. das ersehnte Erfolgserlebnis einfahren. Mitte des dritten Viertels lagen die Mavs mit 15 Punkten in Front, ehe Phoenix angeführt von Routinier Chris Paul das Spiel drehte.

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"Das war einfach sehr enttäuschend, weil unsere Jungs so hart gekämpft haben", meinte Trainer Rick Carlisle anschließend: "Wir müssen es einfach besser machen."

Dabei fehlte der Mannschaft aus Arizona mit Devin Booker der beste Mann. Ähnlich war es zuvor bei den Utah Jazz, die ohne Star Donovan Mitchell beide Duelle mit den Mavs für sich entschieden.

Doncic frustriert: "Das war schrecklich"

Nach dem 101:120 gegen den West-Spitzenreiter hatte Doncic heftige Kritik geübt. "Das war schrecklich. Im Moment sieht es so aus - wenn man ehrlich ist - als ob es uns nicht interessiert, ob wir gewinnen oder nicht." Das Team müsse mehr Energie und Einsatz zeigen.

"Wir müssen etwas unternehmen, denn es sieht nicht gut aus", sagte der Slowene, der gegen Phoenix 29 Punkte, acht Rebounds und sieben Assists auflegte.

Auch Trainer Carlisle erkannte bei Doncic "eine Menge Frustration". Klar ist aber: Doncics Emotionen sind das kleinste Problem der Mannschaft.

Dallas mit langer To-do-Liste

Während der Pleitenserie trafen die Mavs nur 29 Prozent ihrer Dreier – laut Forbes die schlechteste Quote der Liga. 36,8 Rebounds in dieser Zeit sind ebenfalls der schlechteste Wert.

Auch beim defensiven und offensiven Rating fand sich Dallas dabei im Tabellenkeller wieder. Eddie Sefko, der die Berichte für die Mavs-Homepage verfasst, schrieb von einer To-do-Liste, die "looooooooong" ist.

"Ich glaube, dass man, um großartig zu sein, mit seinen Brüdern durch die Gräben gehen und sich den Weg aus dem Loch graben muss", erklärte Shooting Guard Tim Hardaway fast schon philosophisch.

Corona trifft Dallas hart

Zur Verteidigung der Mavs sei gesagt, dass sie vom Coronavirus schwer getroffen wurden.

Fünf wichtige Rotationsspieler, die ihre Qualitäten größtenteils in der Defensive haben, fehlten mehrere Spiele: Neuzugang Josh Richardson, Jalen Brunson, Dorian Finney-Smith, Dwight Powell und Maxi Kleber.

Vier sind nach und nach aus der Quarantäne zurückkehrt - Kleber soll am Montag, wenn es erneut gegen die Phoenix Suns gehen, so weit sein.

Am Sonntag begrüßten die Mavs den Deutschen bereits an der Seitenlinie, wo er gemeinsam mit dem pausierenden Kristaps Porzingis, der seinen Rhythmus nach mehreren Verletzungsrückschlägen in dieser Saison noch nicht wirklich gefunden hat, die Niederlage verfolgte.

Bringt Kleber den Erfolg zurück?

Kleber hat seit dem 9. Januar kein Spiel absolviert und elf Partien verpasst – und kann mit seinen defensiven Fähigkeiten, seiner Flexibilität und seiner Treffsicherheit von draußen dennoch sofort eine Hilfe sein.

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"Unser bester Dreierschütze fiel vor drei Wochen mit COVID aus, und er kommt am Montag zurück", meinte Carlisle. Denn der Würzburger ist mit einer Quote von 47,1 Prozent der Team-Führende – deutlich vor Brunson (41,9%).

"Es wird eine Weile dauern, bis Maxi wieder in Bestform ist, aber wir müssen einfach zusammenhalten und uns durch diese schwierige Phase kämpfen", sagte Carlisle.

Nicht, dass sich die Dallas Mavericks am Ende der Saison in den Analysen unter den "Enttäuschungen" wiederfinden.