Doping durch Sex mit dem Ex: Kanutin beweist ihre Unschuld

Moritz PiehlerFreier Autor
Yahoo Sport Deutschland
Die Kanutin Laurence Vincent-Lapointe darf nach ihrem ungewöhnlichen Gegenbeweis wieder an den Start gehen. Ihre Dopingsperre wurde aufgehoben. (Bild: REUTERS/Laszlo Balogh)
Die Kanutin Laurence Vincent-Lapointe darf nach ihrem ungewöhnlichen Gegenbeweis wieder an den Start gehen. Ihre Dopingsperre wurde aufgehoben. (Bild: REUTERS/Laszlo Balogh)

Die Kanadierin Laurence Vincent-Lapointe gehört zu den erfolgreichsten Kanusportlerinnen der Welt. Als sie im Sommer 2019 wegen Dopings gesperrt wurde, war das ein kleiner Skandal. Nun konnte sie auf eine außergewöhnliche Art und Weise ihre Unschuld beweisen.

Mit den immer ausgefeilteren Möglichkeiten, Doping bei Sportlern nachzuweisen, sind auch die Ausreden immer kreativer geworden. Doch in diesem Fall konnte die Kanutin tatsächlich durch eine äußerst ungewöhnliche Beweisführung ihre Unschuld nachweisen. Die elffache Weltmeisterin hatte angegeben, dass sie durch Sex mit ihrem damaligen Partner mit den verbotenen Substanzen in Kontakt gekommen war.

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Den Verteidigern der Athletin gelang es, nachzuweisen, dass die Kanutin die Substanz nicht selbst eingenommen hatte. Die Spuren von Ligandrol, einer Steorid-ähnlichen Substanz, seien durch den Austausch von Körperflüssigkeiten in ihren Blutkreislauf gelangt, argumentierten die Anwälte. Tatsächlich habe ihr Ex-Freund die Substanz zu sich genommen und Vincent-Lapointe sei durch den gemeinsamen Sex damit in Berührung gekommen.

Dieser Argumentation folgte nun das Sportgericht des ICF und hob die Sperre auf. In dem Statement des Verbandes hieß es, aufgrund der minimalen Spuren von Ligandrol und den glaubhaften Beweisen der Verteidigung habe der ICF akzeptiert, dass die Sportlerin die Substanz nicht wissentlich eingenommen habe.

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“Ich war so wütend, dass er die Quelle sein könnte”

Die Weltmeisterin selbst äußerte sich dazu in einem Statement: “Ich war so wütend, dass er die Quelle sein könnte.” Gleichzeitig aber sei sie sehr erleichtert gewesen, dass sie nach Monaten der Suche endlich herausgefunden hätten, woher die Blutverunreinigung stammte. “Es ist etwas, worüber wir als Sportler nicht nachdenken, weil man normalerweise sonst darauf achtet, womit man in Berührung kommt,“ gab die Kanadierin zu. “Man denkt darüber nach, was man isst, welche Medikamente man einnimmt. Es gibt dafür Orte, an denen man das kontrollieren kann und ich mache das immer.”

An die Möglichkeit einer Kontamination durch Sex habe sie nie gedacht. Auch ihr Anwalt zeigte sich nach dem Urteil erleichtert. “Das ist ziemlich unglaublich,” sagte Adam Klevinas. Es habe Monate gedauert, die Ergebnisse zu bekommen. “Am Ende sind wir dann auf die Idee gekommen, das Haar ihres Ex-Freunds analysieren zu lassen und auf ein Produkt zu testen, bei dem er schließlich zugab, es eingenommen zu haben”, so der Anwalt weiter. Nach der Aufhebung der Sperre darf seine Klientin sofort wieder an Wettkämpfen teilnehmen.

Sperre für Olympia 2020 drohte

Vor der Kanu Weltmeisterschaft im ungarischen Szeged im vergangenen Juli war die Kanadierin positiv auf die Substanz Ligandrol getestet worden. Die Folgen der Dopingprobe waren enorm. Vincent-Lapointe sollte vom Internationalen Kanu Verband (ICF) für vier Jahre gesperrt werden. Das hätte auch bedeutet, dass die 27-jährige die olympischen Spiele in Tokio im Sommer verpasst hätte.

Zwar wurde ein Großteil der Startplätze für Tokio bereits bei der WM in Szeged vergeben. Nach der Aufhebung der Sperre hat Vincent-Lapointe nun aber beim Weltcup im Mai in Duisburg noch die Chance, sich zum ersten Mal für olympische Spiele zu qualifizieren. Bei den beiden vergangenen Spielen hatte es in ihrer Disziplin keine Wettbewerbe für Frauen gegeben, so dass sie nun in Japan das erste Mal die Gelegenheit hätte, um olympische Medaillen zu kämpfen.

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