Warum der BVB die vielen Ausfälle so locker wegsteckt

Maximilian Lotz, Patrick Berger
Sport1

Kein Witsel, kein Can - kein Problem! Der BVB steckt beim Derbysieg gegen Schalke die vielen Ausfälle locker weg. Ein Vorteil im Kampf um die Meisterschaft.

Warum der BVB die vielen Ausfälle so locker wegsteckt
Warum der BVB die vielen Ausfälle so locker wegsteckt

Auf den ersten Blick war Mahmoud Dahoud nicht wiederzuerkennen.

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Als der Mittelfeldmann mit seinem neuen, ungewohnten Kurzhaarschnitt in der 87. Minute ausgewechselt wurde, lachte er spitzbübisch und klatschte Beifall in Richtung Südtribüne - nur kam von der verwaisten Gelben Wand nichts zurück.

An Lob für seine starke Leistung beim 4:0-Erfolg von Borussia Dortmund im Geisterderby gegen Schalke 04 mangelte es aber nicht.

"In dieser besonderen Situation können sich andere Leistungsträger herauskristallisieren, auch Spieler, die vorher nicht so im Fokus waren - wie Mo Dahoud", analysierte Roman Weidenfeller im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

BVB kann prominente Ausfälle kompensieren

Erstmals seit dem 12. Spieltag und erst zum vierten Mal in dieser Saison stand Dahoud in der Dortmunder Startelf, die Trainer Lucien Favre durch die Ausfälle von Emre Can, Axel Witsel, Marco Reus und Giovanni Reyna gehörig umbauen musste. Noch dazu kam der leicht angeschlagene Jadon Sancho erst in der 79 Minute ins Spiel.

Ein Luxus, den sich der BVB aufgrund der Kaderbreite erlauben kann - und ein nicht zu unterschätzender Trumpf im Titelrennen, dass auch andere aus der zweiten Reihe erfolgreich in die Bresche springen können.

Wie etwa Dahoud, der im defensiven Mittelfeld an der Seite von Rückkehrer Thomas Delaney mal wieder eine Chance bekam. Weidenfeller glaubt, dass ihm durch das leere Stadion etwas der Druck genommen wurde. "Jetzt hat er viel mehr Freude am Spiel und kann dies auf dem Platz umsetzen", sagte der frühere BVB-Torhüter.

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Dirigent Dahoud spielt sich in den Fokus

Nicht nur wegen seiner Frisur zeigte sich Dahoud stark verändert. Auf dem Rasen dirigierte der 24-Jährige lautstark: Mit Kommandos wie "ey, Männer, das ist zu einfach", "Jule, ich bin da" oder "Hintermann, Thomas!" hielt er seinen Mittelfeldkollegen Julian Brandt und Thomas Delaney den Rücken frei. Und vor den Toren zum 2:0 und 3:0 war er entscheidend an den Balleroberungen beteiligt.

"Die Jungs haben ihren Auftrag alle angenommen", freute sich Sebastian Kehl. "Jeder hat einen Riesen-Job gemacht. Obwohl viele Spieler gefehlt haben, hatten wir schon noch einen hochkarätig besetzten Kader. Das ist gut."

Der Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung lobte dabei nicht nur Vorbereiter Brandt, sowie die Torschützen Raphael Guerreiro und Erling Haaland, sondern insbesondere auch die beiden Sechser: "Delaney, der seit November nicht gespielt hat, und Dahoud haben ein hervorragendes Spiel gezeigt. Da kann man gar nicht einzelne Spieler hervorheben."

Gerade Dahoud dürfte die ansprechende Vorstellung Auftrieb verleihen, schließlich hatte der Ex-Gladbacher zuletzt keinen einfachen Stand im Dortmunder Starensemble. Er gilt daher als Wechselkandidat. Berater Reza Fazeli machte zuletzt aber klar, dass sich sein Klient in Dortmund durchsetzen will. Das ist auch Dahouds klares Ziel, schließlich fühlt er sich in der Mannschaft wohl. Sollte aber ein gutes Angebot um die Ecke kommen, macht er sich Gedanken.

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Zweiter Anzug des BVB sitzt - Zorc atmet auf

Zunächst kann der BVB aber mit Blick auf die nächsten Aufgaben zufrieden sein, dass auch der zweite Anzug sitzt - auch wenn die Defensive gegen erschreckend harmlose Schalker nicht allzu sehr beansprucht wurde.

"Wir waren alle sehr erleichtert nach dem Spiel", sagte Sportchef Michael Zorc. "Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht. Ich kann der Mannschaft nur ein Kompliment machen. Sie hat das hervorragend gemacht. Wir wussten ja nicht wo wir nach dieser langen Pause stehen."

Die nächste Standortbestimmung erfolgt am Samstag beim VfL Wolfsburg, ehe es drei Tage später im Signal Iduna Park zum Gipfeltreffen mit Spitzenreiter FC Bayern kommt.

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In Bestbesetzung gegen die Bayern?

Axel Witsel und Emre Can, der bisher nur lockeres Lauftraining absolviert, dürften am Wochenende nochmals aussetzen, um für den Kracher gegen die Bayern fit zu sein. Und Kapitän Reus arbeitet mit aller Kraft darauf hin.

Im besten Fall kann Favre also demnächst wieder aus dem Vollen schöpfen. "Viele Mannschaften werden ein paar Spieler haben, die verletzt sein werden", erklärte der Schweizer am Samstag.

Allerdings stehen noch einige Fragezeichen auf der Verletztenliste. "Ich hoffe, dass Reyna nichts hat. Für Witsel und Can wird es nicht mehr lange dauern", prognostizierte Favre, bestätigte aber zugleich Dan-Axel Zagadous Saisonaus. "Marco Reus hat noch nicht mit der Mannschaft gespielt. Nico Schulz hat sich auch wieder verletzt, er darf zwei bis drei Wochen nichts machen. Hazard hatte nur einen Krampf, keine Verletzung."

So oder so dürfte es in den kommenden Wochen verstärkt auch auf die Spieler aus der zweiten Reihe angekommen. Da präsentiert sich der BVB aktuell bestens gerüstet.

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