"Nach drei Wochenenden geht es bergab": Was die DTM-Asse Kubica raten

Sven Haidinger
motorsport.com

Ex-Formel-1-Pilot Robert Kubica stellt sich mit der DTM einer Herausforderung, an der schon viele seiner Vorgänger zerbrachen. Doch welche Tipps geben ihm die stärksten DTM-Piloten des Vorjahres, damit der Pole im ART-BMW im Gegensatz zu Vorgängern wie David Coulthard, Ralf Schumacher oder Heinz-Harald Frentzen konstant vorne mitfährt und die Herkulesaufgabe meistert?

"Ich würde ihm empfehlen, so viel wie möglich zu arbeiten", sagt Audis Champion Rene Rast, der für seine akribische Herangehensweise bekannt ist. "Er muss versuchen zu verstehen, was ihn schnell und was ihn nicht so schnell macht. Und warum gewisse Dinge funktionieren und andere nicht."

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Doch wie kann der Pole zu dieser Erkenntnis gelangen? "Er hat schon einige Kilometer abgespult", verweist Rast auf die Tatsache, dass Kubica an allen Testtagen zum Einsatz kam und mit insgesamt 541 Runden nach Mike Rockenfeller der zweitfleißigste Pilot beim Nürburgring-Test war.

Rast: Ohne intensive Datenanalyse hat man keine Chance

"Das ist das wichtigste, um das Auto zu verstehen - und um herauszufinden, wie man damit fahren muss und wie man mit den Reifen umgeht." Das sei allerdings nur die Basis. "Man macht leider nur durch die Analyse und viele Stunden vor dem Laptop Fortschritte", ergänzt der 33-Jährige, der oft selbst an den Rennwochenenden bis spät in die Nacht die Telemetriedaten studiert.

Einer, der Robert Kubicas DTM-Comeback aus nächster verfolgen durfte, ist BMW-Ass Marco Wittmann. Der zweimalige Meister war Mitte Dezember beim Young-Driver-Test in Jerez Referenzfahrer, als der Pole erstmals in den M4 einstieg. "Robert macht tolle Arbeit", lautet sein erstes Fazit. "Er war bereits beim Young-Driver-Test sehr stark, als er bei uns dabei war."

Wittmanns Warnung: Nach drei Wochenenden geht es bergab

Doch worauf kommt es nun für ihn an, um auch in seiner Premierensaison aufzutrumpfen? "In der DTM ist es wichtig, Ruhe zu bewahren", antwortet er. "Ich habe schon viele erlebt, darunter auch ich selbst, die ihre erste Saison beginnen, und alles wirkt super-einfach. Sie sind auf Anhieb schnell, auch im Qualifying sind sie dabei. Aber plötzlich - beim dritten oder vierten Wochenende - fällt die Performance der neuen Fahrer gegenüber den Routiniers ziemlich ab. Sie sind auf einmal im Nirgendwo, kriegen Stress und setzen sich unter Druck."

Und wenn man sich zu sehr unter Druck setzt, gehe man über das Limit des Autos und überfahre es. "Und damit ist man meistens langsamer als schneller." Dennoch glaubt Wittmann, dass Kubica gegen dieses Phänomen gewappnet sein könnte. "Robert ist sehr erfahren. Er hat 20 Jahre Motorsport auf dem Buckel, und ich glaube, er kriegt das hin."

Doch in welchen Bereich ortet Audis Vizemeister Nico Müller Kubicas größte Hürde? Und was würde er ihm raten? "Ich glaube nicht, dass er sehr viele Ratschläge braucht. Er ist für alle in diesem Sport ein Idol, und es ist eine große Ehre für uns, dass er dieses Jahr unser Feld bereichert", rollt der Schweizer seinem neuen Rivalen den roten Teppich aus. "Ich bin sicher, er wird sich gut schlagen."

Müller sieht DTM-Wochenendformat als größte Hürde

Wenn er ihm aber doch einen Ratschlag geben muss, dann würde er den Fokus auf das spezielle Wochenendformat der DTM legen. "Es ist nicht einfach, an eine Strecke zu kommen und so wenig Zeit zu haben, um sich auf die Bedingungen einzustellen, ehe man bereits im Qualifying die Leistung abliefern muss", verweist er auf die Tatsache, dass nach 75 Minuten Freitag-Training an den folgenden Tagen nur noch Qualifyings und Rennen anstehen.

"Bei diesem Wochenendformat kommt es darauf an, so schnell wie möglich in einen guten Rhythmus zu kommen. Wenn einem das schon beim ersten Wochenende gelingt, und man mit den Herausforderungen klarkommt, die der Zeitplan mit sich bringt, dann sehe ich keinen Grund, warum man nicht erfolgreich sein sollte. Speziell bei einem Fahrer, der so viel Talent hat wie er."

Doch gerade der Auftakt in Spa-Francorchamps Anfang August könnte die Ausgangssituation für Kubica noch schwieriger machen. Denn im Gegensatz zu den anderen DTM-Wochenenden ist das Programm auf zwei Tage komprimiert. Das bedeutet, dass Kubica statt zwei Freien Trainings am Freitag nur eine kurze Session am Samstagmorgen hat, ehe das erste Qualifying auf dem Programm steht.

Mit Bildmaterial von BMW.

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