So erklärt Übeltäter Abraham seine Rambo-Attacke auf Streich

SPORT1, Sportinformationsdienst
Sport1

Es war eine Szene, wie es sie in über 50 Jahren Fußball-Bundesliga noch nie gegeben hatte. Wie es sie zum Glück noch nie gegeben hatte.

"Das wird für alle Beteiligten Konsequenzen geben", sagte Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic nach dem Spiel in Freiburg bei Sky - und dürfte insgeheim bereits gewusst haben, dass die Szene vor allem für seinen Kapitän David Abraham schwerwiegende Folgen haben dürfte.

Der Argentinier sah in einer turbulenten Nachspielzeit die Rote Karte (90.+6), nachdem er Freiburgs Trainer Christian Streich umgecheckt hatte. 

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Streich: "Ihm sind die Sicherungen durchgebrannt"

"Ich bin einfach dort gestanden", kommentierte Streich die Situation nach der Partie bei Sky. "Er war Vollgas unterwegs. Ich komme da einfach nicht weg, er rennt mich über den Haufen. Da sind ihm die Sicherungen durchgebrannt." 

Freiburg-Coach Streich (Getty)
Freiburg-Coach Streich (Getty)

Der 54-Jährige gab allerdings auch Entwarnung und mahnte zur Ruhe: "Mit der Schulter ist alles okay. Wir sollten runterfahren. Fußball ist ein Kampfsport."

"Ich möchte mich in aller Form bei Christian Streich entschuldigen", sagte Abraham später. Er habe den Ball "so schnell wie möglich" wieder ins Spiel bringen wollen "und hätte ausweichen müssen. Ich bin sehr froh, dass wir nach dem Spiel gesprochen haben und alles gut zwischen uns ist."

Eklat überschattet Sieg des SC Freiburg

Die Szene überschattete am Ende den knappen 1:0 (0:0)-Sieg der Breisgauer, die damit ihr bestes Anfangsdrittel der Bundesliga-Geschichte krönten.

Als die ursprünglich angezeigte Nachspielzeit von vier Minuten gerade abgelaufen war, trudelte der Ball an der Freiburger Bank ins Seitenaus. Streich ließ ihn passieren, um weitere Sekunden zu gewinnen. Abraham stürmte heran - und rammte den SC-Trainer zu Boden.

Was folgte, war eine wilde Rudelbildung, in deren Folge der bereits ausgewechselte Freiburger Vincenzo Grifo ebenfalls Rot sah, weil er Abraham ins Gesicht gegriffen hatte. Freiburgs Co-Trainer Florian Bruns bekam von Schiedsrichter Dr. Felix Brych zudem die Gelbe Karte gezeigt.

Rot für Abraham (Getty)
Rot für Abraham (Getty)

Laut Sky versöhnten sich Streich, Abraham und Grifo noch in den Katakomben. Alle drei sollen zusammen in die Frankfurter Kabine gegangen sein.

Die Eintracht postete ein entsprechendes Bild auf Twitter.

Eintracht lange in Unterzahl

Rein sportlich setzte sich der Sport-Club durch den Sieg mit zu diesem Zeitpunkt noch nie erreichten 21 Punkten auf Champions-League-Platz vier fest - vor Borussia Dortmund und punktgleich mit dem FC Bayern sowie RB Leipzig. 

Torjäger Nils Petersen (77.) traf in der zweiten Halbzeit für die Hausherren, die sich trotz 45-minütiger Überzahl extrem schwer taten.

Der ehemalige Freiburger Gelson Fernandes hatte kurz vor dem Seitenwechsel wegen wiederholten Foulspiels (45.+1) die Gelb-Rote Karte gesehen. Nils Petersen konnte die nominelle Überzahl in der 77. Spielminute zum Siegtreffer nutzen. 

Die Gastgeber waren vor 24.000 Zuschauern in den ersten Minuten die aktivere Mannschaft. Dabei bewies das Team von Streich, dass es nicht nur kämpfen und rennen, sondern auch kombinieren kann. Grifo (7.) und Lucas Höler (8.) gaben stramme, aber letztlich zu unpräzise Schüsse ab.

Frankfurts große Chance zur frühen Führung war hingegen dem Zufall geschuldet. Nach einer Unsicherheit von SC-Schlussmann Mark Flekken landete der Ball beim 2014er-Weltmeister Erik Durm, der mit seinem Abschluss aus knapp 20 Metern an der Latte scheiterte (12.).

Nach dem recht unterhaltsamen Beginn beruhigte sich das Geschehen. Die Gäste waren um Ballsicherheit bemüht und sobald ihnen das auch gelang, liefen die Freiburger meistens hinterher.

Die teilweise sogar minutenlangen Ballbesitzphasen der Eintracht führten jedoch ebensowenig für Gefahr wie die sporadischen Konter des Sport-Club.

Flekken rettet den Sieg

Dass Frankfurt in einer schwachen ersten Halbzeit doch noch durch Martin Hinteregger (35.) und Goncalo Paciencia (38.) zu Torgelegenheiten kam, versetzte Streich regelrecht in Rage. Nach der Doppelchance schimpfte der Kult-Coach wie ein Rohrspatz - seine Schützlinge ließen die übliche Leidenschaft weitestgehend vermissen.

Fernandes' Platzverweis veränderte die Kräfteverhältnisse auf dem Platz zwar deutlich, das betraf aber nur den Ballbesitz.

Auch wenn fünf Minuten nach Wiederanpfiff Roland Sallai Frankfurts Keeper Frederik Rönnow zu einem Glanzreflex zwang, fehlte den Freiburgern die Durchschlagskraft. Das sollte nach einer knappen Stunde Jung-Nationalspieler Luca Waldschmidt ändern, der nach überstandener Fußverletzung eingewechselt wurde und sein Comeback feierte.

Aber auch mit dem abschlussstarken Angreifer entwickelte sich ein Geduldsspiel, in dem die Gastgeber krampfhaft nach der Erfolgsformel suchten. Und was sie in dieser Phase auch unternahmen - ob Fernschuss oder Dribbling - es wollte nichts so recht funktionieren.

Mit zunehmender Dauer lösten sich die Gäste aus der Umklammerung, doch dann schlug Petersen mit seinem sechsten Saisontreffer eiskalt zu. Flekken verhinderte gegen Hinteregger den Ausgleich (84.).

Lesen Sie auch