DTM-Boss Berger gegen Teamorder: Müllers Ruf steht auf dem Spiel!

Sven Haidinger
motorsport.com

DTM-Boss Gerhard Berger warnt Nico Müller in der Audi-Teamorder-Debatte davor, den eigenen Ruf als Rennfahrer auf Spiel zu setzen. "Ich kann ihn verstehen, wenn er sagt, er hätte ein großes Risiko eingehen müssen, um Rast ernsthaft zu attackieren", akzeptiert Berger die Rechtfertigung für die ausbleibende Attacke in Brands Hatch gegen DTM-Leader Rene Rast.

Müller stehe jetzt aber "im Blickpunkt, er fährt um den Titel. Wenn er als Titelkandidat stets leichtfertig zurücksteckt und sich mit einem zweiten Platz zufriedengibt, dann nimmt sein Ruf als Rennfahrer Schaden. Dann hätte er nicht den Killerinstinkt, der bei den letzten Rennen bei ihm aufgeblitzt ist und der mir zeigte, dass er diesen Instinkt eigentlich hat."

Ein Fahrer müsse zwar abwägen, ob sich eine Attacke auszahlt und Berger könne der Argumentation des Schweizers "in Bezug auf seine Zurückhaltung in Brands Hatch ein Stück folgen, aber Müller muss bei den nächsten Rennen wieder seinen Biss zeigen. Er kann keine Punkte liegen lassen."

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Push-to-pass eine Gefahr für die Zuverlässigkeit?

Der Abt-Audi-Pilot liegt in der Meisterschaft sechs Rennen vor Schluss bereits 37 Punkte hinter Leader Rast. Im zweiten Rennen in Brands Hatch hatte er nach dem verpatzten Stopp rasch auf den führenden Rast aufgeholt, diesen aber in 20 Runden kein einziges Mal attackiert und dies mit einem zu hohen Risiko erklärt. Lieber habe er auf einen Einbruch von Rasts Reifen gewartet. Auch seine Überholhilfen nutzte er nur teilweise.

Audi-Sportchef Dieter Gass erklärte Müllers Verzicht auf Push-to-pass im Duell mit Rast damit, dass man Zuverlässigkeitsprobleme beim Motor fürchte und das System, das über einen Bypass Sprit für 30 Zusatz-PS in die Brennräume einspritzt, nur im Duell mit der Konkurrenz einsetze: "Gegen den Teamkollegen Push-to-pass zu nutzen, ist eigentlich eine Verschwendung."

Warum Berger die Audi-Erklärung nachvollziehen kann

"Man muss zunächst einmal die Aussagen von Gass und Müller akzeptieren", sagt Berger. "Niemand hat einen vollständigen Einblick." Berger könnte sich durchaus vorstellen, dass das System bei den Ingolstädtern ein wunder Punkt ist.

Nico Müller nutzte den Push-to-pass-Knopf gegen Rast kein einziges Mal

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Nico Müller nutzte den Push-to-pass-Knopf gegen Rast kein einziges Mal LAT

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"Für mich sieht es von außen betrachtet so aus, als hätte Audi einen Turbomotor mit einer sehr hohen Grundleistung entwickelt und ist aus diesem Grund sehr um die Haltbarkeit besorgt", erklärt der DTM-Boss. Die guten Audi-Topspeed-Werte sind ein Indiz dafür.

"Also geht man mit der Zusatzleistung durch das Push-to-pass, dessen Aktivierung stets eine zusätzliche Belastung für den Motor bedeutet, recht vorsichtig um, weil darin ein Risiko für die Haltbarkeit liegt." Sollte das tatsächlich der Fall sein, dann "kann ich verstehen, dass man Push-to-pass nur im Kampf gegen Autos anderer Hersteller einsetzt, und nicht bei Audi-internen Duellen".

Berger stellt sich klar gegen Stallorder

Dennoch war der Aufschrei nach dem Brands-Hatch-Wochenende vor allem bei den Fans in den sozialen Netzwerken groß, zumal Audi-Sportchef Gass klarstellte, man werde die beiden Führenden in der Meisterschaft "da vorne so kurz vor Schluss, wenn die Abstände so klein sind, nicht in einen Fight schicken".

Berger bemüht sich nun darum, die Gemüter zu beruhigen. "Man muss in der Debatte sachlich sein und differenzieren. Es sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. In Brands Hatch wurde niemand vorbeigewunken, niemand hat angehalten, um einen Sieg an den Kollegen herzuschenken."

Vielmehr müsse Müller in solchen Situationen "mit Blick auf seine eigenen Titelchancen abwägen, ob er den Titelkandidaten und Teamkollegen Rast angreift und damit seine 18 Punkte riskiert."

Abschließend stellt er aber klar, dass er sich ein offenes Duell um den DTM-Titel wünscht: "Ich habe schon mehrfach gesagt, dass mir als ehemaligem Rennfahrer Stallorder sehr zuwider ist. Wir werden sicher bei den nächsten Rennen genau hinschauen - und die Fans sowieso."

Mit Bildmaterial von Audi AG.

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