DTM und GT-Masters: Sind gemeinsame Rennwochenenden realistisch?

Sven Haidinger
motorsport.com

Die DTM-Dachorganisation ITR arbeitet auf Hochtouren, um 2020 trotz der Coronavirus-Pandemie doch noch eine Saison auf die Beine zu stellen. Neben der bereits besprochenen Möglichkeit, gemeinsam mit der Formel E Rennwochenenden durchzuführen, wäre auch das GT-Masters eine mögliche Option für gemeinsame Veranstaltungen.

Dazu hatte Legende Hans-Joachim Stuck kürzlich im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' aufgerufen, außerdem wäre es ein Vorteil, dass beide Serien ihre Basis in Deutschland haben. Und wenn man sich die Rennstreckenmiete teilt, würde das eine finanzielle Entlastung darstellen, zumal das Geschäftsmodell der DTM auf Einnahmen aus den wegfallenden Ticketerlösen basiert. Aber wie sieht der GT-Masters-Veranstalter ADAC diese Option?

"Die Serien sind so eigenständig, deshalb ist es nicht leicht, Lösungen zu finden", meint ADAC-Präsident Hermann Tomczyk gegenüber dem 'SID', als er auf gemeinsame Veranstaltungen mit der DTM angesprochen wird. "Es fängt zum Beispiel bei der Darstellung der Werbepartner auf der Strecke an und hört bei verschiedenen Fernsehpartnern auf. Noch dazu sind mit fünf Rennserien unsere Wochenenden bestens gefüllt."

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Rahmenprogramm als Problem

Was die Rennstreckenwerbung angeht, gäbe es Lösungen: Schon beim gemeinsamen Motorsportfestival 2016 und 2017 auf dem Lausitzring wurden Werbetafeln zwischen den Rennen einfach ausgetauscht. Zudem gibt es digitale Werbemöglichkeiten, die in den Pausen umprogrammiert werden können.

Problematischer ist da schon das Rahmenprogramm des GT-Masters, mit dem der ADAC bei den dreitägigen Veranstaltungen Geld verdient: Denn neben der Hauptserie tragen auch noch die GT4-Germany, das TCR-Germany, die Formel 4 und der Porsche-Carrera-Cup ihre Rennen aus.

Die Rahmenserien brauchen nicht nur Platz im Fahrerlager, sie lassen auch wenig zeitlichen Spielraum für die DTM-Plattform übrig, die auch die DTM-Trophy und die GTC mitbringt. Im Gegensatz dazu wäre die Formel E als Eintagesveranstaltung, bei der nur die Jaguar-I-Pace-eTrophy im Rahmenprogramm fährt, besser geeignet.

Tomczyk über Rivalität: "Genug Platz für beide Serien"

Gerade in Corona-Zeiten wäre es in Anbetracht der Abstandsregeln und der maximal 1.000 erlaubten Personen bei Veranstaltungen schwierig, zwei große Plattformen mit zahlreichen Rahmenrennen an einem Wochenende zu vereinen. Dazu kommt, dass es in der Vergangenheit Meinungsverschiedenheiten zwischen dem ADAC und der ITR gab, was die Einnahmen durch das Lausitzring-Motorsportfestival anbelangte.

Das Verhältnis zwischen den beiden Veranstaltern in Deutschland verbesserte sich zuletzt durch den Streit wegen der DTM-Trophy auch nicht unbedingt. Dennoch will Tomczyk nichts davon wissen, dass man sich durch ein mögliches Ableben der DTM mehr Aufmerksamkeit für das GT-Masters erhofft. "Das ist absolut nicht der Ansatz", sagt er.

"Der Motorsport hat in Deutschland genug Anhängerschaft, wir haben auch immer Top-Events gehabt, über Jahre zwei oder drei WM-Läufe in verschiedenen Disziplinen. Von der Rallye über die Formel 1 bis hin zur Motorrad-WM. Das hat sich überhaupt nicht berührt." Die DTM sei außerdem "Werkssport und hat ihre Klientel angesprochen", während das GT-Masters "eine eigene Fangemeinde" habe und sich auf Kundensport konzentriere.

"Es gibt in der deutschen Motorsportlandschaft ausreichend Platz für beide Serien", sagt Tomczyk abschließend.

Mit Bildmaterial von ITR.

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