Tod bei 300 km/h: Eine überschattete Tragödie

Tod bei 300 km/h: Eine überschattete Tragödie
Tod bei 300 km/h: Eine überschattete Tragödie

Es war einer der dunkelsten Tage der Formel-1-Geschichte - und seine persönliche Tragik vergrößerte sich dadurch, dass am Tag darauf ein noch dunklerer folgte.

Am 30. April 1994 starb der Österreicher Roland Ratzenberger beim Rennwochenende in Imola. Eine Tragödie, die dann aber schnell überlagert wurde von dem, was am Tag darauf geschah: dem Unfalltod von Ikone Ayrton Senna während des Rennens. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Unfall brach Roland Ratzenberger das Genick

Am Samstag hatte sich Ratzenberger mit seinem Simtek-Ford in der Qualifikationsrunde befunden, als ein Teil des Frontflügels brach.

Infolgedessen verlor er die Kontrolle über das Fahrzeug, da der nötige Anpressdruck nicht mehr vorhanden war. Der Bolide kam in der Villeneuve-Kurve von der Strecke ab, Ratzenberger schlug mit etwa 300 km/h seitlich in eine Mauer ein. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Das Fahrzeug rutschte noch viele Meter weiter und kam erst in der nächsten Kurve zum Stehen. Alle Wiederbelebungsversuche am Unfallort waren vergeblich: Ratzenbergers Genick war gebrochen, seine inneren Organe schwer verletzt.

Unverhoffter Spätstart in die Formel 1 1994

Ratzenberger war zum Zeitpunkt seines Todes 33 Jahre alt - und dennoch als Späteinsteiger in seiner ersten Formel-1-Saison.

In den Achtzigern und Neunzigern pendelte er zwischen verschiedenen Rennserien, 1991 platzte ein schon damals angebahnter F1-Deal mit Jordan wegen eines Sponsoren-Rückzugs.

Drei Jahre später kam das Debüt unverhofft: Der damals erst 27 Jahre alte Aerodynamik-Ingenieur Nick Wirth - ein Geschäftspartner des späteren FIA-Präsidenten Max Mosley - holte den Routinier für seinen neu gegründeten Simtek-Rennstall ins Boot.

Ratzenberger war damals der dritte Österreicher in der Eliteklasse neben Gerhard Berger und Karl Wendlinger - eine seltene Konstellation in der Generation nach dem 1970 selbst tödlich verunglückten Jochen Rindt und der Ikone Niki Lauda.

„Ich hatte Glück, und es waren die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, freute sich Ratzenberger damals. Sein elfter Platz beim zweiten Saisonrennen im japanischen Aida (im ersten hatte er die Qualifikation verpasst) sollte sein einziger Renneinsatz bleiben.

Ratzenberger war ein Motorsport-Besessener

Mit Ratzenberger verlor der Sport einen Racing-Besessenen der alten Schule: Seinen Lebenstraum einer Rennkariere verdiente sich der in bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsene Ratzenberger mit Mechaniker- und Fahrlehrer-Jobs. In einer Rennfahrer-Schule unterwies er unter anderem auch Bodyguards reicher Personen in Sachen Fahrzeugbeherrschung in Gefahrensituationen.

Während Ratzenberger die F1 im Leben nicht prägen durfte, hatte sein Tod im Zusammenspiel mit dem Sennas einschneidende Konsequenzen.

Die Tragödie von Imola belebte die in den Jahren zuvor eher eingeschlafene Sicherheitsdebatte in der Königsklasse neu. Infolge der Schockwirkung der ersten Todesfälle nach 12 Jahren (1984 waren Gilles Villeneuve und Ricardo Paletti ums Leben gekommen) wurden zahlreiche neue Maßnahmen beschlossen, unter anderem ein weit besser gesichertes Monocoque für die Fahrer. Seit damals gab es nur noch einen letztlich tödlichen Unfall, den von Jules Bianchi 2014.

„Er lebte für seinen Traum“

Der 2021 verstorbene Mosley zog später gar das Fazit, dass Ratzenbergers und Sennas Tod die Fahrsicherheit auch weit über die Formel 1 hinaus revolutioniert hat.

„Dieses Wochenende in Imola war der Katalysator für einen Wandel auf den Straßen, der buchstäblich und ohne jeden Zweifel zehntausende Leben gerettet hat“, sagte Mosley 2014 in einem Interview mit Reuters: „Das ist die Wahrheit. Ohne diesen Auslöser wären wir nie nach Brüssel gegangen, es gäbe kein europäisches NCAP (New Car Assessment Programme), keine modernen Crashtests.“

Roland Ratzenberger, den die Sicherheits-Revolution nicht mehr retten konnte, ruht auf dem Friedhof Maxglan in Salzburg. Die Inschrift auf seinem Grab lautet: „Verunglückt am 30. April 1994 beim Training zum Formel 1 Lauf in Imola. Er lebte für seinen Traum.“

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