Durchdrehende Räder beim Stopp: Warum Rene Rast nur verwarnt wurde

Markus Lüttgens
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Auf der Rennstrecke konnte Rene Rast am Sonntag beim Finalrennen der DTM-Saison 2020 auf dem Hockenheimring auf dem Weg zum Sieg und Titelgewinn Nummer drei niemand gefährlich werden. Doch beinahe hätte sich der Rosberg-Audi-Pilot selbst ein Bein gestellt. Denn etwa 20 Minuten vor dem Rennende tauchte plötzlich die Meldung auf, dass die Sportkommissare gegen Rast ermitteln.

Grund dafür war sein Boxenstopp, bei dem sich die Hinterräder seines Audis schon drehten, als das Auto noch auf der Lufthebeanlage aufgebockt war. Das ist laut Reglement verboten. Allerdings nicht in dieser Deutlichkeit. Im entsprechenden Artikel 23.9 des sportlichen Reglements der DTM heißt es lediglich: "Es liegt in der Verantwortung der Teilnehmer, die Box und/oder die 'working lane' ohne Gefährdung anderer Teilnehmer oder Personen zu verlassen."

Daraus hatte der Deutsche Motorsport-Bund (DMSB) vor der Saison 2019 abgeleitet, dass sich die Räder nicht drehen dürfen, so lange das Auto nicht auf dem Boden steht. Als Grund nannte man dabei konkret die Gefahr, dass ein nicht oder nicht richtig montiertes Rad sich lösen und Mechaniker oder Sportwarte verletzen könnte.

Berger: "Hätte ihm 10-Sekunden-Strafe gegeben"

"Es gibt die Regeln, das wir die Räder während des Reifenwechsels nicht durchdrehen lassen dürfen", weiß auch Rast. "Ich war mir nicht bewusst darüber, dass meine Räder sich gedreht haben. Ich habe nur versucht, zu antizipieren, um so schnell wie möglich wegzukommen."

Doch dabei ging Rast ein bisschen zu eifrig vor, und da die Objektive der TV-Kameras auf sein Auto gerichtet waren, wurde der Regelverstoß offensichtlich. Die Frage war nun, welche Strafe Rast zu erwarten hat. "Wenn ich Rennkommissar gewesen wäre, hätte ich ihm eine 10-Sekunden-Stafe gegeben, um ihn so richtig zum Schwitzen zu bringen", lacht DTM-Boss Gerhard Berger.

In der Tat wäre durch eine solche Strafe die Führung von Rast an seinen Meisterschaftsrivalen Nico Müller gefallen, und die Entscheidung um den Titel wäre auf jeden Fall enger ausgefallen. Die Sportkommissare ließen aber Gnade vor Recht ergehen und erteilten Rast nur eine Verwarnung.

Präzedenzfall Rockenfeller

Das war nur eine Option, denn ein konkretes Strafmaß ist im Reglement nicht festgelegt. Daher orientierten sich die Sportkommissare an einem Präzedenzfall. "Wir hatten vor zwei Jahren einen ähnlichen Fall mit Rocky. Da hat er auch eine Verwarnung bekommen", erinnert sich Abt-Teamchef Thomas Biermaier. Dabei hatte Mike Rockenfeller 2019 in Zolder sogar die Räder absichtlich durchdrehen lassen, nachdem seine Kupplung nicht mehr richtig funktionierte.

"Ich denke daher, dass das in Ordnung geht. Wir haben auf mehr gehofft, aber das war in Ordnung", meint Biermaier, dessen Pilot Müller aber nur bei einer Durchfahrtsstrafe oder mehr gegen Rast noch die Chance auf den Titelgewinn gehabt hätte.

Für Rasts Teamchef Kimmo Liimatainen geht die Verwarnung - wenig überraschend - ebenfalls in Ordnung. Allerdings nicht nur, weil sein Fahrer betroffen war, sondern weil es sich nach Ansicht des Finnen um einer Art Kavaliersdelikt handelt.

Teamchef: Das passiert ständig

"Ich kenne die Regel zwar, aber das passiert ständig", sagt Liimatainen. "Wir waren im TV-Bild, deswegen haben es die Zuschauer und die Rennleitung gesehen. Die Strafe war okay, aber das macht jeder zweite Fahrer. Das ist etwas völlig normales und nichts, was er absichtlich gemacht hat. Sobald die Kupplung schleift, fangen die Räder an zu drehen. Es ist okay, wir haben dadurch nichts verloren, aber Regeln sind nun einmal Regeln."

Auch Rast bestätigt, dass sich das Durchdrehen der Räder manchmal gar nicht vermeiden lässt: "Auch wenn man auf der Kupplung ist, kann man sich manchmal leider nicht vom Antriebsstrang trennen", so der alte und neue Champion.

Mit Bildmaterial von Audi.