Ecclestone rät Vettel: "Von Mercedes träumen bringt doch nichts"

Christian Nimmervoll
motorsport.com

Drei Wochen vor Beginn der Formel-1-Saison 2020 ist weiterhin unklar, ob Sebastian Vettel seine Karriere 2021 fortsetzen wird. Bernie Ecclestone rät dem deutschen Ferrari-Piloten jetzt zumindest zu einer Auszeit: "Er sollte 2021 ein Jahr Pause machen und sich dann rechtzeitig für 2022 in Position bringen."

"Von Mercedes träumen bringt doch nichts", sagt Ecclestone gegenüber 'F1-Insider.com'. "Dort hat Toto Wolff die Macht. Warum sollte Toto aber sich einen Vettel antun, wo er mit Lewis Hamilton den Superstar der Szene sicher hat? Und wo mit Bottas und Russell zwei Fahrer in der ersten Reihe stehen, die Toto schon lange fördert."

Während Mercedes-Teamchef Wolff die Tür zu Vettel zunächst auf sehr diplomatische Weise offengelassen hat, plauderte Valtteri Bottas kürzlich aus dem Nähkästchen, dass ihm das Team intern versichert habe, Vettel sei kein Thema. Damit ist Mercedes für den viermaligen Weltmeister zu. Ferrari sowieso. Und auch Red Bull hat ihm schon abgesagt.

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Bleibt ein mögliches Aston-Martin-Werksteam mit Wolff in einer Führungsposition oder ein (ebenfalls sehr unwahrscheinlicher) Wechsel zu Renault als Alternative. Doch so sehr es die Fans lieben, über derart wilde Gedankenspiele zu spekulieren, so schwören Branchenkenner, dass Vettel lieber Pause machen würde als sich einen sportlichen Abstieg anzutun.

Tost: Wenn Vettel liefert, gehen Türen auf

Franz Tost hat 2008 in Monza als Teamchef bei Toro Rosso gemeinsam mit Vettel dessen ersten Grand-Prix-Sieg gefeiert. Der Österreicher drückt seinem Ex-Fahrer dementsprechend die Daumen: "Ich persönlich hoffe, dass es einen Platz für ihn in einem wirklich konkurrenzfähigen Team gibt", so Tost gegenüber 'Sky'.

"Sebastian ist noch nicht so alt und gehört für mich zu den schnellsten Piloten in der Formel 1. Es hängt sicherlich sehr viel davon ab, wie er jetzt bei den nächsten Rennen abschneiden wird. Ich denke, dass er hochmotiviert ist, und erwarte von ihm richtig tolle Leistungen. Dann werden schon Türen aufgehen."

In der gleichen Show ('Warm Up' mit Sascha Roos und Peter Hardenacke) räumt auch Max Verstappen ein, dass er eigentlich damit gerechnet hätte, dass Vettel "noch ein oder zwei Jahre bei Ferrari bleibt". Über die Variante, dass Vettel sein Teamkollege bei Red Bull werden könnte, sei mit Christian Horner und Helmut Marko "nicht gesprochen" worden, versichert der 22-Jährige.

"Ich glaube, dass er ein Jahr Pause machen wird", vermutet Vettels ehemaliger Teamkollege Mark Webber im Podcast 'F1 Nation'. Er glaubt, dass Vettel nicht mehr den letzten Biss hat: "Für mich wurde es mit dem Alter auch schwerer. In deinen späten 30ern dauert es einfach in manchen Positionen und Szenarien ein bisschen länger, die letzte Zehntelsekunde zu finden."

"Wenn du anfängst, im Meeting auf die Uhr zu schauen, fängt die Motivation an zu leiden. Dann kannst du von den Leuten um dich herum nicht mehr einfordern, dass sie die extra Meile für dich gehen. Wenn du hungrig, motiviert und diszipliniert bist, dann zieht das ganze Team an einem Strang. Wenn du nur noch 9,5/10 bist, kannst du das von den Mitarbeitern nicht mehr verlangen."

Was Vettel von Schumacher unterscheidet

Der Unterschied zwischen Michael Schumacher und Vettel sei, glaubt Webber, dass Schumacher mit Ross Brawn und Rory Byrne seine wichtigsten Vertrauten von Benetton mitgebracht hat. Die jetzt operierenden Italiener bei Ferrari möchte er zwar nicht verurteilen, "aber ich sage nur: Als Gesamtgefüge haben sie noch nicht das gebracht, was man von ihnen erwartet."

"Dieses Regime hat getan, was es konnte, aber letztendlich ist Seb der Atem ausgegangen", analysiert Webber. "Und dann kommt Charles daher, ein unglaublich schneller Kerl, voller Energie, Hunger und Naivität. Naivität ist etwas Wunderbares, denn du kommst einfach daher und gibst alles, weil du nichts anderes kennst. Sebastian hingegen war schon lange da und hatte hart geschuftet."

"Er hat bei Ferrari herausfordernde Zeiten erlebt, keine Frage. Ich glaube aber, dass sie ihn vermissen werden. Ich denke, seine Erfahrung wird ihnen fehlen. Leclerc ist absolute Weltklasse. Aber kurzfristig betrachtet wird ihnen die Erfahrung von Seb fehlen", vermutet Webber und meint damit die Weiterentwicklung des Autos.

Eine Chance, sich seinen Kindheitstraum vom WM-Titel auf Ferrari, genau wie das große Vorbild Michael Schumacher, zu erfüllen, hat Vettel 2020 noch. Doch bei den Wintertests in Barcelona war der neue SF1000 nicht die gefährlichste Waffe, sondern hinter Mercedes und Red Bull eher nur dritte Kraft.

"Ferrari sehe ich nicht als Favoriten an", so Ecclestone gegenüber 'F1-Insider.com', "sondern Mercedes und Red Bull. Und selbst wenn sie auf Augenhöhe wären: Warum sollte Ferrari Interesse daran haben, dass der, der geht, gewinnt - und nicht der eigene Zögling, den man noch über Jahre vermarkten kann? Das ergibt doch keinen Sinn."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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