Echte Systeme statt Klebezettel: So krempelt Williams seine Planung um

Norman Fischer

Zwei Jahre in Folge war Williams jetzt am Ende des Formel-1-Feldes zu finden. 2019 konnte man dank glücklicher Umstände gerade einmal einen Zähler ergattern, war im Grunde aber nie ansatzweise konkurrenzfähig. Damit sich das 2020 ändert, hat Teamchefin Claire Williams vor allem den Bereich Planung ins Auge gefasst. Dort habe man sich zuletzt einige Schwächen erlaubt.

"Einer der Bereiche, die nicht so stark waren, wie sie sein sollten, war unsere Planungsfunktion und die End-to-end-Planung", sagt sie. Dabei geht es vor allem darum, dass etwa ein Aerodynamik-Bauteil durch das Designbüro geht und dann bei der Produktion und Herstellung landet. Und dort gab es in der Vergangenheit Defizite.

2019 wurde das vor allem zu Saisonbeginn sichtbar, als der FW42 nicht rechtzeitig fertig wurde und man den offiziellen Testbeginn verpasste - ein Handicap, das man nicht mehr aufholen konnte und das Technikchef Paddy Lowe letzten Endes den Job gekostet hat.

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Neue Business-Manager installiert

"Das haben wir gelöst", verspricht Williams. Im Juni habe man eine vollständige Planungsfunktion eingerichtet, die sich nur darum dreht, dass die End-to-End-Planung des Rennwagens funktioniert.

Jeder Bereich habe dabei einen eigenen Business-Manager, der dafür verantwortlich ist, dass die Mitarbeiter in den einzelnen Bereichen ihre Deadlines einhalten. "Aber die Verantwortung geht noch darüber hinaus", so die Teamchefin. "Sie müssen die Kapazitäten in jedem Bereich verstehen und auch verstehen, wie lange es braucht, um ein kleines Teil des Autos herzustellen."

Bislang sei man dieses Thema vielleicht etwas zu lax angegangen, meint Williams. So seien auch in der modernen Zeit etwa noch Klebezettel umhergegangen. "Und davon müssen wir wegkommen und richtige Systeme installieren."

Williams versichert: Nicht prähistorisch ...

Der Rennstall gehört neben Ferrari und McLaren zu den ältesten in der Formel 1, doch anscheinend hatte man noch damit zu kämpfen, denn vieles wurde noch auf altbewährte Weise gemacht. Neue Systeme reinzubringen, sei daher die größte Schwierigkeit gewesen.

"Wir hatten viele Leute, die lange in dem Geschäft waren, doch wenn man einen dieser wichtigen Köpfe verliert, der alle Informationen im Kopf hat, dann fängt man sie im Idealfall auf, bevor sie gehen. Aber irgendetwas wird dabei verloren gehen", so Williams. "Und so können wir nicht arbeiten. Wir müssen Williams in die moderne Ära des Formel-1-Rennsports bringen."

"Ich sage nicht, dass es prähistorisch war, denn das war es nicht", ergänzt sie. "Ich möchte auch nicht den Eindruck vermitteln. Aber wir mussten das einfach vorantreiben."

Mit Bildmaterial von LAT.

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