Effenberg über Frust-Hernández: "Würde ihn noch nicht abgeben"

Florian Plettenberg
Sport1

Minutenlang dauerte es, bis Lucas Hernández sichtlich gefrustet von der gegenüberliegenden Seite des Spielfelds die Auswechselbank des FC Bayern erreicht hatte. In der 62. Minute, mit einer schwachen Zweikampfquote von 28 Prozent im Gepäck, nahm ihn Hansi Flick vom Feld und brachte Stamm-Linksverteidiger Alphonso Davies ins Spiel.

Der Weltmeister von 2018, im Sommer für 85 Millionen Euro von Atlético Madrid gekommen, musste dem jungen, unbekümmerten Kanadier weichen, den vor dieser Saison nur die Wenigsten auf dem Zettel hatten. 

Hernández jedenfalls konnte bei seinem Startelfeinsatz als Linksverteidiger nicht überzeugen. Er wirkte bemüht, aber in seinen Aktionen oftmals viel zu überhastet. Bezeichnend sein Crash mit Gladbachs Ramy Bensebaini, nachdem der Franzose plötzlich mutterseelenallein vor Gladbach-Keeper Yann Sommer auftauchte, den Ball aber nicht im Tor unterbringen konnte.

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Warum tut sich Hernández so schwer?

"Wir haben eine eingespielte Mannschaft", sagte Flick bei Sky. "Wir konnten auch in den letzten Trainingseinheiten nicht viel einstudieren. Da ging es vielmehr darum, Kraft zu tanken und etwas Spaß zu haben. Da sind wenig taktische Dinge auf dem Programm. Es ist einfach so, dass Alphonso Davies uns auf der linken Seite mit seiner Dynamik gut tut. Lucas macht es gut, auch wenn er enttäuscht war, dass er raus musste." 


Entscheidend, fügte der Cheftrainer hinzu, sei dass sich das Spiel der Bayern nach der Einwechslung von Davies und Kingsley Coman merklich besserte. Davies leitete später sogar den Siegtreffer ein. "Ich glaube, dass es der entscheidende Pluspunkt für uns war, die zwei Spieler reinzubringen."

Bislang steht die Zusammenarbeit zwischen Hernández und dem FC Bayern unter keinem guten Stern.  

Effenberg rät von Wechsel ab

Von einem vorzeitigen Wechsel im Sommer rät SPORT1-Experte Stefan Effenberg beiden Seiten allerdings vehement ab. "Man hat in Hernández viel Geld investiert und ich sehe in ihm viel Potential. Deswegen würde ich ihn noch nicht abgeben. Es wäre das Fairste, ihn erst in der nächsten Winterpause oder nach der kommenden Saison zu beurteilen, wenn er auch die Möglichkeit hatte, sich fit in einer Sommervorbereitung präsentieren zu können", so Effenberg.  

Der frühere Weltklasse-Mittelfeldspieler sagt aber auch: "In der Konstellation mit Davies außen und David Alaba innen, ist es nicht einfach für ihn. Wichtig ist, dass der Verein mit ihm ein offenes Gespräch über die Planungen führen wird. Er muss wissen, was seine Perspektive ist, denn er hat noch einen Vertrag bis 2024."

Zwar hat "Luci", wie er von Mitspieler Thomas Müller und Flick genannt wird, seit seinem Wechsel auch immer wieder mit Verletzungssorgen zu kämpfen, bei seinen Einsätzen in der Innenverteidigung und als Linksverteidiger konnte er aber nur selten überzeugen. Im dominanten und technisch versierten Spiel der Bayern wirkt der Franzose oft überhastet und übermotiviert, dabei kam er mit vielen Vorschusslorbeeren nach München.  

"Er muss das Vertrauen spüren", sagt Effenberg, der dessen Verletzungssorgen ebenfalls berücksichtigt. "Ein Weltmeister kann nicht zufrieden sein, nur Backup-Spieler zu sein, das ist ja klar. Ich wünsche mir für ihn, dass er zukünftig wieder topfit wird. Er braucht jetzt seinen Spielrhythmus. Man wird nicht umsonst Weltmeister als Stammspieler. Das sind große Argumente."

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