Königslösung? Wenger führt offenbar mit Bayern Gespräche

Maximilian Schwoch
Sport1

Wie geht es weiter in der Trainerfrage beim FC Bayern?

Nachdem bereits Thomas Tuchel und Erik ten Hag mitgeteilt hatten, zumindest derzeit nicht zur Verfügung zu stehen, schloss nun auch Ralf Rangnicks Berater die Tür.


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"Wir glauben nicht, dass das, was Ralf Rangnick mitbringt, derzeit bei Bayern gesucht wird", erklärte Marc Kosicke der Bild. Doch was genau suchen die Bayern eigentlich?

Zum Anforderungsprofil eines Bayern-Trainers gehört es seit jeher, mit einem Kader voller Stars und deren teilweise sensiblen Egos umgehen zu können. Genügend Autorität sowohl gegenüber den Spielern als auch im Umgang mit der Presse sollte er ebenfalls mitbringen und mit den Bossen auf Augenhöhe agieren können. Zudem sollte der neue Mann an der Seitenlinie wohl bevorzugt Deutsch sprechen.

Und: Ein Trainer muss sich der Spielkultur eines Klubs anpassen – nicht umgekehrt, wie Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge im SPORT1-Sommerinterview deutlich machte.

Wenger zeigt Bereitschaft - Berichte über Gespräche

Ob Arsène Wenger all diese Eigenschaften vereinen kann?

Zumindest erklärte die 70 Jahre alte Trainer-Legende, dass ihn die Stelle als Nachfolger von Niko Kovac interessieren würde.

Wie die Bild berichtet, soll der Elsässer mit den Bayern bereits ein konkretes Gespräch geführt haben. Am Samstag nach dem Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund (Sa. ab 18.30 Uhr im LIVETICKER) soll dem Bericht zufolge ein persönliches Treffen geplant sein.

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Wenger ist der mit Abstand erfahrenste Trainer auf dem Markt. 22 Jahre, von 1996 bis 2018, stand der Franzose an der Seitenlinie des FC Arsenal. Dreimal wurde er englischer Meister, siebenmal Pokalsieger, stand zudem 2006 mit den Gunners im Finale der Champions League.

In seinen Hochzeiten dominierte Arsenal den englischen Fußball, in der Saison 2003/2004 wurden die Londoner ohne eine einzige Niederlage englischer Meister, waren eine der aufregendsten Mannschaften Europas. In der Champions League war Arsenal Dauergast, von 1998 bis 2017 ohne Unterbrechung dabei.


Ein Denkmal mit Rissen

Doch im letzten Drittel seiner Gunners-Zeit erhielt das Denkmal Wenger Risse. Der ganz große Erfolg blieb aus, der Meistertitel 2004 war Wengers letzter. in der Liga Seit der Saison 2010/11 kam Arsenal in der Königsklasse nicht mehr über das Achtelfinale hinaus. In seinen letzten beiden Jahren in der englischen Hauptstadt verpasste Wenger dann sogar jeweils den Einzug in die Champions League.

So waren dort nicht wenige froh, dass die Ära Wenger im Sommer 2018 ihr Ende fand. Für den 70-Jährigen war dies jedoch nicht gleichbedeutend mit dem Karriereende. Seit Sommer 2018 wartet Wenger auf den richtigen Job. Deutsch spricht er, auch mit den fünf Franzosen im Kader des Rekordmeisters könnte er sich bestens unterhalten. Alles klar also für den FC Bayern?

Wenger ist kein Mann für die Zukunft

Einen 70-Jährigen dürften die Bayern kaum als zukunftsträchtige Lösung ansehen. Eine Interimslösung bis zum Saisonende scheint aber im Bereich des Möglichen.

Doch auch wenn Wenger nicht als langfristige Lösung gelten dürfte, so könnte er unter Umständen dennoch eine entscheidende Rolle in der Bayern-Zukunft einnehmen - als Teil eines Trainer-Duos?

Denn abseits der bisher genannten Kandidaten gibt es noch einen, bei dem insbesondere Rummenigge aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskommt. Sein Name: Xabi Alonso.

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Duo Wenger/Alonso als Königslösung?

Der Weltmeister von 2010 spielte im Herbst seiner Karriere drei Jahre lang für den Rekordmeister – und hinterließ nachhaltigen Eindruck. Im Frühjahr erklärte Rummenigge, den Spanier unbedingt nach München zurückholen zu wollen. Er adelte Alonso als "klügsten und besten Strategen, den ich je bei uns im Mittelfeld gesehen habe".

Alonso sei ein "wunderbarer Spieler, der vier Sprachen spricht, Deutsch fließend. Eine echte Persönlichkeit, ein Typ, ein Gentleman. Meiner Meinung nach müssen wir uns bemühen, dass er irgendwann als Trainer nach München zurückkehrt."

In die gleiche Kerbe schlägt auch Joshua Kimmich. Der 24-Jährige bezeichnete Alonso Anfang des Jahres als wahrscheinlich "stärkster Spieler, mit dem ich je zusammengespielt habe." Alonso sei das Gehirn unter Trainer Pep Guardiola gewesen.

Als Spieler gewann Alonso, gegen den in Spanien gerade ein Prozess wegen Steuervergehen in Millionenhöhe läuft, alles, was es zu gewinnen gibt. Dazu spielte er unter den erfolgreichsten Trainern wie Guardiola, Carlo Ancelotti, Rafael Benitez oder José Mourinho.

Das "Gehirn" verfügt allerdings bisher kaum über Erfahrungen als Trainer. Seit Sommer trainiert er erfolgreiche die zweite Mannschaft seines Jugendvereins Real Sociedad (aktuell Platz vier in Spaniens dritter Liga), zuvor coachte er lediglich den Nachwuchs von Real Madrid.

BVB dient als Vorbild

Genau hier kommt Wenger ins Spiel. Der Franzose könnte Alonso unter seine Fittiche nehmen, ihm den Weg bereiten und wenn die Zeit reif ist, das Zepter an den Basken übergeben.

"Eine charmante Idee, die den Bayern-Fans sicher gefallen würde", findet SPORT1-Moderator Thomas Helmer, der selbst jahrelang für die Münchner auflief. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist das für mich aber kaum vorstellbar."


Dass ein solches Duo aber durchaus funktionieren kann, zeigt übrigens ausgerechnet ein Blick zum Rivalen BVB. Im Frühjahr 2000 übernahm Trainer-Legende Udo Lattek den in Abstiegsnot geratenen Revierklub. Ihm zur Seite stand der damals 32 Jahre alte Trainer-Novize Matthias Sammer.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Lattek rettete Dortmund vor dem Abstieg und übergab an Sammer. Zwei Jahre später wurde dieser mit dem BVB Deutscher Meister.

 

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