Die eindrucksvolle Rückkehr des Torwart-Giganten

Robin Wigger
Sport1

Johannes Bitter ließ seinen Emotionen freien Lauf.

Zunächst parierte der Nationalmannschafts-Rückkehrer auch den dritten Wurf auf sein Tor, dann folgte ein perfekter langer Pass für Patrick Ziekers Treffer zum 18:13.

Das deutsche Team stürmte zu Beginn der zweiten Halbzeit im Härtetest gegen Island vorentscheidend davon, Bitter schrie seine Freude heraus und brachte das Publikum in der ausverkauften SAP-Arena in Mannheim zum Kochen.

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"Es war wunderschön, es hat Spaß gemacht", sagte der 37-Jährige, der sich sechs Tage vor dem Start der Handball-EM (ab 9. Januar im LIVETICKER auf SPORT1) eindrucksvoll im Nationaltrikot zurückmeldete und auch zwei Siebenmeter hielt.

Das Lob von Christian Prokop, der auch mit Andreas Wolff (zehn Paraden in Hälfte eins) zufrieden sein konnte, ließ nicht lange auf sich warten.

"Er weiß, dass viel Verantwortung und viele Augen auf ihn gerichtet sind. Das hat er heute bravourös gemacht", sagte der Bundestrainer in der Pressekonferenz auf SPORT1-Nachfrage, betonte aber auch, dass es nur ein Testspiel war.

Prokop fordert starke Torhüter

Dem Torhüterduo kommt, erst recht nach der Absagenwelle im deutschen Rückraum, eine Schlüsselrolle zu, soll die angepeilte Medaille bei der Europameisterschaft in Norwegen, Österreich und Schweden erreicht werden.

"Wir brauchen ein starkes Torhütergespann, sonst können wir nichts Außergewöhnliches erreichen", hatte Prokop erklärt und angemahnt, dass zuletzt "die eine oder andere Parade" zur Weltspitze gefehlt habe.


Am Samstag zeigten sich sowohl Wolff als auch Bitter von ihrer besten Seite.

"Wenn wir die Torhüterleistung ansatzweise halten können, haben wir ein tolles Fundament für die Europameisterschaft", lobte Prokop.

Bitters Turnier-Comeback nach neun Jahren

Bitter, der bei der EM sein erstes Turnier für Deutschland seit neun Jahren spielen wird, hatte im Kader überraschend den Vorzug vor Dario Quenstedt und Silvio Heinevetter erhalten.

Eine besondere Situation für den Routinier, der 2011 zumindest einen vorzeitigen Schlussstrich in der Nationalmannschaft gezogen hatte.

"Es war sehr, sehr viel für mich in den Jahren zuvor", erklärte Bitter am Medientag in Frankfurt SPORT1: "Ich habe das zehn Jahre gemacht, dann mit kleinen Kindern zu Hause. Da war für mich klar, dass einfach mal eine Pause sein muss."


2014 half Bitter noch einmal kurz aus, ehe er im Vorjahr bereits im erweiterten WM-Kader für den Notfall bereitstand. Nun also tatsächlich das Turnier-Comeback – eine Vorstellung, bei der er 2011 nach eigener Aussage "nur müde gelächelt" hätte.

Doch eine Sache schien der Goalie auf alle Fälle vermisst zu haben: "Die Hymne mit den Jungs im Arm zu singen, ist etwas anderes, als sie vor dem Fernseher zu singen. Der schönste Moment war es, hier einzulaufen und die Hymne zu singen - und danach war es Handball."

WM-Held von 2007

Bitter bringt dem deutschen Team viel Stabilität und Erfahrung, wenngleich er sich den ein oder anderen Tipp von Kollege Wolff doch erstmal holen musste.

"Ich habe ihn ausgequetscht, weil mir die Erfahrung hinter Peke (Hendrik Pekeler, Anm. d. Red.) und Bam-Bam (Patrick Wiencek, Anm. d. Red.) fehlt", sagte Bitter: "Da haben wir darüber gesprochen, wie sie das handhaben, wie sie das in der Vergangenheit gemacht haben."

Das Verhältnis zu Wolff beschreibt der Mann des TVB Stuttgart als "bisher sehr gut". Der Eindruck verstärkte sich am Samstag, als sich beide immer wieder pushten - ob nach gelungenen Aktionen oder Gegentoren.

Der Weltmeister von 2007 weiß, worauf es in einem Turnier ankommen kann. "Wir müssen erstmal diese Einheit schaffen, dass wir ein eingeschworenes Team werden", erklärte er SPORT1. Auch hier machte der erste Eindruck Mut, Prokop zeigte sich bereits positiv vom Teamgeist überrascht.

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Bitter glaubt an Medaille

Anschließend müsse die Mannschaft, so Bitter, "einen Tunnelblick entwickeln", sich "kleine Ziele setzen" und diese erreichen. "Und dann steht da das große Ziel Stockholm."

Eine Medaille sieht er absolut als machbar an, der Sieg gegen Island diente als weiterer Mutmacher. "Sie haben eine sehr gute Leistung gezeigt. Wenn sie da anknüpfen, wird das sehr gut laufen", sagte Tobias Reichmann über die zwei Giganten, die allein mit ihrer Statur (Bitter 2,05m, Wolff 1,98m) Eindruck hinterlassen.

Bitter sah es ähnlich: "Ich glaube, das ist das, was sich die Mannschaft wünscht. Wenn wir das so hinbekommen wie heute, sind wir auf einem richtig guten Weg."

Kann das deutsche Gespann aus Torhüter und Abwehr dann sogar das beste Europas werden? Bitter dazu: "Ich denke, dass wir eine sehr hohe Qualität haben. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir am 27. Januar dastehen und das schwarz auf weiß hätten."

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